1154 Tage Mexiko Zentralamerika

Warum Ventilatoren nicht immer die Köpfe kühlen…

>> Tizimin, Mexiko
Ihr habt Euch schon gefragt, warum hier noch nichts Neues steht? Es langweilt Euch schon seit Tagen, aus Mangel an Action und Erlebnissen? Ihr wart schon darauf und daran einen anderen Blog zu suchen?
Nichts da! Wir bieten Euch Spannung, Action, Romantik, ja sogar Blut…


Wir sind in Tizimin, nachdem wir zwei Tage in einem sehr öden Fischerdorf verbracht haben. Da wir im Moment nicht zu grosse Sprünge machen wollen, wir ja bald wieder an die Küste fahren müssen, fuhren wir einfach in den nächsten Ort. Das ist nun Tizimin, eine Stadt, welche aber angenehm ist, mit ganz freundlichen Leuten.

Wir fanden auch eine sehr gemütliche Übernachtungsmöglichkeit. Besser als wir erwartet haben für unsere Preiskategorie, denn wir haben sogar einen Fernseher 😉 Ja lacht nur über unser «Highlight», haben wir seit Monaten nicht mehr so einen Kasten gesehen. Aber wir kommen sonst sehr gut ohne aus… 😉

JC und ich plauderten am späten Nachmittag über das spitalähnliche Neonlicht im Zimmer, welches an den weissen Wänden noch heller leuchtet.
Ja, ja, seid doch nicht so ungeduldig, die Spannung kommt noch… 😉

JC, der Romantiker 😉 klettert aufs Bett und möchte eine Birne ausschrauben, damit das grelle Weiss des Lichts ein wenig abnimmt. Er kam nicht mal dazu seine Arme zu heben – Pagggg! – ein Aufschrei, er hält sich die Hand an den Kopf, Blut strömt über sein ganzes Gesicht…

Scheisse! Wir haben diesen idiotischen, grossen Ventilator an der Decke vergessen…

Wie immer, wenn man Wunden am Kopf hat, blutet es extrem stark. Während JC ins Lavabo blutet, schaue ich mir die Wunde an seinem Kopf an: Ein relativ sauberer, etwa 6 Zentimeter grosser, U-Förmiger Schnitt, am Oberkopf. Es war mir klar, dass so eine Wunde genäht werden muss. Tausend Sachen gehen einem in diesem Moment durch den Kopf.

Ich drückte ihm ein Handtuch auf die Wunde, packte ein paar Sachen ein und wir liefen runter. Ich sagte der sehr netten und hilfsbereiten Hotelbesitzerin, dass wir einen Arzt bräuchten. Sie staunte nicht schlecht, als sie das inzwischen rote Handtuch an JCs Kopf sah…

Sie rief einen Krankenwagen. Die nächsten Minuten kam ich mir vor wie im Film. Es ging nicht sehr lange und wir hörten die Sirenen näher kommen. Drei junge Mexicaner schauten sich den Kopf an, verbanden ihn und umgehend sassen wir im Krankenwagen in Richtung Spital.

Ihr könnt Euch vielleicht vorstellen, wie froh wir waren, dass so etwas hier passierte und nicht in diesem Fischerdorf, oder in Guatemala, wo Spitäler eher spärlich gesät sind…

Tja, so kam es dazu, dass wir das kleine Spital von Tizimin von innen kennen lernten.
Seit wir in Mexico sind ärgern wir uns über diese dreiflügligen Deckenventilatoren. Wir können ja auch nichts dafür, dass wir so gross sind… Aber oft ist der untere Teil des Ventilators nur einige Zentimeter über unserem Kopf. Jedesmal sagen wir uns, dass wir aufpassen müssen. Schon nur beim Umziehen, oder Bewegungen mit den Armen machen, oder…
Tja, jetzt passierte es halt beim Ambiente herstellen wollen… 😉

Aber wir können uns glücklich schätzen, dass nichts Schlimmeres passiert ist. Der Venti lief zum Glück auch nicht auf Hochtouren. Und weil dieser bescheuerte Fernseher lief, hörten wir das Brummen nicht…

Im Spital ging alles recht gut über die Bühne. Wenn man an die Spitäler in Europa denkt, war dies doch eine sehr witzige Erfahrung. Das winzige Patientenzimmer war wie im 60er-Jahre-Stil, verpackte Verbände stapelten sich an den Wänden, diverse Flaschen standen herum, es roch ein bisschen von diesem «spitaligen». Die Krankenschwester lief einige Male zur Tür hinaus, weil mal dies und mal das fehlte.
JC lag auf einem Minibett, die Krankenschwester spritzte ihm eine Betäubungsspritze, während eine andere Schwester die spritzende Schwester beinahe umwarf, weil sie vor der Tür stand, während die andere rein wollte… 😉
Die Klimaanlage tropfte, JCs Kopf tropfte auch wieder… Ich machte sie auf das Blut am Boden aufmerksam, sie fand dies aber ganz normal.

JC wurde mit fünf Stichen wieder zusammengeflickt. Am Schluss musste ich der Ärztin noch beim Verband halten helfen, weil die Krankenschwester schon wieder draussen war… 😉

Es lief alles gut ab, wir bekamen ein Rezept für Medikamente, welche er nun eine Woche nehmen muss. Danach können die Fäden auch wieder raus.

Zu unserer freudigen Überraschung standen plötzlich die beiden Hotelbesitzerinnen vor uns. Sie kamen uns netterweise vom Spital abholen und fuhren mit uns zur Apotheke. Beim Verlassen des Spitals mussten wir nur 37 Pesos (etwa 4 Franken) bezahlen, was aber die Hotelbesitzerin unbedingt begleichen wollte. Ich glaube es war ihr nirgends recht, dass so etwas in ihrem Hotel passierte. 😉 So nette Hilfsbereitschaft schätzt man in solchen Situationen wirklich sehr!

Als sich der erste Schock gelegt hat, mussten wir lachen 😉 War es das erste Mal, dass die Ärztin jemanden am Kopf nähen musste, wegen eines Ventilator-Unfalls. Tja, den kleinen Mexikanern passiert das ganz sicher nicht… 😉
(Ja Ihr dürft auch ein bisschen Lachen, aber nur, wenn Ihr auch ein wenig Mitleid mit JC habt… 😉 )

Nun bleiben wir gezwungenermassen ein paar Tage länger in Tizimin. So kann JC sich erholen. Passenderweise immer noch im Zimmer mit krankenhausähnlichem Licht, welches wir aber brav nicht mehr anrühren werden… 😉


Nein, blutrünstige Bilder haben wir keine… 😉

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