1154 Tage Australien

Fünf Wochen im Überblick…

›› Alice Springs, Australien
Über eine Woche ist es nun her, seit uns die Familie wieder verlassen hat. Wir sitzen in Alice Springs und gewöhnen uns langsam wieder ans Alleine sein. Dass ich nicht gleich nach ihrer Abfahrt voll in die Tasten hauen konnte, war mir bewusst, aber auch nach einer Woche ist es schwierig: es passierte sehr viel in den vergangenen fünf Wochen.

Aber hier mal von vorne:
Auf dem Parkplatz vom Flughafen Darwin, verbringen wir eine laute Nacht. Da die ganze Sippschaft früher als der erste Hahnenschrei im tropischen Norden Australiens ankommt, scheint der Parkplatz die einfachste Lösung zu sein, die sich gerade anbietet.
Das Hallo in der Empfangshalle ist gross, das Wiedersehen wunderbar.

Es geht hektisch zu und her, es wird viel geplaudert – wir bekommen einen Vorgeschmack wie die nächsten fünf Wochen aussehen werden. 😉
Seit Monaten beinahe einsiedlerisch lebend, Ruhe und (fast) keinen Menschenkontakt gewöhnt, sind ab jetzt zu sechst unterwegs sein. Meine Mutter Erika mit ihrem Freund André, mein Bruder Christof, seine Freundin Sara und wir zwei. Aber unsere Freude ist gross auf die gemeinsame, bevorstehende Zeit.
In der kleinen Stadt Darwin hält es uns nicht lange. 

Wasserdurchquerung im Litchfield NP

Nachdem der reservierter Allrad-Toyota abgeholt ist, peilen wir schon den Litchfield Nationalpark an und düsen aus der Stadt.

Litchfield NP: Lost City

Die Familie hat das gleiche Automodell, einfach nicht als Buschcamper ausgebaut. Ein Fünfplätzer mit Dachzelt und einem separatem Zelt für die jüngeren zwei, als Nachtlager.
Anfänglich dauert alles sehr, sehr lange. Für alles braucht man irgendwie sechsmal länger. Geht man einen kleinen Wanderweg brauchen alle erstmal gutes Schuhwerk, dann merkt man, dass der Hut noch im Auto liegt, jemand hat vergessen sich einzucremen, «wo ist nun wieder mein Fotoapparat!» ruft es, «hast du das Auto geschlossen?» wird gefragt, «wer hat meine Trinkflasche gesehen»… Aber nach ein paar Tagen geht das aus- und einräumen immer schneller, es kommt eine gewisse Routine in das Geschehen.

Termiten in der Landschaft

Ziemlich im Süden des Litchfield Nationalparks gibt es einen lauschigen Campingplatz im Busch mit dem schönen Namen «Surprise Creek».

Geburi!

An angenehmen Überraschungen fehlt es nicht: Mit einem Kuchen aus dem Campofen feiern wir hier den Geburtstag meiner Mutter und die idyllische Wasserstelle, auf die man nach einem kurzen Spaziergang durch den Wald stösst, bietet sich geradezu an ein paar Runden im kühlen Nass zu drehen, oder sich natürlich wagemutig von den Felsen hinein zu stürzen.

Und hopp... ;-)

Surprise Creek

Auf dem Weg zurück braucht ein fremdes Auto Hilfe: sie haben in einem Fluss die falsche Abbiegung genommen und stecken tief im Wasser fest und langsam läuft ihnen das Auto voll. Aber da das gemietete Auto eine Winde hat, können wir diesem Problem natürlich nachhelfen und das Auto aus dem Fluss ziehen.

Kakadu Nationalpark

Das akklimatisieren geht schnell. Dem für seine Aboriginalmalereien bekannten Kakadu Nationalpark (der grösste Park Australiens) wird auch noch einen Besuch abgestattet. Leider herrscht gerade Winterferienstimmung unter den Australiern, der Andrang überall ist recht gross.

Aboriginal Zeichnungen

Lightning Man

Viel Wasser im Kakadu Park

Ein Salzwasserkrokodil

Seerose

Noch im Park selber, geht es auf eine dieser fiesen, gelben «Gravelroads» ab. Die tiefen Fahrspuren, welche regelrechte Kieselberge hinterlassen und die sonst herumliegenden Steine bilden eine heimtückische, glitschige Oberfläche. So harmlos die Strassen oft aussehen, die Folgen können fatal sein.
Wie gewohnt fahren wir voraus. In regelmässigen Abständen wird aufeinander gewartet. Doch der «Troopy» mit den vier Insassen taucht einfach nicht auf. Abwarten. Wir harren schon doppelt so lange aus als sonst. Eine Panne? Hoffentlich…

Einen grossen Teil wieder zurückfahrend taucht plötzlich meine Mutter mit den Händen winkend auf. Kreidebleich. Ein Auto liegt am Strassenrand – auf der Seitentüre. Helfen sie bei einem Autounfall? Oder… fährt es uns durch den Kopf. Schrecklich… Es handelt sich um IHR Auto – uns wird schlecht. Rasch zählen wir durch. Alle vier da, kein Blut ist zu sehen.

Der Rollover!

Das Unvorstellbare ist geschehen. Nach einem anderthalbfachen «Rollover», wie es die Aussies nennen, den sie hinter sich haben, liegt das Auto am Strassenrand. Totalschaden. Ausser einer gequetschten Rippe und einer blauen Beule am Kopf ist glücklicherweise niemandem etwas Geschehen. So wie das Auto aussieht, erwarteten wir viel, viel Blut… Ein Ranger kommt zur Hilfe, holt alle Sachen ab und unser nächstes Quartier wird erstmal das nächste Roadhouse sein. Der Campingplatz wird für die nächsten drei Tage der Unterschlupf und das private Telefon, der sehr zuvorkommenden Besitzer ist heiss begehrt. Wie geht es nun weiter? Es ist Ferienzeit, weit und breit ist kein Ersatzauto mehr zu haben. Hören nach nur einer Woche die Reiseträume auf?

Nach viel Organisation steht fest: sie erhalten ein neues Auto, aber nicht mehr das Gleiche Modell. Nun ist enger sitzen angesagt, denn ein zweiter Bushcamper kommt her. Heisst nun auch für uns, näheres aneinander rücken, denn in diesen Autos darf man nur zu dritt fahren. Aber immerhin…
Für uns Nicht-Vorplaner beginnt eine neue Ära. Die grosse Australienkarte wird ausgerollt, kalkulieren und planen ist angesagt. Gelingt es uns dennoch, die geplante Strecke einzuhalten? Oder müssen wir eventuell den Uluru (Ayers Rock) auslassen? Doch unserem Ziel steht nichts im Wege. Mit viel gutem Willen und Elan, beginnt das Familienabenteuer wieder am ersten Juli. Ein gutes Datum, denn ab nun werden uns keine Steine mehr in den Weg gelegt, alles läuft wie geschmiert.
Das nächste grosse Ziel: die Gibb River Road. Gut 700 Kilometer unbefestigte Strasse, quer durch die zentrale Kimberley-Region.

Der Beginn der Gibb River Road

Ursprünglich wurde die Strasse als Strecke für den Viehtransport gebaut, um die lebendigen Rumpsteaks von den umliegenden Rinderfarmen zu den Häfen von Derby und Wyndham zu transportieren. Die Region lebt nicht nur von überdimensional grossen Rinderfarmen, sondern auch vom Tourismus auf der «Gibb». Oft erzählt man uns, die «Gibb» sei gewissermassen noch eines der letzten Abenteuer Australiens… also erwarten wir… na was eigentlich? Tiefe Wasserdurchquerungen, Wildnis und halt Abenteuer pur.

Palmenwald

Aber die eigentlich recht langweilige «Gravelroad» hält uns nicht in ihrem Bann. Bis zur Abzweigung zum «Mitchel Plateau» gibt es Anfangs zwar schöne Bergformationen, aber danach bleibt die Landschaft oft gleich. Angebrannte Baumstämme, die wie Zündhölzer aus der Erde gucken. Und die Flüsse sind leider auch nicht mehr so voll, wie wir sie gerne hätten. Die Regenzeit ist schon länger vorbei, alle Flussbetten sind fast ausgetrocknet.

Jede Pfütze zählt ;-)

Bis zum «Mitchel Plateau» und dem gleichnamigen Wasserfall sind es fast 250 Kilometer. Ein Weg. Die ganze Strasse ist ein riesiges Riffelblech. Nach der Abzweigung zum Wasserfall wird sie noch schlimmer. «Very bad road», meint der bärtige Australier, auf unsere Frage, wie die Strecken denn so sei. Er hat nicht unrecht. Da hilft jede Technik nichts, man wird einfach durchgeschüttelt, im Auto herrscht ein Höllenlärm.
Auf dem Camping des Nationalparks empfängt uns ein unangenehmes Rattern. Dabei haben wir doch den «Quiet Camping» ausgesucht? Also Generatoren-Frei. Des Rätsels Lösung ist ein eleganter Helikopterlandeplatz mitten im Nationalpark. Ja wo gibt es denn sowas!

Auf dem Weg zum Mitchel Fall

Eigentlich ist hier ein Ruhetag eingeplant, aber niemand will an diesem Ort wirklich bleiben. Trotzdem wird zum relativ nahe gelegenen «Mitchel Fall» gewandert, entzücken uns ab seinem Anblick und dem kühlen Bad. Aber immer wieder kreisen Helikopter über unseren Köpfen. Tja. Was soll man dazu noch sagen?

Mitchel Fall

Trotzdem finden wir immer wieder behagliche Schlafplätze, entfachen gemütliche Feuerund empfinden den Schluss (von unserer Seite her Richtung Derby) der «Gibb» als die spannendere Seite mit seinen Schluchten und Landschaften.

Baobab in der Landschaft

Ein Süsswasserkrokodil

Windjana Gorge NP

Süsswasserkrokodil

Ein Roadhouse auf der Gibb River Road

In Broome wird die ersehnte Verschnaufpause eingelegt. Ein paar Tage am indischen Ozean, die erstaunlichen Unterschiede der Gezeiten bestaunen, sich in die Wellen werfen, die roten Sanddünen unter den nackten Füssen spüren, Pizza backen, den Flammen des Lagerfeuers zugucken und das Erlebte setzen lassen, denn es liegen noch viele Kilometer vor uns.

Ziel ist von Halls Creek über den Duncan- und Buntine Highway (trotz des Namens, unbefestigte Strassen), durch Lajamanu (eine Ortschaft) und über die Tanami Road (auch eine Piste) nach Alice Springs zu gelangen. Quer durchs Outback. Hier hoffen wir auf ein paar einsame Ecken zu stossen.

Geradeaus

Zuerst aber noch eine Stippvisite zum bekannten Purnululu Nationalpark, besser bekannt als Bungle Bungle. Hier gibt es Steindome im Zebralook zu sehen. Die runde Form ist Arbeit von über hundert von Millionen Jahren, welche die Sandsteinbergkette durch Erosion, Zeit und Flüsse bekam.

Die Bungle Bungles

Der Pyjamalook ist schwieriger zu erklären. Grob gesehen klammern sich Bakterien an die lehmigeren Schichten des Berges, somit erhält er das gestreifte Aussehen. Es wird viel herumgewandert und über Mutter Naturs Künste gestaunt. Nun aber ab in den Staub.

Manu auf einem gefährlichen Platz...

Cathedral Gorge im Bungle Bungle NP

Im Echidna Chasm, Bungle Bungle NP

Auf dem Buntine HWY ins Northern Territory

Der Abstecher ins Outback erfüllt unsere Erwartungen. Auf abgelegenen Strecken fahren wir über gute Pisten, campen an charmanten, menschenleeren Orten, fahren spät weiter und treffen früh am Neuen Ort ein – einen Rhythmus, den alle schätzen.

Mittagspause

Alle zusammen

Wir geniessen die (fast) warme Campingdusche (schwarzer Plastikbeutel, der sich in der Sonne erwärmt, mit einem Duschschlauch) mit dem besten Badezimmerfenster der Welt – die freie Natur 😉

Major Mitchell's Kakadu

Ein Brot wird gebacken und am abendlichen Feuer wird wieder einmal über Gott und die Welt geplaudert um danach müde aufs Nachtlager zu fallen. (Wir hinterlassen sowieso eine Spur der vielleicht schönsten Feuerstellen Australiens…) 😉

Eine unserer berühmten Feuerstellen ;-)

Outback

Auch im Outback blühts

Netter Schlafplatz auf dem Track Richtung Tanami Road

Zapfsäule am Rabbit Flat Roadhouse

Nette Wegweiser ;-)

Bald taucht Alice Springs auf, von wo wir natürlich den überall in der Welt bekannten Ulurubesuchen möchten, besser bekannt als Ayers Rock. Wir kennen den grossen Monolithen schon, aber trotzdem verliert er nie an Magie. Da es die Aboriginals bevorzugen, den für sie sehr heiligen Stein nicht zu besteigen, umrunden wir ihn. Über zwölf Kilometer Marsch. Ein Koloss von Stein.

Uluru

Kata Tjutas

Die vielleicht weniger bekannten, aber nicht weniger beeindruckenden Kata Tjutas (The Olgas) beglücken uns mit einem sehr schönen Marsch durch das «Valley of the Winds».

Fensterblick

Und der Name kommt nicht von ungefähr… Eine sehr schöne Wanderung durch die «vielen Köpfe», wie sie in der Aboriginalsprache heissen.

Wanderung durch das Valley of the Winds

Wieder ein schöner Ort zum Übernachten

Kaffeewasser schon parat?

Alles hat leider einmal ein Ende… die Strecke durch die West MacDonnell Ranges, eine sehr schöne Gebirgskette, westlich von Alice Springs bringt uns dann weiter zu den nördlicheren gelegenen Devils Marbles. Auf dem Weg bekommen wir sie dann endlich zu sehen: Kamele! Zentralaustralien ist ziemlich der einzige Ort, wo man noch wild lebende Kamele sehen kann. Damals während der Pionierzeit, hat man sich Kamele geholt, um die Wüsten zu durchqueren, am Schluss hat man sie einfach laufen lassen, darum sind sie hier. Nun sind sie eine Plage, aber uns freut es trotzdem, welche gesehen zu haben ;-).

Kamelfamilie

Der stolze Kamel-Chef

Vor den «Teuflesmurmeln» geniessen wir noch ein sehr schönes Lagerplätzchen im Davenport Range Nationalpark, der ideale Ort für unsere Grillparty. Die Landschaft ist bezaubernd, keine Menschenseele taucht auf.

Im Davenport Range NP

Ein schöner Ort

Wir sind bereit für die Grillparty

Prooooooscht!

Wie ist das mit den Köchen? ;-)

Stangebrot

Spinifex Pigeon

Zebrafink

Die letzte gemeinsame Nacht verbringen wir auf dem Camping der Devils Marbles. Diese kuriosen Steinformationen sind zum Teil kugelrund und stehen rätselhaft über eine grosse Fläche verstreut in der Natur.

Devils Marbles

An nur einer kleinen Stelle «kleben» sie auf einem anderen Gesteinsbrocken, andere sehen wiederum aus wie gebogene Matratzen oder sind wie Sandwiches eingeklemmt. Das fotogene Gelände lädt zu Spaziergängen durch die Steinformationen ein.

Stein-Ei

Stein-Sandwich

Devils Marbles

Zwei sehr bekannte Steine

Groooosser Stein!

Sie passen einfach schaurig gut in die Gegend

Egal wie lange das Zusammenpacken am nächsten Tag hinausgezögert wird: der Abschied steht vor der Türe. Wie gewohnt fahren wir gemeinsam zur Abzweigung des Stuart Highways. Die vier jedoch biegen nach rechts ab – ihr Ziel ist Darwin, denn in zwei Tagen fliegen sie wieder nach Hause. Wir biegen nach links ab, auf uns wartet kein Flugzeug, nur eine einsame Tankstelle, mit essenziellen Tropfen für unser Auto, damit es weiter gehen kann…

Der Abschied...

Es war grandios mit euch diese abenteuerlichen Wochen zu verbringen! Nun haben wir Probleme wie: wer sucht nun das Feuerholz, der Abwasch muss auch selber gemacht werden, Kaffee (und Wein) sollten alleine getrunken werden, von Jazzy keine Rede… wir vermissen Euch wirklich sehr – danke für alles!

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