1154 Tage Panama Zentralamerika

Hektik, Huperei und Hochhäuser – Grossstadtleben pur

Panama City

>> Panama City, Panama
Panama City empfängt uns in seiner ganzen Grösse: angeknackste, amerikanische Schulbusse (dafür sehr farbig), die vorbeidonnern, tausende, hupende Taxis, eine Horde vorbeidrängelnder Menschen, immer wiederkehrende, nervende Alarmanlagen von Autos, die ohne weiteres loslegen und sowieso niemanden interessieren.
Aber Panamá ist auch «Casco Viejo» und «Panamá Viejo», die ruhigeren Orte, vielleicht zur Erinnerung, wie es einmal war, bevor all die Wolkenkratzer da waren.
Wir brauchen ein paar Tage, bis wir uns an das Ganze gewöhnen und es irgendwie geniessen können. Schliesslich kommen wir aus fünf Wochen ländlicher Abgeschiedenheit.


Etwas zu suchen in dieser Stadt gleicht einer unlösbaren Aufgabe. Aber sobald wir die «Calles» und «Avenidas» kennen, somit auch die Busrichtungen, beginnen wir uns wohler zu fühlen. Wir steigen in den Bus und können für nur 25 Cents quer durch die Stadt düsen. Was oft ziemlich abenteuerlich und bandscheibengefährdend ist…;-)

Aber da ist noch unser «Hauptproblem»: Wie kommen wir nach Kolumbien?
Wir verbringen einen Nachmittag im Balboa Yachtclub, in der Hoffnung auf Segler zu treffen, die eventuell durch den Kanal, oder nach Südamerika fahren. Unsere Vorstellung entspricht leider nicht dem, was wir antreffen.
Wir dachten es herrscht hier grosses Treiben und ein reger Informationsaustauch – dem ist nicht so. Eher eine spärlich besetzte Bar, wo wir verlegen an einem Bier nippen. Ist irgendwie nicht unser Ding hier.
Wir kriegen aber genug Informationen und schreiben uns auf dem schwarzen Brett als «Linehandler» ein. Nun ist Warten und vielleicht ein bisschen Hoffen angesagt.

Am nächsten Tag bleiben wir nicht untätig und fahren zum Containerhafen. Wir können uns soweit durchfragen, dass wir sogar ins Hauptgebäude dürfen. Stolz und voller Hoffnung gehen wir in den grossen, weissen Bau. Beim Anblick all der Container wird uns wieder warm ums Herz und wir denken mit ein bisschen Melancholie an unsere Frachtschiffreise. Wie gerne würden wir per Containerschiff nach Südamerika fahren… Im Hauptgebäude werden wir jedoch abgewiesen. Niemand will Personen mitnehmen, nur Waren.
Schon in unseren vorangehenden Mailanfragen zeigt man uns die kalte Schulter. Für die Europäer ist der kurze Weg nicht lukrativ genug und die Lateinamerikaner nehmen nur Waren und keine Personen mit. Sollen wir uns in ein Auto verwandeln?
Langsam sind wir mit unserem Latein am Ende. Als letztes rufen wir all die Schifffahrtsgesellschaften an, die wir auf den zwei Seiten der «Gelben Seiten» finden. Entweder werden wir belächelt, abgewimmelt und weiterverwiesen. Irgendwie keine Chance per Seeweg nach Südamerika zu gelangen.

Klar, da gäbe es noch die organisierten Segeltörns, wo man für 300$ pro Person nach Cartagena segeln könnte. Aber das ist es uns nicht wert. Kommt noch dazu, dass JC nicht wirklich seetauglich ist, und wahrscheinlich drei Tage lang Fische füttern würde… 😉 Das wird dann doch ein bisschen teueres Fischfutter…

Ein wenig enttäuscht sind wir doch, stellten wir uns die Überfahrt vielleicht zu «romantisch» vor. Mit anheuern am Hafen war wohl nichts…

Während all das in uns wirkt besuchen wir das wirklich schöne Quartier «Casco Viejo». Die verlassenen Strassen und ausgehöhlten Hausfassaden (die zum Teil renoviert werden) führen ein einsames Dasein im südlichen Teil der Hauptstadt. Aber schöne Häuser im Kolonialstil und ein paar ruhige Ecken laden zum verweilen ein.

Casco Viejo - Placa de Francia

In «Panama Viejo» an der anderen Extremität der Stadt bekommt man Ruinen zu sehen der Zitat: «ersten spanischen Stadt in den südlichen Meeren».

Ein besonderer Glanzpunkt ist natürlich der Panamakanal. Der 80 Kilometer lange Kanal wurde 1881 von Ferdinand de Lesseps, einem Franzosen, begonnen und 1914 von den Amerikanern fertig gestellt. Übrigens ist Lesseps der gleiche Mann, dem wir den Suezkanal zu verdanken haben. 22000 Menschen haben während dem Bau ihr Leben gelassen, meist wegen Malaria oder Gelbfieber.

Das...

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... meinen...

... Lieblingsbruder ;-)

Gern...


... geschehen ;-)

Die Schleusen «Miraflores»- und «Pedro Miguel» dienen dazu, die Schiffe von der Pazifikseite 26 Meter hochzuheben, da der künstliche «Lago Gatún» höher als der Meeresspiegel liegt, und per «Gatún»-Schleuse wieder herunter zu lassen. Oder natürlich umgekehrt.
Die Durchquerung der Landenge dauert gut acht Stunden. Je nach Schiff. Pro Tag passieren 30–40 Schiffe in allen Varianten den Panamakanal. Die Frachter müssen sich 96 Stunden vorher ankündigen und auch gleich bezahlen. Der Preis wird anhand des Gewichts des Schiffes berechnet. Man bedenke was für Riesenschiffe hier durchkommen. Leicht vorzustellen, dass der Kanal Haupteinkommen des Landes ist.

Panama ist nicht nur geografisch der perfekte Ort für den Kanal: ein Isthmus, das grosse Flusssystem, genug Regen – die besten Voraussetzungen um ein Wunder wie den Panamakanal zu errichten.
Daher ist es sehr spannend einfach nur auf der Aussichtsplattform von den «Miraflores»-Schleusen zu stehen und die grossen Schiffe zu beobachten, oder per Bus die Strasse entlang zu düsen wo auch «einfach» die Schiffe links an einem vorbei fahren. Und dann nicht die Kleinsten. Es ist wirklich sehr beeindrucken.
Auf unserer nächsten Reisen werden wir von Europa DURCH den Panamakanal fahren ;-).

Die Zeit geht schnell vorbei, mit unserer Seeüberfahrt ist leider nichts geworden, aber Südamerika werden wir trotzdem bereisen. Wir machen es nun unkompliziert und relativ günstig: wir fliegen.
Und zwar diesen Samstag, 1. März, von Panama City nach Bogotá, Kolumbien.
Wir freuen uns unendlich nach elf Monaten Zentralamerika zu guter Letzt die andere Hälfte Lateinamerikas bereisen zu können. Der Blog ist nicht zu Ende und hoffentlich Euer Leseeinsatz auch nicht. Bis bald wieder.

PS: Es hat ein bisschen viel Fotos vom Panamakanal. Wer’s langweilig findet soll zappen – die sind nämlich speziell für mein Bruderherz 😉

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