1154 Tage Nicaragua Zentralamerika

Nicaragua – Land der tausend Vulkane

>> Léon, Nicaragua
Seit wir den Fuss über die Grenze gesetzt haben, scheint die Sonne wieder. Am Himmel und auch in unserem Gemüt. Wir fühlen uns endlich wieder wohl. Die Menschen hier in Nicaragua sind freundlich, lächeln, grüssen, plaudern. Wir werden wieder bemerkt und man schwatzt auch mit uns.
Das Busfahren macht auch wieder Spass: Wie gehabt alte Schulbusse (bisschen farbiger als in Honduras), vollgestopft mit Leuten und Gepäck. Es schüttelt und rüttelt, es herrscht ausgelassene Fröhlichkeit, die Menschen unterhalten sich miteinander – Lebensfreude – was wir in Honduras überhaupt nicht spürten. Eher Kühlschrankfreundlichkeit.
Auch die Augen freuen sich wieder. Unser erster Halt nach der Grenze ist Estelí. Die Landschaft, die an uns vorbeizieht ist wirklich schön. Bergig und grün, aber abwechslungsreich. Wenn ich eine Tüte Popcorn hätte, während ich zum Fenster hinausschaue, würde ich mich wie im Kino fühlen.


Estelí liegt in Kaffeegebiet, auf dem Trottoir liegen Kaffeebohnen zum Trocknen ausgebreitet.
Wir fahren noch in das 40 Kilometer entfernte Jinotega, brauchen aber über drei Stunden für die Fahrt, eine staubige Schotterpiste, mit Schlaglöchern so gross wie Meteoriteneinschläge. Ab Matagalpa haben wir eine gute Verbindung für unser nächstes Ziel, Léon.
Die Städte in Nicaragua haben charm, auch die etwas Grösseren. Das konnte man von den anderen Ländern nicht behaupten, dort vermieden wir die grossen Städte so gut es ging.
Die paar Tage Akklimatisierung in den Städtchen tun gut und wir sind bereit für neue Schandtaten.
Die Fahrt nach Léon führt uns an Mais-, Erdnuss- und Reisfeldern vorbei. Wir passieren eine Vulkangebirgskette, wo sich der perfekt geformte Vulkan Momotombo prächtig präsentiert. Hier in der Umgebung gibt es noch viele aktive Vulkankegel. (Darum heisst es auch Land der tausend Vulkane)
Unseren Abstecher in diese Stadt bereuen wir überhaupt nicht. Es ist zwar die zweitgrösste des Landes, aber es lässt sich hier sehr gut leben.
Früher war es einmal die Hauptstadt, heute wird Léon wegen den vielen Universitäten «intelligente Hauptstadt» genannt.
Es ist die Stadt der Kirchen, über 12 sind hier im Zentrum verteilt. Gut erhaltene und weniger beeindruckende. Unter anderem die schöne, grosse Kathedrale am «Parque Central», welche die grösste Zentralamerikas ist. Die Tore werden von Steinlöwen bewacht, von denen behauptet wird, dass sie um Mitternacht lebendig werden…

Ich weiss, es ist ein wenig gemein, Euch von Hitze und Sonne zu erzählen, währenddessen ihr bei einem Fondue sitzt und es wahrscheinlich schneit. Dafür ist hier die Hitze unbarmherzig. Ich glaube sogar die Steinlöwen der Kathedrale schwitzen.
Aber vielleicht bringt der Blog ein bisschen Sonne in die Schweiz…

Von überallher hört man Glockengebimmel – die Glaceverkäufer machen bei dem Wetter gute Geschäfte. Wir versuchen uns so wenig wie möglich zu bewegen, sitzen auf einem der grossen Holzbänke im Schatten eines Baumes, schauen dem Geschehen zu und geniessen das rasch schmelzende Glace.
Die spazierenden Leute stauen sich beinahe auf der schattigen Seite des Trottoirs. Niemand sitzt oder geht freiwillig in der brütenden Sonne.

Da wir ja nicht nur unsere Zeit glaceessend und schwitzend im Park verbringen wollen, machen wir uns auf den Weg in die Rum-Distillerie. Es heisst, der «Flor de Caña»-Rum sei einer der besten der Welt. Aber leider werden wir vor dem grossen Tor vom Wächter zurückgewiesen. Mit ernster Miene meint er es gebe keine Führungen mehr in der Distillerie, ausser wir würden umständlich eine Verabredung machen. Der Wille war ja da…

Dafür sind wir erfolgreicher bei unserem Abstecher nach San Jacinto. Wir hoffen dort blubbernde Schlammlöcher zu sehen, welche von unterirdischen Ablegern der Vulkane Santa Clara und Telica kommen.
Die Fahrt dorthin ist leicht, die Einheimischen passen gut auf, dass man auch am richtigen Ort aussteigt.
Wir passieren ein kleines Häuschen, wo wir einen Minibetrag bezahlen müssen. Vielleicht, weil das Blubberfeld bei den Leuten sozusagen im Vorgarten ist…
Eine Frau und ihre Tochter führen uns. Ein Teil ist sehr rudimentär abgesperrt, damit wahrscheinlich blinde Touristen nicht mit einem Fuss in kochender Erdmasse stecken bleiben…
Es riecht nach Schwefel, überall blubbert und kocht es. Rauch steigt aus der Erde empor, alles wirkt sehr surreal.
Die Sonne brennt vom Himmel herab und ich habe das Gefühl, nicht nur der Kopf wird warm, sondern auch die Füsse. Aber wahrscheinlich ist das Einbildung, weil man da zwischen den gurgelnden und zischenden Erdlöchern herumspaziert.

Das Feld ist nicht riesig, aber beeindruckend genug, um auf sich wirken zu lassen, dass «die Erde lebt». Eine grössere Lochansammlung sei vor gut sechs Monaten entstanden, erklärt uns die Frau. Sie zeigt uns, wo wir überall auftreten können und bekommen einen guten Eindruck der verschiedenfarbigen Schlammmassen, die da vor sich her kochen. Es ist immer wieder ein spannendes Spektakel.

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