1154 Tage Costa Rica Zentralamerika

Santa Elena – im Nebel versteckt

>> Santa Elena, Costa Rica
In Fortuna blieben wir schlussendlich doch noch eine Nacht mehr. Wir trafen per Zufall unsere Franco-Kanadischen Bekanntschaft aus Cahuita wieder, was uns spontan zu einem Tag mehr animierte 😉

Am Mittwoch in der Früh fuhr unser Bus Richtung Tilaràn. Wir mussten sozusagen einmal um den Lago Arenal fahren, anders ging es gar nicht.
Das heisst, doch es würde anders gehen, von Fortuna per Jeep-Boot-Jeep, wie sie es hier nennen, in drei Stunden. Für bis zu 21 Dollar pro Person (!) verkauft man hier diesen Weg an die Touristen. (Auch in umgekehrter Richtung) Man hörte jede Menge Geschichten. Entweder, dass es per Bus gar nicht geht, oder dass es über 9 Stunden dauert, oder…

Da wir ja jedemenge Zeit haben, nahmen wir wie üblich den Bus. Der Weg von Fortuna nach Tilaràn war ganz passabel. Ab und zu konnte man den See sehen, und man fuhr durch sehr saftigen, grünen Wald. Dafür war der Chauffeur und sein, sagen wir „Gehilfe“, umso witziger. Wir sassen ganz vorne, wo wir das Spektakel aus der ersten Reihe miterleben konnten. Der „Gehilfe“, ein Junge von etwa 13 Jahren, sehr wahrscheinlich ein zukünftiger Buschauffeur, half beim Gepäck einladen, nahm die Ticketeinnahmen entgegen und wusste auch sonst ziemlich Bescheid, was es alles zu tun gab. Und vor allem: Er baggerte wie ein Grosser, ohne Hemmungen alle Frauen an! Wir staunten nicht schlecht. Er machte die Vorarbeit und der Chauffeur übernahm dann die Details 😉 Es war ziemlich witzig, und so vergingen die nicht ganz drei Stunden Fahrt wie im Flug.

Der etwas über eine Stunde lange Aufenthalt in Tilaràn, bis der nächste Bus kam, überbrückten wir mit einem Casado in einem typischen Soda.

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Wir erfuhren schon von der Ticketdame, dass die Strasse nach Santa Elena schlecht sei. Diese wunderte sich wohl ein bisschen, hier Touristen warten zu sehen, die nach Tilaràn fahren wollten. Wir merkten dann auch warum…

Der Bus, ein ausgedienter, amerikanischer Schulbus, war schon relativ voll. Wir mussten unsere beiden Rucksäcke reinschleppen, da der Bus über keinen Kofferraum verfügte.
Wir quetschten uns wiedereinmal zwischen die Sitzreihen und der Rest des Busses füllte sich dann noch mit uniformierten Schulkindern.

Ruckelnd und rumpelnd verliess das Gefährt die Haltestelle und nach kurzer Zeit geteerten Bodens, bog es scharf rechts in eine staubige, steinige mit Schlaglöchern übersäte Strasse ein. Wenn sowas überhaupt den Namen Strasse verdient… 😉

Wir hatten nochmals drei Stunden Fahrt vor uns und einige denken vielleicht: Um Himmelswillen!
Aber nein! Für uns war dies die beste Busfahrt bis jetzt!

Der Bus war voller Ticos und Schulkindern, wir waren die einzigen Touris, man musste sich anschreien, wenn man etwas sagen wollte, manchmal hatte man das Gefühl, der Bus breche nun bald in zwei Stücke, aber wir waren richtig erquickt! 😉

Die Landschaft war auch atemberaubend. Immer noch grün, aber es wurde zumal trockener. Rinderherden weideten auf trockenen Wiesen, vereinzelt sah man knorrige Bäume. Oft konnte man beobachten, dass die Baumkronen alle deformiert in eine Richtung schauten. Später zogen wieder Wälder an uns vorbei, Nebelverhangen, es fing an zu rieseln.

Santa Elena

Santa Elena

In Santa Elena angekommen, wurden wir schnell aus unseren Tagträumen rausgerissen. Eine Horde Menschen, schreiend und mit Flyern winkend, standen vor der Türe. Sie hätten das beste Angebot da und die billigsten Cabinas dort. Hilfe!

Unbeirrt dessen, liefen wir, so gut es ging von der Menschenmenge weg, geradewegs ins erste Hostel. Nach ein paar Sekunden kamen wir aber wieder raus, denn es war schrecklich 😉
Die Flyerhorde erwartete uns, als ob sie es gewusst hätten, am Ausgang. Die sind echt wahnsinnig.

Wir fingen mit Analie an zu plaudern und gingen mit ihr mit, weil sie erstens mit uns nicht englisch sprach, wie die anderen und zweitens sehr sympathisch wirkte. Und wir hatten ein gutes Näschen. Sie führte uns zu ihren Cabinas, welche sie mit der ganzen Familie leitet.

Von der höhergelegenen Veranda und der Küche aus, hatte man eine wunderschöne Aussicht auf den Wald und in ein Tal, und bei schönem Wetter Sicht bis zum Pazifik. Es gab Hängematten, gemütliche Ecken zum Verweilen und diese Betten… einfach ein Traum. Wir haben schon lange nicht mehr auf so guten Matratzen geschlafen. 😉

In der Nähe gab es den Monteverde und den Santa Elena Nationalpark. Wir hatten uns für den Letzteren entschieden, da dieser zwar das gleiche bietet, aber kleiner ist und weniger Besucher hat als der Bekanntere in Monteverde.

Es führten mehrere Wanderwege durch den Park, im ganzen gut 12 km, welche wir alle abgelaufen sind. Es war wunderschön! Da es sich um einen Nebelwald handelte, war alles sehr feucht und von Moos bewachsen. Nebelschwaden schwebten zwischen den Bäumen hindurch, es sah mystisch und märchenhaft aus.
Wir wären nicht verwundert gewesen, wenn Merlin oder eine Fee zum Vorschein gekommen wären und uns einen Wunsch erfüllt hätte 😉

Tiere sahen wir nicht sehr viele, dafür war die Natur umso schöner.

Obwohl einem hier tausende Exkursionen und Abenteuer angeboten wurden, waren die restlichen Tage in Santa Elena eher gemütlich. Wir kundschafteten andere Ecken und Wälder aus, aber eher im kleinen Stil.

Man wird zwar von anderen „Mitbewohnern“ täglich gefragt: „Und? Was habt Ihr heute gemacht?“ – „Nichts, wir hatten frei“ 😉
(Hier kommt beinahe das Gefühl auf, man müsse jeden Tag herumrennen, man könnte ja etwas verpassen… eine verrückte Sache…)

Wir hatten ein paar Regentage, aber mit einem guten Buch und einem Tee in einer schönen Ecke zu sitzen war auch nicht schlecht. Ich glaube wir sind vor allem wegen dieser wunderbaren Matratze einige Tage länger geblieben… 😉

Morgen um 6 Uhr in der Früh geht es weiter nach Puntarenas, um die Halbinsel Nicoya zu erreichen. Wir wissen noch nicht, ob wir dies in einem Tag schaffen werden, wollen und können. 😉 Wir werden es sehen… Bis bald wieder und liebe Grüsse!

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