1154 Tage Peru Südamerika

Essen und Mee(h)r…

>> Caraz, Peru
In Cajamarca bleiben wir eine Woche. Dank einem zu stark rauchenden Hühnchengrill-Restaurant ein Stockwerk unter uns ziehen wir in eine ruhige, nach Hinten verlegte, kleine «Wohnung».
Für den gleichen Preis bekommen wir ein grosses Zimmer mit Bad plus einen Mini-Innenhof. Ein perfekter Ort. Dann kommt noch das gute Essen dazu. Wir haben schon lange nicht mehr so gut gegessen. Allgemein ist das Essen wirklich viel köstlicher als in Ecuador. Abwechslungsreicher, auch mit Reis, aber nicht nur: Gemüse erscheint wieder auf unseren Tellern! Und die schon lange ersehnten «Papas» – Kartoffeln.
Cajamarca toppt dann noch alles und birgt feinsten, cremigsten Käse, auf dem Markt Oliven vom Süden und Brot, was einen solchen Namen auch verdient. Alles was ein Reiseherz dazu bringt länger an einem Ort zu bleiben ;-).


Cajamarca Markt


Cajamarcas Strassen


So schlemmen wir uns durch die Tage, geniessen das recht gute Wetter und geben uns dem Stadtleben mit seinen Vorzügen hin. Wir haben für die vielen Möglichkeiten rundherum kaum ein Auge frei. Es ist schön sich dem Stadtleben hinzugeben, gleichzeitig arbeiten wir an einem privaten «Projekt» – was daraus wird, erfährt ihr bald.

Eigentlich möchten wir die Anden nicht verlassen und doch fahren wir nach Trujillo, an die Küste. Wir möchten Chan Chán – die grösste Adobestadt anschauen und unseren Amigo Alex von Chachapoyas damals, wieder treffen.

Die Landschaft von der Sierra zur Küste verändert sich rasch. Die Küste, die in Peru doch eher schmal ist, besteht hauptsächlich aus Wüste. Weit und breit nur Sand und sonst nichts. Der erste Stopp ist Pacasmayo. Ein sandiger Ort, mit sandfarbenen Häusern in gräulich sandiger Umgebung. Nicht wirklich erwähnenswert. Trujillo lässt uns auch gleich am nächsten Tag wieder weiter fahren. Was ist los mit dieser Küste?
Trujillo ist uns zu stressig, zuviel Autos und Gehupe, so fahren wir quasi fluchtartig nach Huanchaco.

Die Busfahrt ist schrecklich. Im Minibus mit unseren Rucksäcken auf den Knien stresst der Ayudante die Leute dermassen, dass man selber fast einen Herzinfarkt kriegt.
Aber es hat sich gelohnt. Im Bus lernen wir unsere zukünftige Vermieterin kennen. Wir gehen uns das Zimmer anschauen und fühlen uns gleich wohl. Ein sehr einfaches Zimmer mit Balkon und «Blick» aufs Meer, wenn man von den Stromkabeln mal absieht… 😉

Huanchaco ist ein wunderbarer Ort, um die Gedanken zu ordnen und viel Energie zu tanken. An der Küste ist Nebensaison, Winter. Die gute Saison ist oben in den Bergen mit Klarsicht, hier ist es bewölkt, aber warm.

Huanchaco bei Sonnenuntergang

Es ist ein bisschen wie in Südfrankreich an den im Sommer überfüllten Stränden wie die «Grande Motte» oder so. Im Winter sind es die wunderbarsten Orte. Ein bisschen in einen Winterschlaf versunken, viele Restaurants und Hotels, die aber umgebaut werden oder geschlossen sind. Sie machen sich fit für den Sommer.
Diese Stimmung ist sehr ausgleichend und angenehm. Wir bleiben länger als angenommen.

Es ist schön, wenn man länger, als nur ein paar Tage an einem Ort bleibt. Man kommt eher mit den Menschen in Kontakt. Die Marktfrau gibt einem ohne zu fragen automatisch die richtigen Brötchen, in der Tienda nebenan macht man einen kleinen Schwatz, man taucht ins Leben der Menschen ein. Man wird für kurze Zeit ein Teil des Ortes.

Man findet die feinen Essensstände mit der Frau, die «Papas Rellenas» (Gefüllte Kartoffeln) in einer Pfanne über einem kleinen Feuer brät, den Tamales-Mann der abendlich «Tamaaaal-eeesss» (Maismasse mit Poulet in einem Blatt gegart) durch die Strassen schreit, das Glas frischen Orangensaft für ein Sol, kleine Routinen, die man sich, wenn man länger bleibt so aneignet. Kommt dazu, dass langsames Reisen weitaus günstiger kommt, als von einem Punkt zum anderen zu hetzen.

Die Fischer von hier bauen ihre eigenen Boote, «Caballitos» genannt, aus einer Art Schilf. Der Name kommt von den Spaniern, weil die Fischer aussehen, als ob sie auf einem Pferd sässen, wenn sie im Wasser sind. Die «Caballitos» sind im trockenen Zustand schon 80 kg schwer, nass wiegen sie stattliche 250 kg. Diese müssen zuerst mal aus dem Wasser gezogen werden. Da hat ein Surfer, von denen es hier auch viele gibt, weniger zu schleppen.

Caballitos - Fischerboote

Alex haben wir auch getroffen und Chan Chán, die nahegelegenen UNESCO-Ruinen besucht. Die grösste Adobe-Stadt, die jemals entdeckt wurde. Aber sie war ein bisschen «zu stark präpariert» für unseren Geschmack. An den anderen Tagen haben wir einfach die Nase in den Wind gehalten, den Wellen zugeschaut und den Blick im Horizont verloren.

Nach über einer Woche am Meer möchten wir wieder weiter. Man wird sonst sehr faul und macht dann gar nichts mehr ;-). Eigentliches Ziel ist Huaraz, in der Cordillera Blanca, wo einige der grössten Berge der Anden zu finden sind, mit ihren gezuckerten Bergspitzen. Wir wollen nicht über die Panamericana an der Küste entlang fahren, sondern durch die Anden dorhin kommen. Also fahren wir nach Huamachuco. Die Busfahrt ist für mich persönlich die schrecklichste Fahrt bisher. Der Bus völlig am auseinanderfallen, wir bekommen die letzten Plätze, ganz hinten. Super. Hinten schaukelts und ruckelts immer am Meisten. Die Sitze sind lädiert, die Lehnen kann man nicht mehr so nennen. Die Strasse wird gerade gebaut, heisst sie ist im Moment staubig und löchrig. Mit einem normalen Bus wäre es sicher nicht so schlimm gewesen. Aber auf einem kaputten Sitz und zu Hinterst ist das Geschaukel enorm. Der undichte Bus lässt allen Staub rein, der in den Sonnenstrahlen tänzelt und uns alle zu gräulichen Menschen macht. Man schmeckt nach Staub, man ist Staub. Und das sechs Stunden lang. Vom Meeresniveau auf 3000 Meter hoch bekommt man gleich auch noch Kopfweh. Das ganze Programm halt.

In Huamachuco fallen wir auch nicht gleich vom Hocker. Wir haben es uns anders vorgestellt. Es ist ein Städtchen wie viele andere auch. Eine «Plaza de Armas» (Hauptplatz) mit ein paar Bäumen (die Plätze in Peru sind lustigerweise immer sehr spärlich mit Bäumen bepflanzt – wer weiss warum). Wir fühlen uns nicht ganz so wohl wie wir eigentlich möchten. Wir suchen nach Möglichkeiten, um von hier Richtung Huaraz zu kommen. Es wird schwierig.
Wir haben uns auf der Karte verguckt und hätten uns die Hälfte Weg sparen können. Und nun gibt es nur spät nachts ein Bus zurück nach Shorey, wohin wir eigentlich hätten gehen müssen.
Auf das haben wir keine Lust. Bis nach Huaraz würden wir so eine Woche brauchen. Klar, Zeit haben wir, aber im Moment die Energie nicht dazu. Machen wir uns das Leben doch nicht unnötig schwer. 😉

Heisst, den gleichen sechsstündigen Weg wieder zurück (diesmal mit einem anderen Transportunternehmen, alles geht gut) nach Trujillo fahren, um von dort einen Nachtbus nach Huaraz zu nehmen.
Sechs Stunden nach Trujillo, dort vier Stunden auf den Bus warten und nochmals neun Stunden durch die Nacht düsen. Ein langer Weg. Peru ist wirklich ein riesiges Land. Ein Peruaner sagte uns einmal, man brauche drei ganze Tage nonstop Busfahrt, um Peru zu durchqueren (über die Panamericana versteht sich).

Wir fahren nicht sehr gerne Nachtbus. Erstens sieht man von der Landschaft nichts und für die langen Beine ist es auch nicht das gelbe vom Ei. Aber der Bus ist gut, bequeme Sessel, ganz komfortabel. Wir staunen immer wieder. In Peru gibt es vom rumpeligsten Bus zum Top-Luxus-Wagen alles. In letzterem waren wir nur noch nie… 😉

Das wenige, das wir bei Sonnenaufgang zu sehen bekommen löst «Wow-Aufschreie» aus. Rechts von uns tauchen enorme Bergspitzen mit ihren weissen Hauben auf. Ich weiss nicht wie hoch wir hier sind, aber der Kälte nach muss es relativ hoch sein.

Wir wollten eigentlich nach Huaraz, landen schlussendlich aber spontan in Caráz, knapp zwei Stunden weiter. Es ist eine kleinere Stadt, da Huaraz die Hauptstadt des Departements ist. Nach Huaraz gehen wir dann schon auch nocht, aber wir hatten einfach gerade Lust hier her zu kommen.

Was es in der Cordillera Blanca so zu sehen gibt, erzählen wir Euch das nächste Mal. Im Moment habt Ihr eh keine Zeit zum Lesen, das EM-Fieber ist bei Euch ja ausgebrochen ;-). Bis zum nächsten Mal wieder…

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