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Die Saison beginnt gut…

›› Schweiz, Saisonbeginn (Frühling)

Es ist ja nicht so, dass wir 2014 nirgends waren oder nichts erlebt haben. Auch der Blog ist nicht ausgestorben – auch wenn es den Anschein macht 🙂 Im Herbst waren wir dann tatsächlich noch lange und wunderbare sechs Wochen in Schottland mit unserem fahrenden Begleiter. Ich bin jetzt noch nicht ganz fertig mit Bilder sortieren… :-/
Lange Rede, kurzer Sinn: ich wollte alles perfekt chronologisch abarbeiten – ein Unding dies zu meistern. Und alte Geschichten niederschreiben, wenn man eigentlich schon neue parat hätte, macht auch nicht so viel Spass. Darum beginne ich einfach frisch und froh neu: 2015 liegt vor uns, der Frühling begrüsste uns meisterlich – die neue Saison kann beginnen!

Und die hat sehr gut angefangen. An Ostern geht es für ein paar Tage ins schöne Wallis Schneeschuhlaufen. Schon lange möchten wir dies ausprobieren. Als Nicht-Skifahrer ist es immer schwierig den Winter zu überbrücken. Wir sind eine kleine zusammengewürfelte Truppe, einer davon Lionel, ein Walliser, der diese Region kennt wie seine Westentasche. Zum Glück, wie wir noch bemerken werden…
Petrus steht nicht auf unserer Seite an diesem Wochenende, dies soll aber unsere Laune nicht trüben. Die Schneeschuhe an den Rucksack angeschnallt, gehts am Karfreitag per Zug ins Wallis. Schneeschuhe kann man übrigens einfach und unkompliziert bei Transa mieten.

Die erste Nacht verbringen wir im Chalet von Lionels Eltern auf der Lauchernalp. Ob nun der Himmel weisser ist als die Schneemenge ist schwierig zu sagen. Es schneit grosse Flocken und windet diese in alle Richtungen. Hätten wir dieses Treffen nicht schon vor Monaten vereinbart – niemand würde sich zur Zeit zum Schneeschuhlaufen treffen. Alle sind motiviert, möchten die Schneeschuhe test und machen eine kleine Tour. Das gibt genug Appetit für ein Fondue am Abend. Am Samstag – alles ist noch weisser, kälter und windiger als gestern – geht es mit dem Sessellift zum «Staffel» und mit zwei weiteren «Gondeli» zum «Hockenhorngrat» auf 3111 m.ü.M. Auch hier oben ist das Wetter nicht besser. Nur noch etwas kälter.

Unser heutiges Ziel ist die Lötschenpass-Hütte: 2690 m.ü.M., welche wir auch ohne viel Anstrengung ziemlich zügig erreichen. Es geht meist geradeaus, bzw. leicht hinab, die Piste ist präpariert. Wo wir genau sind sehen wir nicht. Es ist und bleibt Weiss um uns herum. Die rechte Wange, die dem Wind ausgesetzt ist, wird rot und kalt, jedoch alles im erträglichen Bereich.

In der Hütte genehmigen wir uns gut walliserisch eine Käseschnitte. Die liegt dann derart im Magen auf, dass wir gleich nochmals eine Schneeschuhrunde drehen müssen.

 

Die ganze Nacht hört es nicht auf zu schneien. Der Wind bläst riesige Schneehaufen um das Haus und an die Fensterscheiben. Es sieht hübsch aus, aber wir machen uns doch ein wenig Sorgen wegen morgen. Wir würden gerne einen anderen Weg zurück nehmen. Oder sagen wir: überhaupt wieder zurückkommen… Oder müssen wir hier überwintern? Eingeschneit? Und das im April? Kann sein, bis im Sommer kann hier noch viel Schnee liegen, sagt man uns…
Am nächsten Tag dürfen wir wegen Lawinengefahr nicht den geplanten Weg zurück antreten. Heisst: gleicher Weg wie wir gekommen sind. Ist nicht weiters tragisch, da wir beim Hinweg sowieso nichts von der Umgebung gesehen haben. Aber da war doch etwas… ging es gestern nicht stets bergab ?

Der Verdacht bestätigt sich. Im tiefsten (und wenn ich sage tief, meine ich tief) Tiefschnee, den es über nacht hingeworfen hat, tapsen wir hintereinander her. Im Entenschritt. Heisst wir versuchen es. Da der Himmel gleich weiss ist wie unser Pfad und das dazwischen auch, verlieren wir vor der Hütte schon die Orientierung.

Da kommt zum Glück Lionels «Westentasche» zum Einsatz. Ein paar Steine, die sichtbar sind und schon weiss er weiter. Es ist sehr anstrengend. Nicht, weil wir das erste Mal Schneeschuhwandern. Der Tiefschnee, der Wind, der uns um die Ohren pfeifft und nun definitiv die Wangen eineist. Die präparierte Piste von gestern – als ob sie nie dagewesene wäre…
Ich bin sehr gross – und sacke trotzdem meist bis über die Knie ein. Jeder Schritt ein Kraftakt. Zu diesem Zeitpunkt empfindet es niemand als Vergnügen. Auch wenn wir hintereinander her traben, kämpft jeder für  und mit sich alleine.

Irgendwo in der Mitte – vor dem Hockenhorn –  bemerken alle, wie das Wetter besser wird: plötzlich kann man die Welt um sich herum ausmachen. Wahnsinnige Gebirge, Nebelschwaden, die in Winderseile an uns vorbeischwirren. Die Sonne drückt. Der Himmel scheint blau zu werden. Ein Wunder, haben wir doch erst vor Kurzem kaum unseren Weg gefunden!

Unsere Anstrengung wird mit einem atemberaubenden Panorama belohnt. Wir machen Pause und geniessen die Aussicht. Alle sind heilfroh, diese Etappe gut überstanden zu haben. Es herrscht trotz allem Lawinengefahr und es wird einem wieder einmal mehr bewusst, dass man hier der Natur und ihrer gewaltigen Macht ausgesetzt ist. Die zweite Hälfte geht einfacher. Die Sonne lacht uns ins Gesicht und wir können in der Ferne den Skilift ausmachen. Gilt es nur noch die Stelle zu durchqueren, wo sie heute morgen automatisch Lawinen ausgelöst haben. Hier traben wir dann Schenkeltief im Schnee. Aber mit dem Skilift im Blickfeld schaffen wir das ohne Probleme…
Es war ein beeindruckendes und sportliches Wochenende für uns. Schneeschuhlaufen macht wirklich Spass – wird aber hoffentlich nicht jedesmal so ein Kraftakt werden 🙂

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