1154 Tage Ecuador Südamerika

La Mitad del Mundo – oder warum der Äquator nicht genau hier liegt

>> Quito, Ecuador
Die zweithöchste Hauptstadt der Welt Quito, liegt auf 2900 Metern Höhe. Umringt von Bergen und Vulkanen erstreckt sich die Stadt relativ schmal von Norden nach Süden. Von verschiedenen Reisenden haben wir gehört, Quito sei gefährlich. Ich mag solche «Tipps» nicht. In jeder grossen Stadt muss man aufpassen und nachts ab einer gewissen Zeit nicht mehr auf die Strasse gehen – auch in Europa. Und wenn man mit der grossen Nikonkamera um den Hals kopflos durch die Strassen spaziert und sich dann wundert, dass die Kamera plötzlich weg ist, ja bitte sehr…


Wir kommen am grossen «Terminal Terrestre» an und als wir merken, dass unser Ziel nicht weit entfernt ist, zotteln wir frohen Mutes los. Gepäck auf dem Rücken hin oder her, wir staunen gleich über die Schönheit der Hauptstadt. So viele, gut erhaltene koloniale Häuser, eine tolle Atmosphäre, einfach wunderschön.

Quito, Hauptstadt Ecuadors


Ganz leicht findet man sich in den Strassen zurecht. Durch einen Tipp landen wir im Hostal Sucre, im Herzen der Altstadt. Das Ambiente in diesem Hotel ist einfach genial, verschiedene Nationalitäten und Altersklassen treffen hier aufeinander. Und die Brüder, die das Hostel führen tun alles, damit man sich gleich wie zu Hause fühlt.

In diesem Eckhaus wohnen wir Aussicht aus unserem Zimmer

Das Eckhaus mit fantastischer Aussicht auf den Platz San Francisco hat mehrere Etagen mit Terrasse. Die Zimmer sind einfach und günstig. Man kann die Küche mitbenutzen und quasi im Wohnzimmer der Besitzer Filme schauen. Es ist genial. Was uns überrascht sind die vielen Japaner. Noch nie sind wir so vielen auf einem Haufen begegnet ;-). Anscheinend ist das Hostel hier ein bekannter Tipp unter ihnen.
Wir sind platt über so viel Positives an einem Tag und lassen uns gleich länger in Quito nieder.

Eine Grossstadt mit Charme zu finden ist nicht einfach. Meistens herrscht Hektik und Lärm, aber Quito gefällt uns wirklich sehr gut und hat viel zu bieten.
Zum Beispiel mit der Seilbahn auf den Pichincha zu fahren und auf 4100 Metern Höhe die Aussicht über Quito zu geniessen. Das Panorama ist hinreissend und die Umgebung auf dem Berg sehr idyllisch. Die Pausen die man oft einlegen muss erinnern daran, dass man doch in einer ziemlichen Höhe spazieren geht…

Panorama vom Pinchincha aus

Was natürlich nicht auf der Liste fehlen darf ist ein Abstecher zur «Mitte der Welt».
Die «Mitad del Mundo» mit dem bekannten Äquatormonument findet man gut 20 Kilometer nördlich von Quito. Zwar ein bisschen «Disneyland» aber trotzdem ganz spassig. Da Ecuador (von wo das Land auch den Namen hat) quasi das einzige Land ist, wo der Äquator an festen, natürlichen Orientierungspunkten verläuft, muss man einfach dorthin gehen. 😉

Mitad del Mundo: hier soll der Äquator durchgehen

Das Äquatormonument markiert den Ort, an dem Franzosen 1736 die genaue Position des Äquators bestimmten (und auch ein für allemal wissenschaftlich bewiesen, dass die Erde rund sei). Die Seiten des Denkmals zeigen in die vier Himmelsrichtungen, auf der Spitze des Monoliths liegt die Erde. Vor dem Bauwerk verläuft durch die ganze Anlage eine rote Linie, die genau auf dem Äquator liegen soll.

Nun erfahren wir aber etwas sehr interessantes ausserhalb der Anlage, im Museum «Cultura Solar». In den Zeiten des GPS hat sich herausgestellt, dass das Denkmal und die rote Linie wo wir Touristen doch so gerne draufstehen ;-), nicht am korrekten Ort liegt, sondern 240 Meter zu südlich.

Nun denkt Ihr vielleicht, dass das nun wirklich nicht arg daneben sei. Stimmt, aber zufällig entdeckte man auf dem Berg Catequilla Überreste eines Bauwerks (eine Art Halbkreis) aus der Präinkazeit (!), welches tatsächlich genau die Mitte der Welt markiert, plus einer Einkerbung, mit der korrekten Neigung der Erdachse (23,4°).

Und das alles nur durch Sonnenbeobachtungen! (Wie schon gesagt, um die Bahnen der Himmelskörper zu beobachten sind feste Punkte nötig und die sind hier in den Anden vorhanden). Die Sonne und der Sonnengott «Inti» waren für die Inkas von grosser Bedeutung und da die Inkas und ihre Vorfahren Ackerbau betrieben haben, waren die Sonne und Saisons keine grossen Geheimnisse für sie.

Das wissenschaftliche Projekt «Quitsato» hat sich zum Ziel gesetzt, diese Funde zu erforschen und stellt im Museum die Ergebnisse vor. Leider bekommen sie keine staatlichen Unterstützungen, sodass viele der Stätten, die man gefunden hat ihrem Dasein fristen.
Nun haben sie ein neues Äquatormonument in der Nähe von Cayambe erbaut, welches wirklich korrekt am Äquator verläuft.

Vielleicht gehen wir es noch besuchen, aber da wir noch gar nicht wissen wie lange wir überhaupt in Quito bleiben werden, können sich unsere Pläne wie immer schnell ändern… bis bald wieder.

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