1154 Tage Australien

Tropisches Australien – auf nach Darwin

›› Darwin, Australien
Die Aussichten nach Broome zu kommen sehen ereignislos aus: hunderte Kilometer geteerte, trostlose Strasse. Es gibt auch keine Ausweichmöglichkeiten mit unserem 4×4. Langes Zögern bringt uns auch nicht weiter, also nehmen wir die Strecke in Angriff.

Nach Karratha und Dampier, mit seinen schönen Sonnenaufgängen und den gut versteckten, aber spannenden Aboriginal-Gravuren, folgt Port Headland.

Sonnenaufgang bei Dampier

Aboriginalzeichnungen...

... die man gut suchen...

... musste!

Nochmals Sonnenaufgang

Danach entscheiden wir uns spontan nach Marble Bar zu fahren. Des Namens wegen.

Marble Bar gilt als die heisseste Stadt Australiens, allerdings ist es heute bewölkt – in der südlichen Hemisphäre bewegen wir uns Richtung Winter – so wird auch nicht geschwitzt. Das Örtchen ist klein und recht sympathisch. Wir genehmigen uns einen «The Lot» (Hamburger mit allem – Speck, Ei…) im «Hotel». Meist die einzige Einrichtung mit Alkoholausschank in so einem Ort, somit die lokale Bar und Treffpunkt der «locals». Es ist amüsant hier.

Getrunken wird schon Mittags, im Hinterraum spielen Aboriginals mit Weissen friedlich zusammen Billard. Es ist Mittagspause.

Die Dame vom Touristeninfocenter legt uns die «Carawine Gorge» ans Herz. Ein gut 400 Kilometer langer «Umweg», der sich vollumfänglich lohnt. Noch einmal reisen wir durch die schöne Pilbara-Region und sind um einen platten Reifen reicher. Leider bleibt das Wetter ständig bewölkt.

Eine Python

Danach gibt es kein entrinnen mehr: über 600 Kilometer Strecke nach Broome liegen vor uns. Zu sehen gibt es nichts, die Langeweile, die sich langsam einnistet, kann man sich vorstellen.

Broome ist eine florierende Stadt, in der auch der Tourismus gut Einzug hält.

Exotik in Broome

Zeit für einen Service und sonstige kleinere Reparaturen, die gemacht werden müssen. Alles in allem nichts Dramatisches, jedoch zeitaufwendig. Ungewollt werden zwei Wochen daraus.

Viel Vogelbesuch bekamen wir hier

Da es in der Stadt recht unbequem und oft unmöglich ist zu campen, (ausser den Caravanparks, um welche wir aber stets einen grossen Bogen machen) versuchen wir in der Natur unser Glück und überbrücken die Wartezeit an einem schönen Ort auf der Dampier Peninsula mit ausspannen, Brot- und Pizzabacken.

Sonnenuntergang bei Broome

Ein Rainbow Bee-eater

Ein Willy Wagtail

Ein kleiner Kerl: der Einsiedlerkrebs

Die Weiterfahrt in den Norden geht dann leider wieder über den Highway. In der Kimberley-Region hat man zwei Möglichkeiten. Die Schnellstrasse oder die «Gibb River Road», eine unbefestigte Strecke durch das Herzen der Region. Ende Juni bekommen wir wieder Besuch von der Familie, demnach heben wir uns die «Gibb» für später auf. Sie werden sich einen 4×4 mieten, somit steht diesem Abenteuer nichts im Wege.

So düsen wir durch gleichbleibende Landschaft über den «Northern Highway». Oft liegen mehrere hundert Kilometer zwischen zwei Orten, welche auch nicht viel grösser als ein Roadhouse sind. Weites, leeres Grasland, die einzige willkommene Abwechslung bieten die Baobabs (Affenbrotbaum), welche majestätisch aus dem goldenen, mannshohen Gras gucken. Der ursprünglich aus Afrika stammende Baum wächst in Australien nur in den «Kimberleys». Man nimmt an, dass Samen oder ganze Bäume übers Meer hier her angeschwemmt worden sind.

Es kommt afrikanische Stimmung auf. Die Gegend erinnert an die Savanne – vielleicht nennt man diese Strecke auch deshalb «The Savannah Way». Diese Landschaft stimmt den iPod Töne von Bob und seinen Freunden durch die Boxen zu pressen, was die Fahrerei etwas auflockert. Statt tote Kängurus, die es nur zu genüge auf hiesigen Strassen gibt, liegen nun zu einem Ballon aufgedunsene Kühe, alle Viere von sich streckend, am Strassenrand.

Eine Nacht auf einer Restarea

Ab Halls Creek kriegen die Reifen wieder Erde zu spüren – wir biegen auf die Duncan Road ab.

Die Duncan Road

Bei der schönen Sawpit Gorge finden wir wieder ein Camp nach unserem Geschmack. Überhaupt ist der ganze Abschnitt hier sehr schön. Goldene Grashalme, die sich im Wind wiegen, grosse, rote Termitenhügel, wie kleine Schlösser, durchbrechen das Bild, Kängurus hoppeln durch das Gelände.

Palms Springs bei der Duncan Road

Termitenügel

Zurück auf dem Highway, sind wir in einem neuen australischen Staat: das «Northern Territory», mit Darwin als Hauptstadt. Gleich an der Grenze liegt der Keep River Nationalpark, wo wir hinfahren und überrascht werden: die Übernachtung kostet hier nur 3.30$ pro Person. In Westaustralien sind es doppelt so viel, für meist weniger Ausstattung. Man darf hier Feuer machen, Holz liegt bereit, Wasser und eine Öko-Toilette sind vorhanden – nicht schlecht… Uns gefällt es hier.

Es gibt für uns nichts Besseres, als mit dem ersten Licht vom Bett aus durch das Fensterchen zu gucken, beobachten wie die Bäume vor Röte zu glühen anfangen, orange werden und kurze Zeit später nur noch golden glänzen im Morgenlicht. Im Park wimmelt es von Vögeln. Es zwitschert, singt und krächzt, ein Piepmatz gibt sogar elektronische Geräusche von sich.

Da es noch ein bisschen dauert, bis die Familie in Darwin ankommt, genehmigen wir uns einen Abstecher in den Gregory Nationalpark. Viele Strecken sind geschlossen, die «Bullita Stock Route» dagegen ist befahrbar. Kaum haben wir den gewünschten Weg eingeschlagen, hört die Spur abrupt vor einem breiten Fluss auf.

Die grosse Flussdurchquerung

Auf einem Schild steht: «Links der blauen Markierung halten». Stirnrunzeln. Die wollen uns durch diesen Fluss bugsieren. Ein zweites Schild weist auf Krokodile im Wasserlauf hin. Aufregend.

Achtung Krokodile!

Die Flusstiefe ist etwa 40 cm, das Wasser transparent, der Boden glitschige, treppenartige Steinplatten. Die einzige Schwierigkeit ist, dass man ein paar Platten, die ungünstig stehen mit einer grösseren Kurve umfahren muss. Es kann losgehen. Langsam und bedacht tasten wir uns vorwärts. Hier eine Markierung und dort der Ausgang, so weit so gut, aber auweia… wir sind zu früh und zu stark eingebogen und stehen nun vor einem unüberwindbarem Hindernis. Kurz fällt uns das Herz in die Hose. Was nun?

Eigentlich sollte man bei einer Flussdurchquerung den Gang nicht wechseln. Müssen wir nun aber und zwar den Rückwärtsgang. War da nicht eben auch noch ein Loch?

Dennoch gelingt das Manöver, wir erreichen alle drei das Ufer und sind raus aus dem Krokodil-Fluss. Gesichtet wurde zwar keines… 😉 Es ist nicht die letzte Flussdurchquerung im Park, die anderen sind jedoch harmloser.

Ein RIESIGES Exemplar von Baum!

Zum nächsten Campground sind es zwar nur 13 km, dies dauert jedoch beinahe eine Stunde.

Eine steinige Strecke

Steinig, holperig und wackelig geht es voran. Fühlt sich so ein Milchshake? Volle Konzentration ist gefragt, man fühlt sich danach, als ob man Sport getrieben hätte. Allerdings ist die Strecke super, wir werden für alles entschädigt.

Baobab im Gregory Nationalpark

Der Minicampground gehört uns alleine, Baobabs und Termitenhügel sind unsere Nachbarn, ein kleiner, klarer Fluss plätschert krokodilfrei vor sich her.

Das klare Flüsschen ladet zum Baden ein.

Das Nachtessen brutzelt

So fühlen wir uns wohl.

Auf dem Feuer brutzelt das Abendessen, die Vögel beobachten uns kritisch, ein junger Dingo kommt vorbei, um die Eindringlinge in sein Territorium unter die Lupe zu nehmen, die Zähne werden unter dem Kreuz des Südens geputzt. Wir haben alles was man braucht.

Frühstück auf unserem Campground

Nach ein paar gemütlichen Tagen im Park, wird wieder der Weg Richtung Darwin eingeschlagen. In Katherine wollen wir in einem «Bottle Shop» Wein kaufen. (Alkohol kann nur in eigens dafür vorgesehenen Geschäften gekauft werden.) Da Glasflaschen für die meist klapprigen Fahrten nicht in Fragen kommen, begnügen wir uns mit den Mehrliter-Kartons. Hört sich vielleicht furchtbar an, ist es jedoch gar nicht. An der Kasse in Katherine fragt man uns nach Ausweisen. Hören wir nicht richtig? Dies ist nicht, weil wir heute ausserordentlich gut und jung aussehen – nein, man darf hier nur einen Zwei-Liter-Karton pro Person und Tag kaufen, alles wird minuziös in einen Computer eingetragen, daher der Ausweis. «Wir haben ein Alkoholproblem in der Stadt» antwortet die Kassiererin auf unsere verdutzten Gesichter.

«Weinflaschen aus Glas können wir aber Literweise raustragen?» kontern wir. Sie zuckt mit den Schultern. Was genau soll diese Verfügung? Statistiken hätten ergeben, dass die oben genannten Karton-Weine die Problemkinder sind.

Nennen wir die Dinge doch einfach beim Namen. Viele Aboriginals in den Städten haben den Alkoholkonsum nicht im Griff und wanken betrunken durch die Strassen. Nun hat ein besonders cleverer Politiker hinter seinem Schreibtisch dieses besonders clevere Gesetz erlassen. Der politischen Korrektheit wegen, kann man dieses Gesetz nicht nur auf Aboriginals beschränken. Scherereien sind schon vorprogrammiert. Und für die rassistischen Probleme im Land ist dies sicherlich auch nicht entgegenkommend.

Ein Roadhouse auf dem Highway

Es hat sich viel verändert im Land seit wir vor sieben Jahren hier gewesen sind. Auch uns ist bewusst, dass nicht alles beim Alten bleibt, alles verändert und entwickelt sich weiter. Trotzdem sind wir verblüfft, beim Besuch der «Douglas Hot Springs». Bei unserem letzten Besuch war hier gerade mal ein kleiner Parkplatz, wo man runter ans Ufer des Flusses klettern konnte, um ein warmes Bad zu nehmen. Das warme Bad kommt daher, dass ein Arm des Flusses kaltes, ein anderer heisses Wasser führt und an der Kreuzung für angenehme Temperaturen sorgt.

Nun ist der Parkplatz vergrössert worden und es gibt einen enormen Campingplatz. Nicht alles Verdaut man gleich gut. Darum sollte man wahrscheinlich schon Gesehenem, nicht nochmals einen Besuch abstatten…

In die Hauptstadt Darwin ist es nun nicht mehr weit. Das Herzen der Kleinstadt ist nicht gross und gut mit Bars und Restaurants gefüllt. Obwohl das Meer vor der Haustüre liegt und in schönem blaugrün glitzert, möchte man sich hier kein Bad gönnen. Von Oktober bis April schwimmen die gefährlichen Quallen im Meer und sonst tummeln sich Krokodile, Haifische und sonstige unfreundliche Tiere im Wasser.

Aber egal, denn morgen ist es endlich soweit: wir können die Familie am Flughafen Darwins abholen. Was sich während dieser Zeit ereignet, erfahrt ihr im nächsten Beitrag… bis bald wieder!

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2 Comments

  • Reply
    Anonymous
    21. Juni 2009 at 15:12

    Wir haben soeben eure witzigen und ausführlichen Kommentare über eure Reise durch Australien gelesen.
    Wir sind richtig begeistert und nun auch noch angefressen auf weitere Berichte. Wieso das?
    Nun, Sara unsere Tochter hat das Glück, dass sie mit eurer Familie und euch ein Stück eurer Weltreise begleiten darf. So sind wir natürlich bestens informiert über eure Abenteuer im Norden Australiens.
    Wir verabschiedeten die zum Teil übermütigen Ferien-reisenden in Kloten (wenn auch die einen mit heissen Ohren wegen einer lumpigen Plastikkarte!)
    und hörten dann nach 24 Stunden per SMS, dass sie gut in Darwin gelandet sind. Wir können jetzt wieder etwas ruhiger schlafen, doch wenn wir von Flussüberquerungen mit schlammigen Böden und herumliegenden Krokodilen lesen, ist das vielleicht etwas verfrüht.
    Wir wünschen der ganzen Gesellschaft eine tolle abenteuerliche Reise und hoffen, dass alle gesund und munter in sechs Wochen wieder Kloten landen werden.

    Alles Liebe und Gute wünscht euch
    Karl und Tanja

  • Reply
    Anonymous
    22. Juni 2009 at 23:00

    hallo ihr 3,

    wieder mal ein super Bericht und klasse Fotos!! ich find das mit dem VB logo richtig gut, super Idee!Wir sind gut in Neuseeland angekommen und es ist richtig kalt hier. Wir haben auch ein Auto gefunden, der wird aber gerade noch umgebaut und dann stell ich mal fotos ein. Auch ein 4WD!!!Aber ein Toyota hiace!! Viel spass euch weiterhin!!!
    ganz liebe gruesse
    jeanette und sascha

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