1154 Tage Guatemala Zentralamerika

San Pedro liegt hinter, Neues vor uns

>> Antigua, Guatemala
Am letzten Montag war es tatsächlich soweit – es hiess Abschied nehmen von unserem inzwischen geliebten San Pedro und der Familie.
Schon um 5 Uhr in der Früh fuhr der einzige Bus Richtung Süden.
Nun haben wir wieder einen anderen Rhythmus: Rucksack packen, auf hartem Sitzleder der «Camionetas» ausharren, holperige Strassen abklappern und Übernachtungsmöglichkeiten suchen. Wir hofften, dass wir in den drei Schulwochen nicht aus der Übung gekommen waren… 😉

Die Busfahrt war äusserst holperig, aber wunderschön. Wir fuhren lange dem See entlang, die hügelige Landschaft konnte wunderbar betrachtet werden, diverse Vulkane kamen am Horizont zum Vorschein, die Sonne ging auf…

Unser erstes Ziel war Retalhuleu, kurz Reu. Die Stadt war – sind wir ehrlich – schrecklich. Hektik, viele Leute… klar, ein wenig «schwerverdaulich» nach San Pedro.
Wir wollten aber die nahegelegene Ruine, Abaj Takalik, (früher hies diese anscheinend Takalik Abaj… wie auch immer) besichtigen.
Eine kleine, aber interessante und schöne Stätte, welche damals für Mayas, Olmeken und eine dritte Ethnie, an deren Namen ich mich aber nicht mehr erinnere, gemeinsam als religiöser Ort diente.
Die drei verschiedenen Kulturen mischten tatsächlich Skulpturen und Plätze, sodass man ein paar Meter von einem Mayaaltar, zum Beispiel einen grossen, olmekischen Steinkopf findet. Abaj Takalik ist sogar älter als das bekannte Tikal im Norden.


Der Guide führte uns durch den riesigen «Garten», wo man diverse Skulpturen, Stufen, Altare und vor allem Stelen besichtigen konnte. Abaj Takalik bedeutet in K’ich’e soviel wie «stehende Steine». 1888 wurde die Stätte entdeckt und bis heute restaurieren und graben Archäologen nach Fundstücken. Leider fehlt oft Geld, was diese Leute dazu zwingt aufzuhören oder Plätze wieder zuzuschütten…

Wir fuhren noch ganz in den Süden, wollten wir doch unbedingt wieder einmal das Meer sehen.
Champerico war aber auch nicht so das Wahre. War es der Ort, die Leute, oder vielleicht auch wir, die komisch waren? Schwierig zu erklären.

Irgendwann wurde uns klar was los war. Wo waren denn all die Indios hingekommen?
Obwohl wir beinahe die einzigen Touristen waren, hatte es viele Latinos, aber eben überhaupt keine indigenen Menschen. Irgendwie war es wohl dies, was uns ein bisschen befremdete.
Auf alle Fälle wollten wir nicht noch länger hier bleiben und fuhren schon am nächsten Tag wieder weiter. Wir gaben ein bisschen Gas und fuhren ganz ans andere Ende im Süden, nach Monterrico.

Monterrico ist der bekannteste, südliche Badeort. Nachdem wir mit dem Bus an einem Mangrovenwald hielten, wussten wir nicht recht, ob wir nun da waren oder nicht? Zu unserer Überraschung mussten wir noch etwa 15 Minuten mit einem Boot durch den Fluss fahren.

Monterrico ist klein, richtige Strassen hat es keine, die meisten Wege sind aus Sand. Die Häuser sind sehr rudimentär errichtet, man bekommt beinahe das Gefühl, der Ort wurde ein bisschen vergessen.
Hühner, Enten und Schweine watscheln durch die Strassen. Uns gefiel das.

Der lange Strand war wie verhext. Keine Menschenseele. War noch keine Saison? Auch gut. Wir suchten uns eine Bleibe, welche hier aber doch teuerer als sonst waren.

Trotzdem blieben wir auch hier nur ein paar Tage, kam doch nicht so richtig «Ferienstimmung» auf. Der schwarze Sandstrand war zwar leer, man konnte aber das Meer nicht so richtig geniessen.
Der Strand ging recht steil zum Meer hinab und die Wellen brachen kurz davor mit grosser Wucht und lautem Getose, was das Schwimmen schwierig, bis unmöglich machte.

Wir fuhren «zurück» in den Norden, ist dieser doch unser grobes Ziel. Da wir die Hauptstadt so gut es geht umfahren wollten, landeten wir wieder in Antigua.

Aber ganz so einfach war dies nicht. Kurz vor Escuintla gab unser Bus, der wohl auch schon bessere Tage gesehen hatte, den Geist auf. Wären wir nicht auf einer Art Schnellstrasse stehen geblieben, wäre das auch gar nicht so schlimm gewesen…
Aber der Chauffeur fand es völlig gewöhnlich ohne Blinker oder sonstige Vorwarnung den grossen Bus rückwärts rollen zu lassen, um irgendwann einen Gang reinzuwürgen, damit das Gefährt wieder ins Rollen kommen würde. Ein Wunschtraum.

Egal, nach etlichen Metern weiter hinten, wir sahen das Hinterteil des Busses schon an einem Lastwagen kleben, öffnete der Gehilfe die Kühlerhaube. Er schaute, rüttelte, füllte auf, hantierte herum – die Klapperkiste sprang wieder an.
Wir waren die einzigen, die einen Freudenschrei von uns gaben – die Guatemalteken nahmen es völlig gelassen… 😉

Das war vielleicht ein Gequetsche im letzten Bus bis Antigua. Wir wissen nicht was an diesem Tag mit dem ÖV los war.
Die Sitzbänke sind normalerweise für drei Personen vorgesehen. Für Guatemalteken. Wir passen knapp zu zweit auf eine Bank, da wir wegen den Beinen schräg sitzen müssen.
(Nein, wir kommen uns gar nicht blöd vor, wenn in einem vollgestopften Bus, die zwei weissen Gesichter die einzigen sind, die «komfortabel» nur zu zweit auf einer Bank sitzen…)

Gäbe es einen Preis für «optimale Raumausnutzung», würden ihn die Guatemalteken gewinnen. 7 bis 8 Erwachsene (Kinder sitzen auf dem Schoss eines Elternteils) sitzen in einer Reihe, der «Gang» ist auch voll, neben dem Chauffeur stehen jede Menge Menschen, der Gehilfe hängt schon ausserhalb des Busses… sie finden für JEDEN einen Platz. Trotzdem schafft es der Hilfschauffeur sich durch die Menschenmenge zu quengeln, um das Fahrgeld einzutreiben… Unglaublich!

Dann, endlich, Antigua. Es war ein herrliches Gefühl sich auseinanderfalten und aussteigen zu können. Vorallem war es für uns, als ob wir «nach Hause» kommen würden.
Wir kannten diese Stadt ja schon, waren wir Anfangs schon mal hier. Wir gingen wieder in die gleiche Unterkunft wie damals. Und die so liebenswerte Hostelbesitzerin erkannte uns sogar wieder 😉

Es ist äusserst angenehm, an einen bekannten Ort zurückzukehren. Erspart man sich doch den «Stress» des Zurechtfindens. Wir genossen hier drei sehr gemütliche Tage, an denen wir Aufgeschobenes erledigten, fehlende Dinge kauften, den Rucksack reorganisierten und unsere Frisur wieder zurechtschnitten (meine Coiffeuse wäre stolz auf mich 😉 ).

Nun ist es aber wieder soweit weiter zu reisen. Antigua ist zwar eine sehr schöne Stadt, aber zur Zeit extrem überfüllt was Touristen angeht (viel mehr, als wir das erste Mal hier waren).

Bis bald wieder mit Neuigkeiten von nördlicheren Gefielden. Liebe Grüsse an alle!

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