1154 Tage Costa Rica Guatemala Zentralamerika

Rot oder grün: Das Spiel «Wer-muss-wohl-den-Rucksack-auspacken?»

>> Guatemala City, Guatemala
Das einzig klare bei der Abfahrt in Liberia war, dass wir nach Managua fahren werden. Somit hatten wir auch unseren ersten Grenzübergang vor uns. Von Liberia war es nicht mehr weit bis an die Grenze zu Nicaragua.
Das erste Ziel war der Ausreisestempel. Also Schlange stehen, warten, warten, warten… und man hat den Stempel im Pass. Wieder zurück im Bus (wir durften in den Ticabus zurück, weil dieser ein Langstreckenbus ist. Ansonsten muss man das ganze Gepäck schleppen und über die Grenze laufen…)

Dann ein paar Minuten später hiess es wieder raus aus dem Bus, Gepäck aus dem Riesenhaufen suchen und in die laaaaaaange Schlange stehen. Jetzt haben die hier ein äusserst witziges System wie sie bestimmen, wer sein Gepäck durchsuchen lassen muss und wer nicht.


Wenn man dann mal an der Reihe ist steht man vor einer Art Ampel und darf auf den grossen Knopf hauen. Wie bei einem Spiel. 😉 Wenn der Zufallsgenerator sich rot ausgesucht hat, muss man mit dem Zöllner mit und muss all sein Hab und Gut auspacken…

JC stand vor mir und drückte auf den Knopf: Gewonnen! Das grüne Licht leuchtete auf. Ich hatte schon die Hand erhoben und war noch ein paar Milimeter von der Taste entfernt…  da winkte mich der Zöllner einfach durch 😉

Das ganze ging «relativ» schnell vorbei. Bis alle vom Bus dieses Prozedere durchgeführt haben, alle sich wieder versammelt haben, das Gepäck wieder verstaut wurde, … ging es dann weiter. Ein paar Stunden später waren wir auch schon in Managua.

Es dunkelte schon ein, als wir in der Hauptstadt ankamen. Und da man nicht unbedingt «verwirrt» in dieser Stadt umherlaufen sollte passte ich wiedereinmal auf unser Gepäck auf und JC stürzte sich ins Getümmel um das nicht weit entfernte Hostel zu suchen.
Er kam nach kurzer Zeit ziemlich verstört zurück 😉 Kaum draussen, umzingelten ihn mehrere Männer, entweder um ihm ein Hotelzimmer anzubieten, Extrafahrten oder ominöse «Inhalationsprodukte» verkaufen zu wollen. Bis zu fünf Männern waren es auf einmal, die ihn doch tatsächlich bis zu unserem Hotel begleiteten und nicht von ihm abliessen. Das war ein bisschen viel Stress auf einmal nach der Busfahrt 😉

Und da wir sowieso nicht vor hatten in Nicaragua zu bleiben, kauften wir uns spontan ein weiteres Ticket für den nächsten Tag. Und zwar direkt nach Guatemala 😉

Wir wussten, dass dies eine lange Reise werden würde, aber es war uns egal. Wir hatten einfach Lust was ganz anderes zu sehen.

Am nächsten Tag um vier Uhr in der Früh ging es los. Wieder mit Grenzübergängen in Honduras und El Salvador, welche eigentlich ziemlich unspektakulär waren. Ausser natürlich in El Salvador. Da mussten wir ein Drogen-Filz-Prozedere erdulden. Welches aber auch glimpflich verlief.

Da merkt man doch wie schön es in Europa ist. Will man in ein anderes Land, kein Problem, man geht einfach. Ohne grossen Papierkram, ohne lange Wartezeiten.

Bevor wir Guatemala erreichten, hatten wir noch eine Übernachtung in San Salvador. Aber diese Stadt war uns nicht sehr geheuer. Sie ist riesig, ziemlich heruntergekommen und stinkt wahnsinnig nach Abgasen. An jeder zweiten Ladentüre steht ein schwer bewaffneter Mann. Nicht nur bei einer Bank, wie man annehmen könnte, nein, auch bei Malergeschäften, Eisenwarenläden, Papeterien… Eine ziemlich verrückte Sache.

Bald hatten wir unser Ziel erreicht. Guatemala City. Diese Grenze war doch was sehr witziges. Überall standen Marktstände mit diversen Köstlichkeiten, ein Gewimmel wie auf einem Jahrmarkt, man hätte sich alles vorstellen können, ausser an einem Grenzübergang zu stehen. (Wenn man bedenkt wie steril und langweilig unsere Grenzen aussehen…) 😉
Wir konnten dank einem guten Tipp einer Salvadorianerin aus dem Bus zu guten Konditionen Geld wechseln. Bei den Typen, die in den Bus steigen und mit ihren dicken Geldbündeln wedeln, bekommt man meistens nichts für den Wechsel. Und wir wollten nur ein Startgeld für ein Taxi in Guatemala.
Leider bekamen wir nicht mal einen Stempel in den Pass. Die Guatemalteken sind «leider» zu modern und scannten nur unseren Pass…

Guatemala City ist riesig. Aber nicht unsympathisch. Wir nahmen vom Busterminal aus ein Taxi, denn das Busgewirr in dieser Stadt ist schlichtweg unübersichtlich. Der Taxifahrer hatte dann auch noch einen guten Tipp für ein günstiges Hotel.

Hier blieben wir eine Nacht, wollten wir doch noch ein paar Dinge erledigen und wiedereinmal unseren Rucksack erleichtern . Wir werden immer besser, irgendwann reisen wir ohne Rucksack umher 😉

Da man auch in dieser Stadt nicht unbedingt bei Dunkelheit in den Strassen umherirren sollte, suchten wir eine Nahrungsquelle in derselben wie das Hotel. Wir entdeckten per Zufall eine grosse Eisentür, wo wir zwei Menschen essen sahen. Wir riefen hinein und eine ältere Mama machte uns die Türe auf. So eine herzliche Frau, hier muss man einfach gut essen 😉

Sie fragte uns, ob gebratenes Fleisch, Reis, Bohnen und Käse in Ordnung sei. Klar, nur her damit! Und es war herrvorragend. Eine Art Tomatensauce begleitete das Fleisch, der Reis duftete gut, die Bohnen waren zu Brei zermantscht und der Käse dem Feta ähnlich. Dazu gab es kleine Tortillas (Maisfladen) welche auch nicht den üblichen komischen Geschmack hatten. Endlich konnten wir wieder einmal etwas mit Gout essen. Das fehlte uns schon sehr in Costa Rica. Bei den Ticos kam es uns oft vor, dass die halt was in sich reinstopfen, weil man es tun muss. Stets das gleiche, ohne Würze. Somit waren wir mehr als glücklich… 😉In diesen «Comedores» isst man meistens gut. Klar, vielleicht muss man mit Montezumas Rache rechnen, aber dafür bekommt man authentisches Essen, bei Einheimischen. Und die Dame war überglücklich, dass wir zu ihr kamen und plauderte stets mit uns, dass wir kaum zum Schlucken kamen… 😉

Sie mache auch Frühstück, wir sollen doch vorbeikommen. Das taten wir natürlich 😉
Bei köstlichen Rühreiern, frittierten Kochbananen, eine Art Creme Fraiche, Bohnen, Käse und Tortillas stärkten wir uns für den kommenden Tag.

Wir waren erst seit 2 Tagen in Guatemala, dazu noch in der Hauptstadt, aber wir fühlten uns unglaublich wohl und zufrieden. Es gefiel uns schon auf den ersten Blick. Die Menschen hier sind unglaublich freundlich, überall Farben, die Busse sind mit mehreren Farben bemalt (besser gesagt «aufgepimpt» mit Klebern, Chromteilen, Zeichnungen…) einfach genial.

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