1154 Tage Nicaragua Zentralamerika

Kokospalmen gehören halt zum Klischee

>> Corn Islands, Nicaragua
Ausgeschlafen von der turbulenten Fahrt, finden wir am nächsten Tag, etwa 10 Fussminuten vom «Zentrum» eine gemütliche Bleibe. Das Herz von Big Corn Island ist eigentlich der Hafen und das einzige Städtchen, nichts Grosses, eher ein Dorf. Wobei man erwähnen muss, dass die ganze Insel ein Dorf ist…
Eine befestigte Strasse umrundet die ganze Insel. Es gibt einen Bus oder viele Taxis, die einem herumkutschieren, wenn man nicht zu Fuss gehen will.
Dass man wirklich im Verhältnis noch billige Unterkünfte findet, erstaunt uns. Schliesslich sind wir in der Karibik und man stellt sich da doch was anderes vor. Ich frage mich, ob das auch sonst auf Inseln im karibischen Meer möglich ist. Wahrscheinlich nicht.
Wir haben ein einfaches, aber gutes Zimmer, ein bisschen erhöht, was uns einen wunderbaren Blick auf das schöne, türkisblaue Meer erhaschen lässt.


Big Corn, hat man in gut vier Stunden zu Fuss umrundet. Die Mehrheit der Einwohner hier, sind Schwarze. Sie sprechen kreolisch untereinander, aber auch englisch oder spanisch. Das Ganze gibt ein lustiger Mix, wenn man mit den Einheimischen plaudert, man mischt Englisch mit Spanisch und spricht lauter Mischmasch.

Das schöne an der Insel ist, dass sie lebt. Die Einheimischen gehen zur Arbeit, oder liegen in der Hängematte, plaudern miteinander, spielen Domino, die Kinder spielen am Strand und springen ins Meer. Ich meine wirklich leben. Keine Insel, die in Hotelresorts eingepfercht ist. Man bekommt fast das Gefühl, dass sie nicht für den Tourismus gemacht ist. Gut, man bekommt ein Hotel und es gibt ein paar Restaurants. Aber diese bleiben so übersichtlich, dass man mehrmals am gleichen Ort essen müsste. Es bleibt ursprünglich.

Nach einer Woche auf Big Corn, fahren wir mit dem «Panga» (Schnellboot) auf die «Islita», wie die Einheimischen Little Corn Island nennen. Die gut halbstündige Fahrt mit dem 400-PS-Motor auf die kleinere Insel lohnt sich auf alle Fälle.
Die Anfahrt ist zwar hart und rasant, aber der Anblick ist entzückend. Der sehr grünen Insel nähert man sich mit einem «Ohh…», weil der kleine Hafen links und rechts von einem grossen Sandstrand eingezäunt ist. Little Corn ist ein (noch) kaum unentdeckter Schatz. Hier sind also die schönen, goldenen Strände, palmenumsäumt und fast menschenleer mit türkisfarbenem Wasser. Keine Strassen, keine Autos, keine Hotelkomplexe und kein Souvenirrummel. Unsere Augen leuchten.

Die kleine Insel hat gut 250 Einwohner, jeder kennt jeden, sogar die Touristen hat man irgendwann einmal alle gesehen. Auf der Hafenseite geht ein Fussweg links und rechts weg vom Dorf, um auf die andere Seite der Insel zu kommen, durchquert man einen Wald.

Und hier auf der gegenüberliegenden Seite des Hafens kommen wir in einem kleinen Holzcabaña mit Strohdach bei «Elsa’s Sweet Breze» unter. Auf dieser Seite, wo der Wind viel stärker Bläst, als auf der Hafenseite fühlen wir uns aber erst richtig wohl.
Weisser Sand, gesäumt mit Kokospalmen, an welchen idyllisch Hängematten baumeln. Total Klischeehaft, aber es sieht hier tatsächlich so aus.

Wir haben zwar keine «richtige» Dusche, sondern schöpfen das Wasser aus der Tonne und waschen uns so, dasselbe mit den Toiletten – aber genau so fühlen wir uns eben wohl. Auf der Insel gibt es nur Strom vom Generator. Elsa setzt ihren für ein paar Stunden in Betrieb. So stellt man sich automatisch auf den Rhythmus der Sonne ein. Kurz vor sechs wird es hell, zwölf Stunden später wieder dunkel. Wer steht zu Hause schon freiwillig um sechs Uhr auf, hier aber ist das kein Problem…

Wir geniessen es in vollen Zügen faul zu sein, für ein Weilchen am gleichen Ort zu bleiben, wippend zwischen zwei Palmen zu lesen, am Strand zu sitzen, ein morgendliches Bad im wohltemperierten Wasser zu nehmen, die Einfachheit der Insel auszukosten und einfach den Blick in die Weite schweifen lassen, weil am Horizont eben nichts zu sehen ist…

Wir kaufen täglich die Spezialität der Inseln: «Pan de Coco» – Kokosbrot, welches nachmittags frisch gebacken wird. Man probiert sich durch, bis man seine Lieblingsbäckerin gefunden hat ;-).
In den Restaurants oder in den Lädchen hört man oft: «Oh, das ist gerade ausgegangen, mañana». Das ist normal, schliesslich muss alles mühsam per Land- und Wasserweg hierher geschleppt werden. Die Waren, oder auch Koffer wiederum werden von Burschen in Schubkarren hin- und hertransportiert. Ein überaus nützlicher Job, wie ich finde. Sonst leben die beiden «Maisinseln» hauptsächlich vom Hummer- und Fischfang.

Die Menschen scheinen hier sehr zufrieden, was wir auch von einem Insulaner selber erfahren können. Es wohnte in Bluefields, zog aber auf Big Corn, die ihm andererseits wiederum zu «fortschrittlich» wurde, so zog er auf Little Corn. «Hier kann man das Leben noch geniessen. Ich gehe fischen, es geht mir gut! Ich bin nicht reich, aber reich sein ist sowieso nichts» meint er mit seinem stetig strahlenden Lächeln. Wir glauben ihm dies gerne, wenn man bedenkt, wie reich wir in Europa sind, aber ein solches Dauerstrahlen doch eher selten ist…

Wir konnten uns wirklich nicht vorstellen, dass es noch so ursprüngliche Inseln in der Karibik gibt, zu unserer Zeit. Klar, auch hier hält der Tourismus Einzug. Aber zum Glück immer noch in Massen und irgendwelche «ClubMeds» findet man keine. Schön zu spüren, dass man das Inselleben mit überaus freundlichen Insulanern miterleben kann, die auch einfach so an einem interessiert sind. Auch wenn man nur die Parkbank miteinander teilt…

Wenn man gemütliche Ferien, an schönen Stränden, wohltemperiertem Wasser mit liebenswürdigen Einheimischen verbringen möchte, um die Seele baumeln zu lassen, oder an dem Reef zu schnorcheln, dem können wir die «Islita» wärmstens weiterempfehlen, aber bitte sagt es nur leise weiter…

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