1154 Tage Australien

Unser neues Haus (inklusive Auto) ;-)

>> Adelaide, Australien
Die Vorfreude auf den roten Kontinent ist extrem gross, jeden Tag werden wir ungeduldiger.
Der Flug verläuft soweit gut, mit einem Tankstopp in Neuseeland landen wir dann nach 16 Stunden in Sydney. Die letzten spanischen Sätze im Flugzeug mit unserem chilenischen Sitznachbar. Wir hoffen wirklich, dass diese schöne Sprache nicht zu stark in unserem Kopf verrostet.

Dass wir in Australien sind bemerken wir sofort beim Verlassen der Flugzeugtreppe: ein älterer Herr in strahlend weissen Kniestrümpfen weist uns freundlich den Weg. Andere Länder, andere Mode 😉
In Sydney haben wir mehrere Stunden Aufenthalt, denn unser Weiterflug geht doch nicht wie geplant nach Perth sondern nach Melbourne. Warum? Das erzählen wir gleich.

Die Wartezeit vergeht rasch. Mit einem frischgebrauten und teuren Kaffee sitzen wir an der frischen Luft, es ist warm und leicht feuchte Luft berührt unsere Haut. Wir verbringen die Wartezeit staunend. Erstens ist der Flughafen riesig. Zweitens haben wir wohl seit zwei Jahren nicht mehr so viele unterschiedliche Menschen gesehen. Hier gibt es jede erdenkliche Hautfarbe, Augenfarbe, Grösse, Haarfarbe, Dicke, Dünne, Religionen, Kleidungsstile… Ein wahres optisches Fest. Bis anhin waren wir wohl so das exotischste und auffälligste. Hier ist nun Schluss damit. Definitiv.

So nun zu der Geschichte, warum wir in Melbourne landen und nicht wie geplant in Perth. Ein Geheimnis haben wir noch für uns behalten. Etwas was uns die Warterei beinahe unmöglich gemacht hat: wir haben als wir noch in Argentinien waren schon ein Auto «gekauft»…

Ihr versteht nicht? Ich hole aus:
Während unseres Aufenthaltes in Mendoza haben wir uns viel mit der Suche eines fahrbaren Untersatzes beschäftigt. Uns war noch nicht klar, ob wir wieder ein Büssli oder einen 4×4 wollen. Aber die Vorstellung in Western Australia im 4×4 zu reisen regte unsere Fantasie schon sehr an.
Da unser Flug von Chile über Sydney nach Perth schon gebucht war, wir ja auch vor allem die «linke Hälfte» Australiens besuchen wollen, konzentrierten wir unsere Autosuche auf Perth. Logisch.
Aber trotz allem warfen wir stets ein Auge auf die anderen Städte. Man muss ja schliesslich wissen was es auf dem Markt so alles gibt.
Ständig waren wir im Kontakt mit potenziellen Verkäufern, liessen uns Fotos zukommen, aber NIE haben wir einen einzigen Gedanken verloren, irgendwie ein Auto im Voraus zu kaufen. Wer macht schon so etwas! 😉
Auf einer Internetseite stiessen wir auf einen wunderbaren Toyota Landcruiser, vollständig zu einem Camper ausgebaut mit allem drum und dran, in einem guten Zustand. Ja so etwas könnten wir uns gut vorstellen. Ausserdem ist es ein bisschen unser «Traumauto» ein so genannter Bushcamper für Australien…

Wir kontaktierten die Besitzer, es scheint aber nicht so, dass sie in nächster Zukunft nach Perth reisen wollen. Verständlich, es sind auch gut 3000 km Weg…
Wir bekamen trotzdem nette Fotos, welche uns noch mehr zum träumen brachten. Aber wir verwarfen diese Idee schnell wieder, schliesslich haben wir ja einen Flug nach Perth!

Unsere Suche ging weiter, aber so richtig vergessen konnten wir den von ihnen als «Bushy» angepriesenen Toyota nicht mehr wirklich. Nach ein paar Tagen kam wieder ein Mail von den Besitzern, ob wir noch immer interessiert wären, sie hätten hier noch mehr Fotos… Das war speziell gemein, wo wir doch schon versucht hatten, den 4×4 zu vergessen…

So kamen wir mit Sascha und Jeanette, einem jungen deutschen Paar in Kontakt, wir telefonierten viel, sie schickten uns noch tausend andere Fotos. Wir erklärten ihnen unser «Problem» mit Perth und dann natürlich auch noch das Wichtigste, dass man doch SO kein Auto kaufen könne! 😉

Zwei Nächte lang schliefen wir über das Ganze, was aber sehr, sehr schwierig wurde, die Gedanken kreisten ständig um das Thema Auto. Sollen wir…? Ja, aber… Und das ist doch ein Risiko? Wir kennen die beiden ja nicht… Tausend Fragen und niemand, der uns die Entscheidung abnahm…
Aber nach zwei beinahe schlaflosen Nächten war uns klar: wenn wir dieses Auto nicht besitzen und diese Gelegenheit verpassen, würden wir es uns wohl nie verzeihen.
Also haben wir auf unser Bauchgefühl gehört und auch diesmal hat es uns nicht im Stich gelassen: wir haben zugesagt 😉 Diese Feier könnt ihr Euch wahrscheinlich vorstellen… soviel zur Vorgeschichte.

In Melbourne werden wir freundlicherweise von Sascha und Jeanette, den Vorbesitzern des Toyotas abgeholt (danke nochmals!). Nun sehen wir IHN zum ersten mal: in voller Grösse steht er nun vor uns und wir können es kaum fassen: es ist ein Riesending, aber er sieht so aus wie auf den Fotos, einfach genial. 😉
Völlig übermüdet fahren wir zum nahegelegenen Campingplatz und ruhen uns erstmal aus. Hier bleiben wir fast eine Woche, bis der ganze Papierkram erledigt ist und dieses wunderbare Gefährt auch wirklich uns gehört.

Am nächsten Tag mit allen Sinnen beisammen, können wir endlich eine intensive Inspektion vornehmen: es ist genau das was wir wollten, wir schliessen «Bushy Bushcamper» sofort in unser Herz und sehen schon genau wie wir als Dreierteam in neue Abenteuer reisen werden. Es hat sich alles als super herausgestellt, ein Autokauf ist so oder so immer ein Risiko, ob man ihn nun live sieht oder nicht. Aber der hier scheint perfekt zu sein – drückt uns die Daumen.

Unser Auto in voller Montur auf dem Campingplatz

Innenleben: unterer Teil mit einem Zusatzbett zum ausklappen (links)

Innenleben: Oberer Teil mit dem Bett

Der erste Besuch im Zentrum von Melbourne löst dann doch ein bisschen einen Kulturschock aus. Wir kennen die Stadt schon von der letzten Reise und erledigen eigentlich nur, was wirklich gemacht werden muss.
Uns ist das für den ersten Moment zu viel. Alles ist auf den Konsum ausgerichtet, ein Laden grenzt an den nächsten, dann kommt ein riesiges Einkaufszentrum, tausende an Menschen mit Take-Away-Kaffee, die durch die Strassen hetzen, überall wird englisch gesprochen, grosse Wolkenkratzer, chice Kaffees und Restaurants. Wir schlendern an den vielen Schaufenstern vorbei und es wird uns bewusst: hier gibt es nun wirklich ALLES. Willkommen in der westlichen Welt.
Hier kauft man sich Fastfood, schmeisst die Hälfte wieder weg, weil man nicht mehr mag, das Toilettenpapier in den sauberen, öffentlichen Toiletten ist derart weich und flauschig, dass man sich ein Kissen draus basteln könnte. Man schmeisst hier das Papier auch nicht mehr in den Mülleimer daneben, man darf es in die Schüssel werfen… die Liste würde noch lange werden, aber Kopfweh haben wir jetzt schon.
Es ist ja nicht so, dass wir das alles nicht gewusst hätten, aber nach zwei Jahren Lateinamerika «vergisst» man doch so einiges, was zu Hause als völlig normal gilt.
Ich sage auch nicht, dass die Australier etwas Speziell machen, der Kulturschock wäre in Europa genau so gross und das Beschriebene, sind einfach mal gerade unsere ersten Impressionen.
Glücklicherweise kommen wir nicht direkt von Peru oder Bolivien, sondern von Argentinien/Chile, was das Ganze ein bisschen abschwächt.

Dafür kann man hier Kebab essen, in Chinatown Nudelsuppe einkaufen, Sushi-Röllchen zum mitnehmen, der Mexikaner an der Ecke ist völlig normal und im Café in der Seitengasse kann man Nargileh rauchen. Es lebe die multikulturelle Welt 😉 !

Wir verstecken uns vorerst wieder auf unserem Campingplatz, der bisschen ausserhalb Melbournes liegt und kümmern uns um unser neues Reisemitglied. Es gleicht zwar noch nicht gerade einem Busch-Camp hier, aber es macht in den ersten Tagen trotzdem enorm viel Spass, da wir ja täglich etwas Neues an unserer neuen Wohnung auf vier Rädern entdecken.
Mit den beiden vorherigen Besitzern verbringen wir noch eine gute Zeit, sie geben uns viele Tipps wo und wie man das Auto am besten ein bisschen liebkost. (An dieser Stelle wünschen wir Euch beiden eine gute Weiterreise!)

Montags geht es dann definitiv los. Linksverkehr ist nun auch nicht mehr so absurd, aber Melbourne ist gross und zu Beginn totaler Stress. Da wir diese Region bis Adelaide schon kennen, wollen wir uns ein bisschen «beeilen», da wir ja doch so bald wie möglich in Western Australia sein möchten, da es Wettermässig dort gerade gut ist.

Hier mit aufgebautem Solarpanel

Wir sind happy ;-)

Aber wir nehmen uns die Zeit (und die haben wir ja trotz Ziel) und fahren über die schöne Great Ocean Road. Auch wenn wir die bekannten «Twelve Apostels» schon kennen, fahren wir nochmals hin. Denn seit dem letzten Besuch ist einer der «Steinapostels» eingestürzt. Und wir wollen doch mal sehen, wie das nun aussieht.

Twelve Apostels: unten links fehlt nun einer...

Nun kann man weiter weg stehen, aber ein Loch hat es trotzdem

Der nächste grosse Stopp ist Adelaide. Städte sind einfach nichts, wenn man mit einem Auto unterwegs ist. Aber wir wollen hier neue Schuhe für unser Auto kaufen, damit wir in Zukunft auf neuen Reifen unterwegs sind.

Da sind wir nun, in der grossen Stadt. Auch hier wieder wahnsinnig viele Informationen, Werbung, Kaufmöglichkeiten. Ob wir uns irgendwann an das gewöhnen können (und wollen?). Egal, unser Ziel ist die Natur. Da der Mechaniker die neuen Reifen erst am Montag montieren kann, machen wir aus unserem freien Wochenende das Beste draus.

Wir fahren in den nicht weit entfernten Deep Creek Conservationpark auf der Fleurieu Peninsula. Es ist unglaublich wie vielfältig die Fauna hier ist. Ständig kreisen einem Kakadus in allen Farben über den Kopf. Die «normalen» Morgenwecker sind die weissen Kakadus mit gelbem Häubchen. Hier unten wird uns definitiv klar, dass wir in Australien sind: gemütlich hoppeln Känguruhs über den Weg. Obwohl es nicht das erste Mal ist, das wir ein solches Beuteltier sehen, sind wir völlig ausser uns 😉 Auch die Flora ist nicht zu unterschätzen. Golden ziehen Getreidefelder über die kleinen Hügel, es duftet gut ins offene Fenster von den vielen Eukalyptusbäumen, bizarre Gebüsche und Sträucher ziehen an uns vorbei.

Hier können wir auch schön die diversen Schalter und Hebel eines 4×4 ausprobieren und üben schon mal auf verschiedenen Allrad-Strecken. Übung muss sein, haben wir beide ja keine Ahnung was man mit so einem kräftigen Auto alles anstellen kann.

Übung macht den Meister: wir kommen wieder heil zurück.

Die Übernachtung im Nationalpark, welche hier in Australien wahnsinnig gut organisiert sind, ist erholsam. Ausklingen lassen wir das Weekend am Strand, den wir per Zufall anfahren. Eben, man mach was man kann, an einem freien Wochenende 😉

Weekend am Strand

Das war es mal von unserer Seite. Die nächsten Berichte kommen mit mehr Fotos und nicht nur vom Auto ;-). Es kann gut sein, dass ihr in Zukunft länger auf neue Texte warten müsst, denn Internet ist interessanterweise weniger oft anzutreffen als in Lateinamerika (ausser in den Städten)! Und Westaustralien sei noch viel schlimmer… Also auch nicht ungeduldig werden, wenn nicht gleich eine E-Mail beantwortet wird 😉

Wir sind auf dem Weg nach Port Augusta und starten dort die laaaangen Reise nach Westaustralien auf der Nullarbor Plain.

Hier noch ein paar Fakten von «Bushy Bushcamper» für Technikfreaks:
Es ist ein Toyota Landcruiser HZJ 75 mit Hochdach, zum Camper ausgebaut, Baujahr 96 und einem 4.2l Dieselmotor. Wir haben zwei integrierte Dieseltanks à je 90 Liter, einen integrierten Wassertank mit 40 Litern und zwei 10-Liter-Wasserkanister im Auto als Vorrat. Dazu kommt eine zweite Batterie, die wir mit einem grossen Solarpanell speisen können und ein wunderbarer Engel-Kühlschrank. Geschlafen wir im Hochdach.

Gestartet sind wir mit 416019 km (ist ganz normal in Australien…)
Er ist 5.4 m lang, 2.7 m hoch und wiegt locker 3 Tonnen – ein Monsterteil 😉 er ist aber sehr angenehm zu fahren.

Bis bald wieder, mit Neuigkeiten aus Down Under, wo Känguruhs grasen wie bei uns die Kühe, der Mond kopf steht und das Wasser im Abguss anscheinend auf die andere Seite zwirbelt… 😉

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4 Comments

  • Reply
    Anonymous
    2. März 2009 at 6:17

    Äääääm… öhhh… also, das mit Wasser, das anderstumen zwirbelt, hkkkhm, also, das hab ich ja auch nur mal so gehört, hä und wenn ich die Wanne hier in der Schweiz ablasse, dann muss ich leider zugeben: DAS WASSER MACHT WAS ES WILL!!! Tja. War aber wiedermal schön, einfach was in den Tag zu behaupten, hihihi! Gut, nicht zu vergessen: die Erdumdrehung! Mieeche also schon irgendwie Sinn… aber… naja, erzwingen kann man es nicht, nö? Immerhin fahren tun sie ja auch auf der anderen… nichtwahr.. Seite und so.
    Aber jetzt behaupte ich mal was ganz Wahres:
    DER B… Toyota ist echt OBERKLASSE! Ich drück Euch und die Daumen für Euch, B… den Toyota und eine wunderschöne Zeit! Herzlichst: DIE Plapperkoralle

  • Reply
    michael
    4. März 2009 at 18:42

    So nun muß ich mal nen komentar hinterlassen
    Mit dem Buschi habt ihr ne gute wahl getroffen den sascha mein bester freund und seine freundin jeanette liebten den wagen genau wie ihr von der ersten sekunde an ich wüsche euch eine gute reise passt auf euch 3 auf gruß Michael Ein freund von sascha und jeantette

  • Reply
    Anonymous
    6. März 2009 at 11:59

    hallo ihr lieben,

    mann was fuer ein geiles auto…….#lach# wir hoffen euch und dem Bushi geht es gut??? wir vermissen ihn immer noch. jetzt reisen wir halt mit dem rucksack durch asien, ist schon anders. will auch wieder ein zuhause haben..viel spass euch 3!!!bleibt gesund!!!
    liebe gruesse von den alten bushibesitzern…..
    knutsch

  • Reply
    Anonymous
    15. März 2009 at 11:39

    hallo zusammen!

    wow. richtig viele kommentare 😉

    @plapperkoralle 😉 das mit dem wasser hab ich bis jetzt emfall auch noch nicht so draussen… bis baaald 😉

    danke an den unbekannten michael ;-D

    und euch zwei asien-reisenden viel spass weiterhin.
    nun wisst ihr, warum wir gesagt haben, Australien ist FERIEN für uns ;-D

    bis bald wieder, liebe grüsse von uns

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