1154 Tage Afrika Burkina Faso

Mopeds und Baumwollsauce

›› Bobo-Dioulasso, Burkina Faso
Haupttransportmittel in Burkina ist das «Mobylette», Moped oder «Töffli» wie man in der Schweiz sagt. Genau diese, mit denen bei uns die 14-jährigen herum fahren. Die Dinger sind oft in einem desolaten Zustand. Waren oder ganze Familien werden darauf transportiert – einfach ein praktisches Gefährt mit sehr afrikanischem Gefühl ;-).

Wir würden gerne ein paar neue Orte kennen lernen, aber haben seit Mali die Nase gestrichen voll vom öffentlichen Transport. Obwohl die Busfahrerei bei weitem nicht so schlimm ist in diesem Land, kommt man halt einfach nicht an jeden Ort. Die Freiheit anzuhalten, wo man will, selber entscheiden, wann man abfährt…

So kommt mir über die Feiertage die Idee auf Mobylettes zu reisen. Auf dem Markt gibt es wohl Occasion-Mopeds, doch für ein Gebrauchtes muss man zu viel Geld hinblättern.

Grosse Diskussion

Ein neuer Plan muss her, andere Möglichkeiten ausgetüftelt, bis Matthieu mit einer neuen Variante auftaucht.

Er hat eines dieser kleinen Motorräder zu Hause, das repariert werden müsste. Aber dazu hatte er bislang kein Geld. Ein Deal entsteht. Wir reparieren seinen «P50» und dürfen während unserem ganzen Aufenthalt in Burkina Faso das Gefährt brauchen. Diese Version arrangiert alle. Er hat noch einen Freund, dessen Bruder gerade nicht da ist. Dieses Moped ist in einem guten Zustand und muss nur ein bisschen revidiert werden. Der Deal steht, wir bekommen dieses Moped ebenfalls zu den gleichen «Konditionen».

Mechaniker

Einzelteile

Bis es für den ersten, grossen Ausflug so weit ist, muss noch dies und das organisiert werden. Und wie das so ist in Afrika, geht alles in gemächlicherem Tempo vorwärts. Wir warten auf dies und das, spazieren wegen diesem und jenem zum Mechaniker. Man organisiert für uns zwei Mangokisten, die auf den Gepäckträger geschnallt werden sollen, so rutscht nichts herunter während der Fahrt. Man bekommt hier von allen Seiten eine helfende Hand.

Neben dem alltäglichen Leben, das sich zwischen Boutique leerkaufen (hausgemachte Karamellstückchen), Kondensmilch-Kaffee trinken, plaudern in der Auberge, Apérölen und sonstig ungesunden Dingern abspielt, will ich lernen, wie man Baumwollsauce kocht. Kaum habe ich meinen Wunsch laut ausgesprochen, bietet sich eine Gelegenheit an. Die «grosse Schwester» von Matthieu, kurz seine Nachbarin, eine grossartige Köchin und Person will mir zeigen, wie es geht. Sie hat kein Restaurant, verkauft jedoch in ihrem Innenhof die Köstlichkeiten. Es läuft gut, sie kocht täglich grosse Mengen an Essen.

Aussenküche

Gewürze zerstossen

Es soll ein grosses Freudenmahl werden, wo (wie jedes mal eigentlich) alle im Grossraum Matthieu profitieren. So soll es auch sein. Ich bin von A bis Z dabei, auch beim Einkauf. Für meinen Geschmack ist es viel zu heiss, nun auf den Markt zu gehen. Aber es muss sein, sonst gibt es kein Festessen heute Abend. Denn wir haben viel vor: Tô aus weissen Bohnen mit Schweinefleisch an Baumwollsauce.

Eine Kombination, die bisher niemand auszuprobieren wagte! 😉 Man muss erwähnen, dass die meisten Gerichte in einer Art Kombination kommen. Stets diese Sauce mit Reis, oder die andere Sauce nur mit Tô. Auf die Dauer langweilig, vor allem kriegen wir keinen Bissen mehr dieses Mais-Tô hinunter. Mit dem Reis geht’s uns gleichermassen. Also wird die neue Kombination ausprobiert.

Der kleine Markt beim Wasserturm ist angenehm übersichtlich. Auf dem ganzen Markt sind nur Frauen zu sehen – Markt ist Frauenbusiness. Alles geht sehr schnell. Auf dem Kopf trägt sich alles viel leichter, ausser bei mir natürlich, ich trage die schwarzen Plastiksäcke mit der Hand.

Die beiden Köchinen

Die weissen Bohnen werden zuerst leicht zerstossen, damit die Haut aufspringt, gewaschen, die Steinchen aussortiert und an der Sonne getrocknet. Das dauert ein Weilchen, also gibt es eine Pause. Die Bohnen werden mit dem Wind von ihrer feinen Haut befreit, in dem eine kleine Menge von einer Schüssel in die andere geleert wird.

Wind entfernt die Haut der Bohnen

Daraufhin ist eine Totalwäsche angesagt. Ich darf zugucken. Zum Glück. Denn das passiert alles in der prallen Sonne. Sie schwitzt zwar genauso, nur bin ich einem Kollaps näher als sie ;-). Seit ein paar Tagen wird es immer heisser. Die Regenzeit steht vor der Tür und somit die wärmste Periode im Jahr.

Die Bohnen werden gekocht, bis ein Brei entsteht. Mit einer enormen Holzkelle rührt man wie verrückt im Kochtopf, die Hand wird zum Mixer. Der Ehemann schaut vergnügt von einer Holzbank aus zu, wie wir in der Sonne schwitzen und versuchen einen Brei aus den Bohnen zu machen. Ich bin an der Reihe. Ich schaffe gerade mal zwei Umdrehungen, bis mir die Kelle aus der Hand rutscht. Mit hochrotem Kopf sage ich zu ihm: «He, das ist körperlich strenge Arbeit – DU solltest hier rühren …». Der Mann lacht vergnügt. Seine Frau ist meiner Meinung. Logisch.

Ihr könnt Euch nicht vorstellen, was für eine Arbeit es ist, Tô aus weissen Bohnen zu machen. Darum gibt es das nicht jeden Tag. Und haltbar ist er zudem auch nicht. Ein wichtiger Aspekt, wenn man, wie die Meisten, keinen Kühlschrank hat.

Wobei ich nebenbei bemerkt bereit wäre für eine Pause, wird in der Küche, die sich draussen befindet, Feuer unter dem Kochtopf gemacht. Für die Sauce.

Fleisch waschen und stark anbraten, damit sich die hässliche Fettschicht auflöst, dann mit Wasser ablöschen. Dazu gibt man jegliche runde Bälle, Gewürze, deren Namen ich mir nicht merken konnte und Zutaten, die ich noch nie gesehen habe. Ausser den Maggiwürfeln. Nicht dass es ein Geheimnis wäre, ich erinnere mich einfach nicht mehr an die exotischen Namen. Dazu noch Zwiebeln und Tomaten.

Das gesiebte Baumwollmehl verarbeitet man mit dem Wasser, in dem man vorher irgendwelche weisse Steine aufgelöst hat, zu einem Teig. Langes Prozedere, danach werden von Hand kleine Bällchen geformt, die in der Fleisch-Tomaten-Sauce köcheln, bis die grünlichen Bällchen aufgeplustert und gekocht sind. Fertig.

Baumwollteig

Das war zwar ein Arbeitsprozess von einem ganzen Nachmittag, unter der Sonne, neben einem Feuer. Und kochen ist noch nicht alles, was die afrikanischen Frauen tun. Im Grunde genommen machen sie alles. Holz herschleppen, Wasser holen, Kinder aufziehen …

Wie auch immer. Das Essen ist geglückt, alle sind von dieser Tô-Kombination begeistert.

Tô aus weissen Bohnen mit Baumwollsauce

Man isst zusammen, das Djembe wird heraus geholt, neugierige Kinder kommen vorbei, es wird auf kleinstem Raum getanzt, das halbe Quartier ist da.

Beisammensein

Essen

Sitzen

Djembe und Tanz

Es ist voll

Die Mangokisten sind endlich auf dem Gepäckträger festgezurrt. Zu kaufen gibt es noch einen Kochtopf, Holzkohle und eine kleine Feuerschale. Nicht weil ich nun Baumwollsauce kochen will …

Einem Start einer neuen Aktion steht morgen nichts mehr im Wege. Die Hälfte des Gepäcks ist bei Matthieu verstaut, das Zeug, das mit soll hat seinen Platz. Die Fahrt geht nach Banfora…

Es geht uns super

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