1154 Tage Afrika Burkina Faso

Die rollende Hauptstadt

›› Ouagadougou, Burkina Faso
Nachdem sogar wir einsehen, das Piste fahren für unsere Motorräder (und Nerven) nicht optimal ist, heisst das grosse Ziel der Mobylette-Reise nur noch Ouagadougou. Die Hauptstadt mit dem entzückendsten Namen der Welt.

Maskenball

Nach einem Kondensmilch-Kaffee ist alles startklar. Ab ins Zentrum zum Kreisel, rechts abbiegen Richtung Ouagadougou.

Am Kreisel in Bobo

Längere Zeit zieht typische Stadt-Auslauf-Landschaft vorbei. Marktstände, gefüllt oder verlassen, Frauen, die allerlei am Strassenrand anbieten, dann ist man endlich draussen. Auf einer kleinen Erhöhung sieht man, wie sich die Strasse durch die gelblich-grüne Landschaft schlängelt. Gas geben und hinunter mit schlängeln. Heute ist ein guter Tag. Keine Reparaturen, keine Probleme. Mit kleinen Pausen unter schattenspendenden Bäumen kommt man nach 60 Kilometer in Koumbia an.

Pause

Das Örtchen zeigt sich von der schönen Seite. Eine kleine Brücke führt über einen bräunlichen See voller Leben. Fischer, die hüfttief mit Netzen im Wasser stehen, Frauen, die Wäsche waschen und Kinder die sich im kühlen Nass austoben.
Das Dörfchen ist angenehm, mit einem kleinen Markt und einem «Maquis» mit grossen, gelben Flag-Tafeln (Bierwerbung).

Flag Bier

Pause

Ein geräumiger Innenhof lädt zum Verweilen ein, es ist Sonntag, viele Leute sind da. Wir tun es den Anwesenden gleich, schlürfen ein kühles Bier und schauen dem Treiben eine Weile zu, bevor die sieben Kilometer Piste zu einem «Campement» in Angriff genommen werden.

Im Busch

Ab auf der Piste

Auch auf der Piste rollt es heute gut. Nichts fällt ab, gemütlich geht es über die staubige Strasse, immer tiefer in die «Brousse» hinein. Die «Dekoration» um uns herum ist einladend, ebenso das «Campement». Der Eintopf dauerst etwas länger auf dem bisschen Holzkohle, schmeckt aber köstlich.

Afrikanische Landschaft

Vorbereiten

Kochen

Am nächsten Morgen macht der Gegenwind die Fahrt recht anstrengend. Der Kampf mit den Bussen geht weiter und man staunt über Lastwagen, die krabbenartig entgegen kommen. Irgendwie ist deren Fahrwerk gerade, nur das Gehäuse leicht schräg.
Der nächste Stopp ist Pâ. Ein etwas komischer Ort, der eher zum durchfahren einlädt. Immerhin gibt es grilliertes Fleisch und erledigt sind wir ohnehin. Das Fleisch ist köstlich an diesem Ort.

Spaziergang

Telefonieren

Ein viertel Schaf liegt auf einer Metallplatte (meist ein altes Fass) mit Löchern, darunter lodert ein gutes Feuer. Das nackte Schaf wird frühzeitig grilliert, damit wirklich alles schön durch ist. Will man in den Genuss eines Stücks kommen, sagt man für wie viel und hofft auf wenig Fett und Knochen. Wenn man nicht gut schaut, geben sie einem gerne viel Knochen. 😉 Wir wählen ein saftiges Stück und geniessen es auf dem Teppich im Schatten der Mobylettes. Die Ware ist in Papier eingewickelt. Leere Zementsäcke. Der Verkäufer hat das Papier noch richtig gut abgeklopft. Inklusive Staubwolken. Vielleicht das Geschmacks-Geheimnis des Hauses.

Fleisch, Bier und Mobylette

Obwohl mein Töffli neue, kuriose Geräusche von sich gibt, gibt es zwei Pannenfreie Tage. Alle guten Dinge sind nicht drei, kurz vor Boromo gibt wieder nur der Motor Geräusche von sich, ansonsten stehe ich still. JC schleppt mich zum Mechaniker ab, an dem wir zum Glück soeben vorbei gefahren sind. Eine neue Achse bei den Pedalen muss her. Warten im Schatten, bis die Ersatzteile geholt und montiert werden. Gegen Mittag taucht Boromo auf, eine Stadt, die sich ziemlich genau in der Mitte der Hauptverbindungsstrasse befindet.
Hier bleiben wir und erkundigen uns über die Elefanten, die hier öfter vorbei kommen. Allerdings sagt man, die seien im Moment nicht da. Wahrscheinlich ebenso auf Reisen. Sicherlich ohne Visa-Probleme, die Tiere kennen keine Grenzen und ziehen oft von Wasserloch zu Wasserloch. Somit hält uns hier nichts mehr.

Die Gefährte werden mit Flaschenbenzin gefüttert (Zapfsäule geht nicht) und schon sitzen wir wieder auf dem Sattel.

Tankstelle

Der Gegenwind kämpft immer noch gegen uns an. Der Asphalt wird immer schlechter, komischer Untergrund und Schlaglöcher in Kratergrösse verlangen viel Konzentration. Da es auf beiden Fahrbahnen löchrig ist, fahren alle Slalom, um den Hindernissen auszuweichen, also ein bisschen, wo sie wollen …

Dafür ist die Landschaft sehr schön. Gelbes, hohes Gras, das sich im Wind bewegt mit grünen Bäumen, Palmen und Mangos, die zu einer Verschnaufpause einladen.

Gelbe Gräser an Hauptverbindungsstrasse

Unser Teppich ist auch für eine kleine Siesta willkommen. Da auf dem Weg nirgends eine Auberge auftaucht, es dafür Tomaten auf einem Markt zu kaufen gibt, wo wir Attraktion sind, geht es immer weiter bis nach Sabou. Ebenfalls ein seltsamer Ort. Überall stehen Tafeln von Hilfsorganisationen, alle reden stets von ihren Projekten und dass wir das nächste mal doch bitte mit einem Hilfsprojekt kommen sollen. Ist denn simpler Tourismus nicht mehr erwünscht?
Ab jetzt erzählen wir nur noch, Mikroinvestitionen in kleinen und mittleren Unternehmen zu machen. Hört sich schaurig wichtig an und entspricht sogar der Wahrheit.

Landschaft Richtung Koudougou

Über die Piste soll es nach Koudougou gehen. Bis zu einer kleinen Brücke geht alles gut. Viele Betonkonstruktionen haben scharfe Kanten, wie der Übergang dieser Brücke. Im Sonnenlicht scheint der Rand höher, ich bremse zu abrupt und da JC hinter mir klebt gibt es einen kurzen Zusammenstoss. JC, die Holzkohle und das Töffli liegen am Boden verteilt. Der Pneu ist ein bisschen vom Felgen gerutscht und JCs Knöchel ist verstaucht. Trotz abgerutschtem Reifen schaffen es die Roller ins staubige und heisse Koudougou.

Es ist heiss...

JC’s Fussgelenk wird immer dicker, den Mobylettes geht es gleicherweise nicht so gut. An diesem Ort wird zunächst einmal Pause gemacht. Der Knöchel erledigt sich nach ein paar Tagen von selber, die Töffli werden geölt, gecheckt und fahrbereit gemacht. Ob wir es jemals nach Ouagadougou schaffen?

Wir in der «Brousse»

Kaum zurück auf der grossen Verbindungsstrasse geht bei mir schon wieder nichts mehr. Alles blockiert. Und das nach einem Service. Nun ist es gröber: Kolben und Zylinder sind verklemmt. Es ist wirklich zum verrückt werden.
Das gute in Afrika ist zugegebenermassen, dass alles repariert werden kann. Man weiss nur nie wie lange es hält. Wir haben schon Buspannen erlebt, wo das Problem mit Sekundenkleber behoben wurde …
Der Mechaniker findet eine Zwischenlösung, belehrt uns, auf Flaschenbenzin zu verzichten (was tun, wenn es nichts anderes gibt?) und knöpft richtig viel Geld ab. Nachdem wir meckern meint er einfach: «Ich könnte noch mehr verlangen, schliesslich seid ihr Weiss». Mechaniker und Zahnärzte sind auf der ganzen Welt Diebe.

So verlassen die zwei «Nassara» (im Norden ist man nicht mehr ein «Toubabou») langsam den Mechaniker und es geht viel schleppender weiter. Mein Motor verklemmt sich noch dreimal bis Ouagadougou. Immer wieder geht es nach einer anständigen Ölung weiter. Ein bisschen schneller als im Schritttempo zieht die «Willkommen in Ouagadougou»-Tafel vorbei. 360 Kilometer liegen hinter meinem Rücken. Das Herz schlägt höher, ich rede gut auf mein Töff ein, es wenigstens bis in die Stadt hinein zu schaffen.

Moschee

Die Einfahrt in die Stadt ist hässlich. Die Hauptstrasse wird verbreitert, überall herrscht Chaos, Staub und enorme Hitze. Mit einer Staubschicht auf der Sonnenbrille kämpfen wir uns durch die Umfahrung. Inmitten von Bussen, anderen Mobylettes, Verkäufer und Fahrradfahrer löst sich ununterbrochen die Kerze am Töff. Draht wieder befestigen, ankurbeln, weiter geht es. Der erste Eindruck ist nur: «Schnell weg von hier!»

Wir überleben die Fahrt durch die Hauptstadt und quartieren uns vorerst für ein paar Tage ein. Pause für uns und die «Mobylettes». Wir sind keine grossen Fans von Grossstädten in Afrika, doch Ouagadougou haben wir uns anders vorgestellt (weil der Name so hübsch klingt). Somit kann man sich mit dem Wesentlichen beschäftigen: ein Visum für Benin organisieren.

Ursprüngliches Ziel war von Burkina Faso nach Ghana zu reisen. Von mehreren Reisenden erfährt man, Ghana gebe seit kurzem keine Visa mehr heraus oder man trifft Leute die vier Stunden auf den Hauptkonsul einredeten und ne Menge Geld hinblätterten.
In der Botschaft sagen sie einem nicht, ob es ein Visum gibt oder nicht. Das entscheide der Herr Botschafter. Nun gut, wenn ihr uns nicht wollt, es gibt noch andere Länder. Togo zum Beispiel. Von Togo rät man im Moment ab, man solle eher nach den bevorstehenden Wahlen kommen. Daher die Entscheidung zuerst nach Benin zu fahren. Das Visum bekommt man schnell.

Ouagadougou rollt nur so über die Zunge und in der Hauptstadt von Burkina Faso rollt auch viel durch die Strassen: Mobylettes überall, zu hunderten düsen sie über den Asphalt und verstopfen den Weg.
Ouagadougou lässt einen träumen – vom Namen her – aber der erste Eindruck ist für uns ein Albtraum. Man wühlt sich durch die Strassen und traut sich trotz Maske kaum zu atmen. Auf der Suche nach dem Konsulat von Benin rollen wir voll im Morgenverkehr. Ein Fehler. Eingequetscht und umzingelt von wahnsinnig gewordenen Grossstädtern düsen alle auf Grün los. Es stinkt. Rauchschwaden. Im Nachhinein ist es amüsant: wie ein eigenständiges Videospiel düsen alle auf zwei Rädern los. Der grössere und schnellere gewinnt – allerdings auch der mutigere. Denn als Mobylette lässt man sich nicht alles gefallen ;-).

Verkehr in Ouaga

Es ist trotzdem eine lustige Zeit in «Ouaga» mit netten Bekanntschaften aus aller Welt oder nur zwei Häuser weiter. Beim Tierfutter Verkäufer, wo man erfährt, dass Baumwollsamen Hauptbestandteil in den trockenen Zäpfchen für das Getier seien. Netterweise gibt es dort einen Minikühlschrank. Dieser ist für die Menschen, gefüllt mit zuckersüssen «Blöterliwasser». Eine Wohltat für den Hals in der staubigen Stadt und natürlich auch zum verweilen.

Mädchen in Ouagadougou

Es gäbe noch viel zu entdecken in Burkina Faso, aber nach all den Pannen und Problemen, die auch langsam am Portemonnaie nagen, haben wir genug vom Töffli fahren. So werden die beiden Roller in einen Bus gepackt und zurück nach Bobo gebracht. (Wobei der Bus vier Pannen auf der ganzen Retourstrecke hat.) Dort treffen wir Erwann und François wieder, die morgen jedoch leider nach Hause fliegen. Für uns ist es nun an der Zeit weiter zu reisen: nach Benin.

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