1154 Tage Costa Rica Zentralamerika

Zarcero – von Bauern, Festen und netten Menschen

>> Zarcero, Costa Rica
Das Schicksal schickte uns am 2. Mai nach San Ramón. Aber auch diese Stadt trieb uns beinahe die Tränen in die Augen. Waren wir zu doof, einen angenehmen Ort zu finden? Aus der Karte, die wir haben, ist einfach nicht ersichtlich, wie gross eine Stadt ungefähr ist…Wir wollten der Stadt eine Chance geben und suchten uns eine Bleibe. Weit und breit nichts, ausser ein paar teuren Hotels mit Marmorboden. Das einzige Hostel, welches wir kannten fanden wir nicht. Wir fragten uns durch und wurden immer wieder von der einen Ecke in die andere geschickt. Die Rucksäcke fühlten sich immer schwerer an – wir schleppen eindeutig zu viel «Glump» mit – also sassen wir in ein Taxi, welches nur noch etwa 500 Meter fuhr… vor ein geschlossenes Hostel! Waaahhhh! 😉

Ich glaube es ist nicht nur bei den Ticos so, sondern wohl in ganz Lateinamerika. Wenn man nach etwas sucht und die befragte Person es nicht weiss, schickt diese einem lieber irgendwohin, anstelle zuzugeben, dass sie den Ort nicht kennt. 😉

Wir wollten nicht mehr hier sein. Alle paar Minuten (hier war es wirklich extrem!) wurden wir von Menschen angequatscht, welche Geld von uns wollten. Wir wurden angeschrien, weil wir nichts geben wollten und man wünschte uns sogar den Tod…. Hallo?
Es ist ja nicht so, dass wir böswillig nichts geben wollen, aber wenn jemand Geld fürs Essen verlangt, aber sein Sandwich auspackt und es den Tauben verfüttert…

Und man sagt hier sei die Stadt der Poeten. Nur wo diese waren ist die Frage…
Es wurde uns zu blöd, wir liefen wieder zur Bushaltestelle zurück und warteten mehrere Stunden auf den Bus, welcher uns nach Zarcero befördern sollte…

Irgendwie völlig demotiviert stiegen wir in den Bus, und erwarteten wirklich nichts wahnsinniges mehr. Aber, meine Lieben, das Schicksal meinte es gut mit uns, es war alles halb so wild, es hatte sich alles voll und ganz gelohnt.
Die Landschaft, welche wir während, glaube ich, zwei Stunden durchquerten, war fantastisch! Grün und saftig, hügelig und sanft, ab und zu Felder mit langohrigen Kühen, Wälder, die aussahen wie kleine Broccolisträusschen, eine Augenweide! Ach tat das der Seele gut!

Und erst Zarcero! Nicht dass das Städtchen eine Augenweide wäre oder so, es hatte einfach Charm. Eine Hauptstrasse lang und ein paar kleine Nebensträsschen breit. Überall kleine Läden, Sodas (Miniimbiss ohne Alkoholausschank) wo die Stühle auf der Strasse stehen und freundliche Leute. Wir fühlten uns einfach wohl hier.
Der einzige Nachteil: Es gab nur eine Übernachtungsmöglichkeit, sodass wir nun ein Loch in der Kasse haben 😉 Dafür hatten wir einen Fernseher, was ja wirklich ein komischer Zeitvertreib ist 😉

Wir fanden wir hätten nach diesem Tag wirklich ein Bier verdient, so gingen wir in die Dorfkneipe und bestellten zwei «Imperial». Nur schon von unserer Grösse her, sind wir hier immer eine Attraktion, und in Zarcero, weil wir wohl die einzigen Touris im Moment waren.

Nach dieser Runde Bier wurden uns zwei neue Flaschen auf den Tisch gestellt – wir, ein bisschen verwundert – wurde uns mitgeteilt, dass wir vom Herrn im gelben T-Shirt eingeladen wurden. Sowas! Also bedankten wir uns anständig bei ihm und kamen so mit Luiz und seinem Schwager (der Spender) ins Gespräch. Wir erinnern uns leider nicht mehr an den Namen des Schwagers, denn er verliess uns ziemlich bald, ein bisschen schwankend.
Luiz werden wir aber so schnell nicht mehr vergessen. Ein so liebenswerter, weltoffener Mensch! Wir plauderten miteinander, als ob wir uns schon seit Jahren kennen würden. Ein bisschen stolz darf ich sagen, auf Spanisch 😉 (Hände und Füsse dazugerechnet).
So vergingen Stunden, und mehrere Flaschen gingen über die Theke. Luiz ist in Zarcero geboren und würde für kein Geld der Welt diesen Ort verlassen. Er ist Bauer und pflanzt unter anderem Kartoffeln, Karotten, Rosenkohl und sonstiges Gemüse an.

Wir bekamen vom vielen plaudern mächtig Hunger und wollten etwas typisches Essen. Luiz kannte einen netten Ort, ein bisschen ausserhalb. Und da wir ohne Auto unterwegs sind, fuhr er uns wie selbstverständlich dorthin!
Vor uns stand eine grosse Hütte, ohne Wände nur mit einem Dach und langen Tischen. Wir bekamen ein «Casado» (Reis mit schwarzen Bohnen, Kochbanane und Fleisch) und er sagte dem Inhaber, er solle sich Mühe geben und gut kochen und vor allem nicht zuviel verlangen, sonst bekäme er es mit ihm zu tun, denn schliesslich seien wir seine Freunde 😉 Mmmhhh, es schmeckte hervorragend!

Luiz wartete nebenan in der Bar auf uns. Wir waren ausser uns vor Freude! Hätten wir das heute an der Busstation in San Ramón gedacht?
Wir holten Luiz und er fragte, ob wir an ein Fest gehen möchten. Für Feste sind wir sowieso immer zu haben, also bejahten wir natürlich 😉

Das «Fest» war eigentlich eine grössere Bar. Der Inhaber der Bar war Luiz’ bester Freund und trägt denselben Namen wie er. Meine Güte war das lustig. Alle kannten sich natürlich und so lernten wir viele seiner Freunde kennen. Zur späteren Stunde kam der «DJ» und es war Karaoke mit spanischen Liedern angesagt 😉 (Nein, wir mussten nicht singen…)
Ich denke viele dieser Männer machen dies nicht nur einmal im Monat, man hätte einige ohne weiteres an den «Concours Eurovision» schicken können!

Wir durften kleine Happen probieren und genossen einfach diesen Abend. Er gab uns so richtig Kraft für die nächsten Etappen, da die letzten Tage irgendwie nicht so unser Ding waren.
Ich könnte noch zeilenweise über diesen Abend schreiben, aber wir wollen ja nicht anstrengend werden… es war schlicht und einfach genial!

Irgendwann brachte uns Luiz zurück und zeigte uns noch sein Zuhause.
Das nächste Mal, wenn wir wiederkommen würden, sollen wir bei ihm übernachten, sein Heim sei unser Heim 😉 Ist das nicht wunderbar? Und wir werden bestimmt zurückkommen…!

Zum Abschied gab er uns noch Gott mit auf den Weg. Somit tragen wir diesen auch noch in unserem sowieso schon zu schweren Rucksack mit. Hoffen wir, er macht sich nicht allzu breit 😉

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