1154 Tage Peru Südamerika

Karibische Verhältnisse und schöne Begegnungen.

>> Caraz, Peru
Die spontane Entscheidung am Ticketschalter nach Caraz statt nach Huaraz zu fahren, entpuppt sich als sehr gute Option. Caraz ist ein freundliches, kleines Städchen, wo man sich sofort wohl fühlt.
Wir sind sehr erleichtert einen angenehmen Ort gefunden zu haben, waren die letzen Wochen ein wenig «schwierig» und wir hatten ein bisschen einen Durchhänger. Nicht dass uns die Reiselust verlassen hätte, es war mehr eine «Überdosis» an allem. Caraz wird aber alles heilen…
Die Menschen sind sehr freundlich, von überall her wird gewunken, gelächelt und gegrüsst. Es halten hier nicht sehr viele Touristen an, alle gehen nach Huaraz. Schade, denn ein Besuch lohnt sich alleweil.

Caraz: gemütliches Städtchen mit schöner Aussicht


Da wir mit dem Nachtbus schon sehr früh angekommen sind, besuchen wir nachmittags die nahe gelegenen Ruinen. Die Überbleibsel sind schnell besucht, nicht sehr beeindruckend, dafür ist die Umgebung umso atemberaubender. Caraz selber liegt auf 2300 Meter über Meer und rundherum gucken Berge und noch höhere, schneebedeckte Gipfel hervor. Ein wunderschöner Anblick. So sitzen wir bei den Ruinen auf einem Stein, lassen uns von den wärmenden Sonnenstrahlen verwöhnen und geniessen das schöne Panorama. Drei Kinder bewegen sich auf uns zu. Wir merken, dass sie sich nicht wirklich trauen. Wir helfen nach und sprechen sie an.
Die zwei Burschen und das Mädchen setzen sich zu uns. «Helft mir bei den Hausaufgaben», meint Lis, das Mädchen. Sie hält mir ein Heft und einen Bleistift unter die Nase. Was sie denn für Hausaufgaben habe, fragen wir nach. Die schriftlichen Rechnungen sehen anders aus, als wir es gewohnt sind. Lis erklärt mir, was sie machen muss. «Löse die Rechnungen, ich kontrolliere sie dir», meine ich. Einverstanden.

Lis macht Hausaufgaben

Die Kinder löchern uns mit Fragen. Von wo wir kommen, was wir hier machen, wie teuer denn ein Flug sei und wie lange wir hier bleiben. Sie staunen nicht schlecht, dass wir 18 Tage für die Überfahrt gebraucht haben.
Da sie nicht wissen wo Europa liegt, mache ich eine kurze Geographie-Lektion mit ihnen und zeichne in groben Zügen die Weltkarte in den Sand. Es ist immer wieder faszinierend wie interessiert und aufmerksam die Kinder sind, wenn man ihnen etwas erklärt.

Manu gibt eine Kurz-Geographie-Lektion ;-)

Die drei Freunde meinen, ob wir nicht auf den Cerro de San Juan gehen wollen. «Morgen wollen wir da rauf klettern», meinen wir bejahend. Sie kämen mit, meinen alle drei. «Aber morgen ist doch Schule?» Man sieht die Enttäuschung in ihren Gesichtern. Aber der Unterricht geht nur bis 13 Uhr, also verabreden wir uns für danach. «Aber ihr kommt morgen wirklich!» erbittet Luis mehrmals. Klar, versprochen.

Tags darauf warten wir wie verabredet auf die Chicos. Lis darft nicht mitkommen, sie ist erst neun Jahre alt und es wäre ein bisschen anstrengend für sie. Dafür ist ein anderer Junge dabei. Zu fünft laufen wir los. Die Jungs sind sehr schnell und lachen, wenn wir mal wieder langsamer sind.
Es wetzen überall kleine Eidechsen herum, einer der Jungs steht extra auf ein Tierchen und tötet es. Warum er das tue, fragen wir ihn. «Die sind giftig!» erklärt er uns. Wir zeigen ihm das Gegenteil, nehmen einen in die Hand. Der Junge schaut mit grossen Augen und freut sich nun. Eidechsenfangen ist jetzt Hauptbeschäftigung 😉
Es windet wie verrückt auf dem Bergrücken, aber die Aussicht ist hinreissend. Je höher wir aufsteigen, desto mehr weisse Spitzen tauchen auf. Das ist die Cordillera Blanca. Das Wetter ist perfekt, die Wanderung mit den Kindern lustig, wir verbringen einen prima Tag.

Wir mit den Chicos auf dem Cerro de San Juan

Zuoberst picknicken wir mit Sprudelwasser und Keksen. Zwar nicht gerade gesund, aber wir wissen, dass die Latinos auf «Gaseosas» total abfahren und wir wollen den Kindern ja eine Freude machen.

Ein grosser Teil der Cordillera Blanca ist Nationalparkgebiet mit einigen der höchsten Bergen der Anden. Viele Touristen erklettern die Gletscher und Berge, die zum Teil über 6000 Meter in die Höhe ragen.
Es ist nicht gerade unser Ding im Schnee und der Kälte im Zelt zu übernachten. Wir wandern lieber in der schneefreien Zone, wo es noch Flora und Fauna gibt und bestaunen von da unten die wirklich schönen, gezuckerten Gipfel.

Wir möchten die Laguna de Parón besuchen, wissen einfach noch nicht genau wie. Es gibt keine Transportmittel dorthin. Also machen wir uns auf die Suche nach anderen Möglichkeiten, während wir die Freundlichkeit Caraz’ geniessen.
Wir flanieren durch das Städtchen, gesellen uns zu den Leuten auf dem Hauptplatz und es geht nie lange und man wird angesprochen.

Es heisst immer: «Hola Gringos!» Manchmal muss ich ehrlich sagen, nervt dieses «Gringo». Denn eigentlich ist ein Gringo ein Nordamerikaner und wir sind nun mal keine. Aber hier in Peru ist «Gringo» nicht böse gemeint.
Per Zufall treffen wir Lis’ Mama am Hauptplatz, auch sie ruft uns «Hola Gringos!» zu. Wir fragen sie, warum denn um Himmels willen alle immer dieses Wort benutzen. Sie versichert uns mehrmals, dass dies liebevoll gemeint sei und halt alle mit weisser Haut so genannt werden. Man solle das nicht falsch verstehen, denn es gefalle ihnen, wenn man Zeit habe und plaudert, nur sprechen leider nicht alle «Gringos» Spanisch. Na gut… 😉

Als wir am Markt einkaufen gehen meint eine Verkäufern: «Warum seid ihr Gringos denn eigentlich so weiss, ich dachte bei euch sei es auch kalt?» Wir gucken ein bisschen doof aus der Wäsche und müssen grinsen, was antwortet man denn auf solch eine Frage? 😉
Aber es sind ja solche Begegnungen die einem in Erinnerung bleiben und die schönen Seiten des Reisens sind. Wie auch die indigene Frau, die völlig entzückt ist, als sie uns sieht, wir winken ihr zu, sie kichert, sagt was auf Quechua. Unsere Wege kreuzen sich ein zweites Mal, sie grinst wieder über’s ganze Gesicht, berührt mich und kichert wie verrückt.

Wir sind ja immer noch auf der Suche nach einer Transportmöglichkeit zur Laguna de Parón. Wir haben kein Zelt, um dort zu übernachten, kein Bus der dorhin fährt, also wäre die einzige Möglichkeit, die sich in unserer Situation anbietet, ein Taxi. Wir suchen Touristen, damit das Taxi ein bisschen billiger wird, finden aber keine.
Per Zufall lernen wir endlich die französische Familie kennen, die uns schon seit einiger Zeit «verfolgt». Die vier reisen in einem Campingcar und wir haben sie, sprich ihren Camper, schon ein paar Mal in Peru gesehen. Aber eben immer nur das Auto.
Hier in Caraz begegnen wir endlich deren «Inhalt». Es ist eine aussergewöhnliche und sympathische Familie mit zwei Mädels von 9 und 14 Jahren.
Wir erzählen ihnen von unserer hoffnungslosen Lage. Sie bieten uns spontan eine Schlaf- und  Mitfahrgelegenheit in ihrem Camper an. Ausspannen an der Laguna, ohne Übernachtungs- und Transportprobleme – wir freuen uns riesig.

Am nächsten Tag ist es soweit. Die mehrstündige Fahrt zur Laguna ist spektakulär. Vorbei an Wasserfällen, riesigen Bergmassen und kleinen Dörfern. Auf 4200 Meter Höhe sind wir an der Laguna und wir alle sind beim Anblick der türkisblauen Lagune nur noch baff.

Laguna de Paron

Die Karibik würde beim Anblick dieser Wasserfarbe erblassen. In einem Tal eingebettet umringt von weissen Gipfeln und blauem Himmel kann man nur noch mit offenem Mund dastehen und staunen. Es ist einfach wunderschön!

Wir verbringen zwei fabelhafte Nächte hier, wandern am ersten Tag bis ans Ende der Laguna und am zweiten Tag noch weiter bis zu einer weiteren Lagune.

Laguna Artesoncocha

Obwohl die Wanderung nicht anstrengend ist spürt man die Höhenmeter und man muss mehrmals Pausen einlegen um zu verschnaufen. Die Luft ist dünn. Wir staunen über die Farbenvielfalt, die Berge und die Natur.

Schnee!

Es ist sehr angenehm hier in unberührter Natur, mit netten Menschen zu sein.

Nach der Rückkehr verbringen wir noch eine Nacht in Caraz, um am nächsten Tag doch noch nach Huaraz zu fahren. Wir wollen nicht speziell in die Hauptstadt des Departements, aber nur von dort fährt unser Bus weiter. Also verbringen wir wohl oder übel eine Nacht in der hektischen, grossen und zu lauten Stadt.
Nun wissen wir noch weniger warum alle hierher kommen. Klar, jedes zweite Gebäude ist ein Touroperator, welcher Touren in der Cordillera Blanca anbietet, aber der Ort selber ist wirklich nicht schön.

Wir möchten noch auf die andere Seite der Gebirgskette fahren und landen so in Chavín. Es ist witzig: der Norden Perus ist viel weniger bereist als hier ab Huaraz. Die meisten Leute kommen in Lima an und bereisen durch die grösse des Landes nur Zentral- und Südperu.
Ich glaube seit Anfang der Reise hatten wir nie so viele Reisende im Bus als von Huaraz nach Chavín. Aber egal, Chavín ist ein kleines Dörfchen und die meisten nehmen den sechsstündigen Hin- und Rückweg nur auf sich, um die Reste der Chavín-Ruinen zu betrachten. Wir wollen hier aber übernachten.

You Might Also Like...

No Comments

Leave a Reply