1154 Tage Guatemala Zentralamerika

Ein sehr freundliches Dorf

>> Todos Santos, Guatemala
Ein riesiges Tiefdruckgebiet liegt über ganz Guatemala und lässt es überall regnen. Als wir von Nebaj hinunterfahren hängen dicke Wolken über dem Tal. Wir sind überrascht, als wir den halben Berg auf der neuen Asphaltstrasse liegen sehen. Grosse Gesteinsbrocken liegen am Strassenrand.
Ob wir es überhaupt nach Todos Santos schaffen werden? Dieses Dorf liegt auf 2500 Meter und ein gutes Stück Strasse ist ungeteert. Wir legen erstmal einen Zwischenstopp in Huehuetenango ein und informieren uns.


Am nächsten Tag brechen wir auf. Gute zwei Stunden dauert der Aufstieg mit dem Bus. Wir haben kaum Zeit, uns um die Strasse zu kümmern, die Umgebung ist einfach traumhaft.
Wir glauben uns in einem Märchen. Der Boden des Hochlandes ist mit kurzem Gras bedeckt, es scheint beinahe wie Moos, so weich und kuschelig sieht es aus. Dunkle Steine liegen wie zufällig und doch perfekt platziert da. Gelbe Blumenfelder bedecken ab und zu die Wiese. Extravagante rote, hochgewachsene Blumen wachsen am Strassenrand. Agaven, riesig und kugelrund wachsen wie Unkraut. Die wenigen Bäume wachsen schief, der Baumstamm biegt sich in alle Richtungen, sie sehen aus wie zu gross gewordene Bonsai. Wenn mir jemand erzählen würde, dass hier Wichtelmännchen zwischen den Steinen hausen – ich würde es glauben.

Leider wird der Nebel immer dicker und die Wolken hängen immer tiefer. Zu unserem Pech regnet es auch noch in Strömen als wir aussteigen müssen, was die Pensionssuche recht mühsam macht. Erfolglos laufen wir im kleinen Dorf umher, kaum jemand ist in der Strasse. Es ist saukalt, die Haare sind tropfnass und die Hosen kleben an den Beinen – was tun wir hier? Wir stehen vor einer Tienda, wo ein Schild mit «Casa Familiar» hängt. Das Mädchen meint, das «Casa Familiar» sei geschlossen, aber sie vermieten bei sich auch Zimmer. Ihr Vater – ein traditionell gekleideter Mann, aber ein Weisser – nimmt uns mit.
Ewigkeiten steigen wir die wirklich steile Strasse empor, der Regen und der Rucksack machen uns wahnsinnig.

Der Zufall will es, dass wir nun bei einer Schweizer-Maya-Familie wohnen in einem extrem gemütlichen, einfachen Häuschen. Unser Zimmer sieht mit dem vielen Holz einem Chalet ähnlich. Roman ist vor gut 12 Jahren auf seiner Reise hier hängen geblieben und hat sich in Cristina, eine Einheimische, verliebt. Ihre beiden Mädels sprechen Schwyzerdütsch, Spanisch und Mam (Mayasprache). Er versteht uns nur zu gut, warum wir kaum von diesem Land wegkommen…

Am nächsten Morgen haben wir Glück, der Regen hat aufgehört und wir bekommen etwas von der Umgebung mit. Wir sind umringt von Bergen und Wäldern, es sieht wunderbar aus.

Die Aussicht vom Garten des

Samstag ist Markttag und wir stürzen uns ins Getümmel. Ein typischer, einheimischer Markt, wo man alles bekommt. Schuhe, Schüsseln, Gemüse, Poulet – lebend und geschlachtet – Gewürze, Kleider und dubiose Heilmittelchen. Die Liste ist unendlich.

Das grandiose an Todos Santos sind die Kleider der Leute. Ich würde sagen, 95% der Leute tragen traditionelle Kleidung, sogar die Männer und die Jungen! Es sieht lustig aus, weil alle das gleiche Gewand tragen, wie Kopien. Die Männer tragen weite, rotgestreifte Hosen. Sie sind sehr modern geschnitten und sehen aus wie Jeans. Das Hemd/Weste ist blau-lila gestreift, der Kragen und die Ärmel sind aus anderem Stoff. Man sieht an der Qualität des Stoffes, dass es hier recht kalt sein kann. Viele tragen runde Strohhüte, wie eine Melone.

Sieht lustig aus, wenn alle fast gleich angezogen sind Ein bisschen Tratsch...

Die Frauen tragen alle den gleichen hellblau gestreiften, dunkelblauen Wickelrock. Sehr engmaschig und fein sind die Blusen gewoben, die im ganzen Land am edelsten bestickten, heisst es.

Es ist ein toller Tag mit einem guten Markt. Die Leute grüssen, sind äusserst freundlich und offen. Die verschiedenen Wege in der Natur laden nur so ein um diese abzuspazieren. Es hat sich vollkommen gelohnt nach Todos Santos zu kommen.

Obwohl wir noch Ewigkeiten hier bleiben könnten, gehen wir nach zwei Tagen wieder. Wir «müssen» langsam aber sicher von Guatemala ausreisen. Noch so viele andere spannende Länder warten auf uns. Aber es fällt uns sehr schwer…

Als wir mit Sack und Pack den Hügel zum Bus hinuntergehen, winkt uns eine ältere Frau aus ihrem Garten. «Von wo kommt ihr» möchte sie wissen und ob wir hier leben. Wir seien auf Durchreise, und hätten bei Roman’s Familie geschlafen, antworten wir. Sie wünscht uns alles Gute und wir machen uns wieder auf den Weg. Die Sonne kitzelt unsere Nase und diese Frau unser Gemüt. Kopfschüttelnd und grinsend denken wir beide das gleiche: sie machen es einem wirklich nicht einfach von hier weg zu kommen…

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