1154 Tage Guatemala Zentralamerika

Vom Picknick, Markt, Elotes Locos und dem Riesenrad

>> San Pedro la Laguna, Guatemala
Die letzte Woche in San Pedro verging wie im Flug. Wir sind auch ziemlich froh, dass nun der Spanischkurs zu Ende ist. Es war eine spannende Zeit, gebracht hat es viel, aber jeden Tag, drei Wochen lang die Schulbank drücken, ist nicht ohne 😉Letzten Samstag verbrachten wir einen typischen Picknicktag, wie es hier so üblich ist für einen Weekendbeginn. Wir freuten uns, wussten wir doch nicht, wie ein guatemaltekisches Picknick aussieht. Wir staunten nicht schlecht!
Deborah produzierte ein Arsenal voll Tortillas, kaufte einen Haufen Gemüse und Fleisch auf dem Markt ein. Wir machten uns mit Teller, Kochlöffel, Becher, Getränke, Kochtopf, Feuerholz und sonstigen Utensilien auf den Weg zum Bootssteg, von wo aus wir zum Strand tuckerten.



Die ganze Familie, mitsamt Deborahs Mutter kam mit. Am Strand wurde ein grosses Feuer entfacht und das Wasser im Kochtopf aufgesetzt. Deborah putzte das Suppenfleisch mit Seewasser 😉 und Fleisch und Gemüse wurde zu einer wirklich leckeren Suppe verarbeitet.
Es wurde ein toller Tag am Strand mit Suppe und Tortillas, für uns zwei spannend, kennen wir das Picknick ja eher mit Cervelat, Sandwich oder Salat 😉
Wir liefen zu Fuss nach San Pedro zurück, wobei wir immer wieder schöne Ausblicke auf den See erhaschen konnten.

Am Sonntag hiess es für uns früh aufstehen. Wir hatten einen Ausflug nach Chichicastenango auf dem Plan. Chichicastenango, kurz Chichi ist bekannt für den grossen, farbigen Markt, wo man tausende brauchbare und unbrauchbare Dinge findet. Das schöne ist, dass der kleinere Teil für die Touristen gedacht ist, wo man allerlei Souvenirs erfeilschen kann. Die restliche Partie ist für die Einheimischen, wo sie sich mit Gemüse, lebendigen Hühnern und Schweinen, diversen Stoffen für die Kleider, Schuhsohlen und dergleichen eindecken können.

Mit der Zeit wurde es ein bisschen anstrengend, wimmelten wir doch duzende von Kindern ab, welche einem Ketten oder sonstigen Ramsch verkaufen, oder einfach nur Geld wollten.
Aber alles in allem war es ein sehr fotogener Markt, wir hätten auch nur stundenlang auf den Stufen der weissen Kirche sitzen können um einfach dem Geschehen zuzusehen. Am Sonntag ist jeweils eine Zeremonie vor und in der Kirche, so war die Luft von Weihrauch getränkt, was mich selber ein bisschen dusselig machte.

Wie schon erwähnt, begann diese Woche das grosse Dorffest von San Pedro. Offiziell begann es am Montag, aber da sich hier niemand um Offizielles schert, begann ein Teil auch schon am Wochenende. An unserer Strasse entstand eine regelrechte Stand-Stadt. Die Stände wurden aus Brettern gezimmert, oder rudimentär mit Schnüren zusammengebastelt. Eine Plane als Dach, für allfälligen Regen. Wer keinen Stand hatte, breitete seine Ware einfach auf dem Boden aus. Man konnte alles finden. Vom wichtigsten, den Festguetzli (Roscas) über Hüte, Kleider, Stoffe, Schuhe, Plastikschüsseln, Alutöpfe, Jesusbilder, Wecker, Schrauben, Kaugummis, Seifen, überdimensionale Geltöpfe, auf CD gebrannte Filme, und sonstigem Krimskrams, welchen die Verkäufer noch so bei sich zu Hause fanden, gings natürlich zu Essbarem wie: Kokosnüsse, gebratener Mais, Pupusas (gefüllte Tortillas) , steinharter, fluoreszierender Zucker, welcher mit einem Meissel vom grossen Klotz runtergehämmert wird, Glace, frittierte Kochbananen mit Crème, Tacos, Elotes Locos (Maiskolben mit Mayo und Ketchup), Zuckerwatte (die drehende Schüssel, worin der Holzstab für die Watte gehalten wird, wird von Hand angekurbelt (!) ), Pollo Frito, wobei die Pommes von einem Familienmitglied von Hand geschält werden und in einem Wasserkessel warten, wonach ein Junge mit einem grossen Messer in geübten Handgriffen die Kartoffel zu Pommes verarbeitet. Man sieht, dass er es nicht zum ersten Mal macht. 😉 Bei uns würde es in diesem Alter heissen: Spiel nicht mit dem Messer! Sein Messer war aber beinahe so gross wie er selber… 😉

Das ganze Fest ist sehr lustig, man kann sich das überhaupt nicht so wie bei uns vorstellen.
Die ganze Stimmung ist hervorragend, die Leute amüsieren sich prächtig. Das Highlight ist natürlich das Riesenrad. Oder besser gesagt, das «Grosserad» 😉 wovon es zwei gibt. Die kommen bestimmt aus den 20er- oder 30er-Jahren, jünger können die nicht sein. Angetrieben werden sie wahrhaftig von einem Traktormotor. Die Hälfte vom Traktor ist ersichtlich, da sitzt tatsächlich ein Herr im Sitz und gibt Gas und wechselt die Gänge um das Rad in Schwung zu bringen. Sehr schwungvoll zum Teil 😉

Es gibt Trampolins für die Kinder, eine Minigeisterbahn und die «Serpiente Humana», welche die Kinder fragen, warum sie denn eine Schlange geworden sei. Diese Antwortet dann, es sei, weil sie nicht zu Schule ging, oder die Suppe nicht aufgegessen habe… 😉

Es existieren verschiedenste Spiele, eine Art Bingo, aber nicht mit Zahlen, sondern mit Bildern, alte Videospiele, Ringe, in welche man Münzen werfen muss und irgendwas gewinnen kann…

Abgesehen von den obengenannten Festivitäten, gab es jeden Tag noch spezielle Anlässe. Wie zum Beispiel das wichtige «Desfile de las Reinas». Das sind Mayafrauen aus den verschiedensten Regionen, in ihren Trachten und speziellen Kostümen, welche auserwählt wurden für ein Jahr Königin zu sein. Nicht in diesem Sinne ein Schönheitswettbewerb, einfach nur um ihre Region zu repräsentieren. Sie tänzeln zu Marimbaklängen auf die Bühne, es war ein wunderschöner Umzug, konnte man doch diverse, typische Kleider betrachten und schönen Haarschmuck und Accesoires bestaunen.
Oder es gab Umzüge in der Strasse, oder maskierte Menschen, die einen Tanz aufführten, oder…

In den letzen Tagen wurde bis in die Morgenstunden getanzt und die Alkoholleichen schliefen am nächsten Morgen in der prallen Sonne ihren Rausch aus. Wir schliefen meistens nicht so gut, da wir sozusagen IM Fest wohnten. Was aber völlig egal war, es gab jede Menge zu sehen und wir sind überglücklich, dass wir diese Feier miterleben konnten. Es war wirklich mal etwas Anderes und hatte sehr viel Charme.

Obwohl wir einen tollen Einblick ins guatemaltekische Leben haben konnten und wir uns nun wie «Pedraner» fühlen 😉 geht es am Montag trotzdem weiter und wir freuen uns nun auch, wieder etwas Neues zu sehen und zu entdecken.
Nun heisst es Abschied nehmen von der Familie mit Deborah und Rafael, den drei Katzen, dem Hund Rufo, Pedro, dem Internetmenschen, die Nachbarn, der Alte von der Lavanderia gegenüber, die Lehrer von der Schule, die Menschen, die man täglich auf der Strasse gesehen hat, von den Dorfgeschichten, die man nun alle kennt…

Am Montag geht es Richtung Süden, ein bisschen ans Meer, wo wir auch ein paar Mayaruinen ansehen können.

Wir werden Euch wie immer auf dem Laufenden halten.
Bis bald wieder und viel Vergnügen beim Lesen und Fotos anschauen!

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1 Comment

  • Reply
    Anonymous
    2. Juli 2007 at 2:10

    Hallo Ihr beiden,
    tönt alles super, wünschte, ich wäre auch dabei gewesen!!
    Liebe Grüsse Charng

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