1154 Tage Mexiko Zentralamerika

Wie man an ein gratis Buffet im fünf Sterne Hotel kommt

>> Puerto Morales, Mexiko
Was uns als erstes sehr sympathisch war, als wir in Puerto Morales ausstiegen, dass der Bus nur an der Hauptstrasse hielt und nicht direkt ins Dorf fuhr.
Entweder man nimmt ein Taxi für die gut 3 Kilometer oder man wartet auf ein «Colectivo». Das heisst, dass es für die meisten zu unbequem ist, ausser natürlich für die Autofahrer.
Obwohl ein Taxi vor unserer Nase stand harrten wir der Dinge und warteten auf ein «Colectivo». Zum Glück für uns.
Im Büssli lernten wir Rosa kennen, die uns fragte, ob wir ein Hotel suchen würden. Ja aber was simples und billiges.
Sie führte uns zum Hotelito Maraviya, es sei das billigste im Dorf. Es ist tatsächlich ein Dorf hier. Kleine Restaurants und Comedores, man sieht, dass hier auch Leute wohnen. Rosa stieg mit uns aus und fragte für uns nach Preis etc 😉


Gut, es war nicht so billig wie wir uns erhofft hatten, aber in der gleichen Preiskategorie wie die letzten Nächte, dafür viel besser, hübscher und mit Charm. Es ist ein Minihotel eines Mexicaners und einer Québecerin, die hier schon lange leben.
Wir diskutierten hin und her und bekamen eine nette Preisreduktion ;-). Wir fühlten uns bei ihnen sehr wohl. Endlich!
Kommt dazu, dass Rosa uns erklärte, sie arbeite im Hotel «El Cid» und diese feiern im Moment Geburtstag. Ich glaube sie hatte Mitleid mit uns, weil wir ihr von den letzten Tagen klagten 😉

Sie sagte, dass die dort Promotionen machen und Timesharing-Pakete verkaufen würden. Aber wir sollen einfach zu allem nein sagen, denn am Schluss könne man am Hotelbuffet essen gehen…

Essen… wir hatten sowieso sehr Hunger, flohen wir von der Insel mit nur zwei mickrigen Toastbroten im Magen.
Sie füllte eine Einladung aus und wir konnten per Taxi zum Hotel fahren (wurde auch vom Hotel bezahlt) 😉
Mensch… wir waren ja noch nie in so einem Hotel 😉
Völlig üppig, völlig übertrieben, aber wir spielten das Spielchen mit…

Wir wurden der Timesharing-Empfangsdame übergeben. Rosa erklärte uns zum Glück schon alles im Voraus, so wussten wir auch, was uns in etwa erwartete.

Nach den ersten Formalitäten (keine Angst wir haben keine Verträge unterschrieben…) kam Damien und führte uns im Hotel umher. Wir trauten unseren Augen nicht. Es war eines dieser «alles inklusive»-Hotels. Im grossen, geschwungenen Pool mit Miniwasserfall draussen, jauchzten und kreischten die Leute und klatschten Beifall für irgend so ein DJ. Sie standen im Wasser im Kreis und machten schön brav alles was der Animator sagte. Ich konnte mir ein Lachen nicht verkneifen. Wir besichtigten die Zimmer und bestätigten immer wieder wie toll wir es doch hier fänden 😉

Danach kam die harte Version. Wir sassen vor einem Computer und mussten eine Präsentation über uns ergehen lassen von ihrem Punktesystem. Da bezahlt man monatlich einen rechten Betrag auf 20 Jahre raus ein und bekommt so und soviel Punkte im Jahr gutgeschrieben, welche man dann in Ferien, Flüge etc aus einem Katalog eintauschen kann.

Wir dachten sowieso nur ans Buffet und interessierten uns einen Käse für ihre Ferien. Wir versuchten Damien so höflich wie möglich zu erklären, dass dies nichts für uns sei.
Das war Level 1.

Plötzlich – Plopp, Zischschsch… – Champagnerkorken knallen, die Leute klatschen. Was ist los? Das sei, wenn jemand ein neuer V.I.P geworden sei. Das könnt ihr auch werden…

Hirnwäsche pur. Danach kam Level 2. Eine äusserst aggressive Tussi. Das gleiche Spiel wie vorher, aber viel schneller und aufdringlicher. Viele Testfragen. Warum wir denn nicht wollen. Das sei doch nicht logisch. Schaut, ich kann euch NOCH eine bessere Offerte machen… Wir staunten nicht schlecht. Nicht über die Offerte. Eher über die Art und Weise, wie sie hier versuchen den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Wir behaupteten wir bräuchten Zeit, wir würden nie am gleichen Tag entscheiden, wenn wir soviel Geld ausgeben würden. (Und es handelte sich um ein paar zehntausende von Dollars…). Die Tussi verstand dies gar nicht. Wir sollen doch mal überlegen. Wieviel Geld pro Nacht wir denn ausgeben würden. Hmm… wenn die wüsste. Wir spielten mit: 300 Dollar (kicher). Ja und mindestens? Hä? Was soll das denn für eine Frage sein? Ja sie würde schliesslich NIE in ein Hotel gehen, das nur 20 Dollar kosten würde. Wir mussten aufpassen, dass wir nicht loslachten…

Wir blieben hart. Da kam Level 3. Die (anscheinend) rechte Hand des Besitzers. Wieder das gleiche Spiel, wieder Fragen, neue Offerten. Warum wir denn nicht wollten. Inzwischen knallten sicherlich schon dreimal die Champagnerkorken.
Ob es denn am Geld liege?

Es wurde uns langsam aber sicher zu doof. Sassen wir doch schon lange genug in diesem Zimmer. Der Magen knurrte, wir konnten nur noch ans Buffet denken 😉
Dann wurden auch wir aggressiver und fanden, es läge überhaupt nicht am Geld, wenn wir wollten könnten wir uns diese Offerte gleich kaufen. Aber das sei nicht unser Stil und wir kaufen nichts, ohne zu überlegen. Wir standen auf und die rechte Hand stellte uns mehr oder weniger vor die Türe 😉

Endlich draussen. Wo geht’s zum Buffet?
Wir scheuten uns nicht unseren Gutschein zu zücken und so zu tun, als ob wir dazu gehörten. Das Buffet war riesig. Es gab von allem im Überfluss. Wir hauten so richtig rein, schöpften zweimal plus Dessert 😉

Danke Rosa, wir assen den ganzen Tag nichts mehr, so vollgestopft waren wir. Das ganze Theater kosteten wir total aus und nahmen uns ein vom Hotel bezahltes Taxi zurück in die Stadt. Man «leidet» gerne ein paar Tage, wenn man so einen Schadenersatz bekommt 😉

Nun geniessen wir ein paar Tage hier. Es ist ein ganz netter Ort und hat sehr viel weniger Touristen. Vorallem ist es nicht so amerikanisiert wie der Rest, es kommen vor allem Mexicaner hierher.

Klar säumen auch hier Hotels den Strand, aber sie sind (noch) viel kleiner als in Cancun zum Beispiel. Es stehen hier keine dieser Riesenkomplexe. Es ist übersichtlich. Der Strand ist auch sehr spärlich besetzt, was äusserst angenehm ist.

Wir befürchten zwar, dass es nur noch ein paar Jahre dauert, und es dann auch zubetoniert wird. Das El Cid fängt schon damit an und kaufte ein enormes Grundstück am Strand und baut wie verrückt.

Es wäre schade. Es ist sowieso unglaublich, dass man eine ganze Küste mit schönem, weissem Sand und blauem Meer so landschaftlich verpesten kann. Wir werden noch andere Orte auskundschaften, aber nicht mehr an der Karibikküste. Wir haben verstanden, dass dies wohl nichts für uns ist. Mal schauen, was wir noch finden.

Wir erholen uns nun ein wenig vom schockierenden Start in Mexico und schauen dann weiter. Wir werden berichten, liebe Grüsse von uns!

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2 Comments

  • Reply
    Anonymous
    15. August 2007 at 11:52

    hopla! ich hätte dies niemals durchgestanden – vorallem nicht mit leerem Magen…
    ihr seid ja ganz schön frech 🙂
    tolle Aktion – gut gemacht!
    liebe Grüsse und auf ein baldiges Mail von mir.
    Eva

  • Reply
    vagabondage
    15. August 2007 at 16:20

    Danke 😉 Wir nehmen das als Kompliment 😉
    Ich freu mich wie immer auf Deine Mails. Liebste Gruesse von uns!

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