1154 Tage Nicaragua Zentralamerika

Die grösste Süsswasserinsel der Welt

>> Ometepe, Nicaragua
Bevor wir uns auf die Insel im grossen See von Nicaragua aufmachen, fahren wir nach San Juan del Sur. Kurz vor der costaricanischen Grenze schlägt man eine scharfe Kurve ein und man ist am Meer.
Man merkt, dass Costa Rica nicht weit ist: alles ist recht teuer, Dollar wohin man schaut und hört und jede Menge Surfer (und solche die es gerne sein möchten). Wir bleiben nur über das Wochenende. Obwohl die Sonnenuntergänge nicht schlecht sind und wir einen Geburtstag mit dem Barkeeper feiern, ist San Juan doch nicht so unser Fall. Eigentlich wollten wir ein bisschen «sünnele», aber obwohl es Palmen gibt, ist weit und breit kein Schatten am Strand. Und einfach so wie eine rohe Cervelat vor sich hin zu braten… naja.


Wir befürchteten auf Ometepe, der grössten Süsswasserinsel der Welt, ebenfalls einen touristischen Grossansturm zu erleben. Alle sprechen und schwärmen von Ometepe, da erlebt man dann meistens sein blaues Wunder, wenn man selber nachsehen geht. Nicht so auf Ometepe. Es gibt so viele schöne Plätze auf der Insel, dass die Reisenden, die diese Insel besuchen, sich gut verteilen und die Authentizität der Insel bleibt erhalten.

Unsere Anfahrt mit dem kleinen Kutter ist eine schaukelige Angelegenheit. Die Wolken hängen an diesem Morgen tief, der Wellengang ist gerade so stark, dass das Frühstück noch im Magen bleibt und wir hoffen, dass es nicht gerade auf der einstündigen Überfahrt zu regnen anfängt. Pech gehabt. Knapp vor Ankunft dreht jemand da oben den Wasserhahn voll auf. Es giesst wie aus Kübeln.
Da der Kutter ziemlich voll ist, und die Meisten sowieso schon auf dem Dach sitzen ist auch nichts mit Unterstehen. Wir gehen triefnass mit tropfendem Rucksack an Land.

Wir logieren im gemütlichen Dorf Altagracia. Die Inselbewohner sind überaus herzlich und gastfreundlich. Kein Problem bei jemandem im Wohnzimmer unterzustehen, wenn man es vor dem abendlichen Regenguss verpasst hatte nach Hause zu kommen.
Wir residieren bei Mario, einem aussergewöhnlich netten Menschen. Seine Familie bewohnt den hinteren Teil des Hospedaje, den Rest verpachtet er. Er kennt so viele Geschichten und Infos über die Insel, dass man wahrscheinlich Tage bräuchte, um sich alles anzuhören. Wir verbringen eine Woche auf der Insel, wo wir auch wieder alte Bekannte treffen. (man kreuzt sich auf einer Reise sowieso immer wieder – die Welt ist klein…)

Die Inseln entstanden durch eine Vulkaneruption sind aber in der «Mitte» miteinander verbunden. Der Vulkan Concepción ist noch aktiv und spukt regelmässig ein bisschen Gas. Auf der fruchtbaren Erde wuchert die Pflanzenwelt wie wild und überall kreucht und fleucht es.
Das Wetter ist herrlich und lädt einem dazu ein, alle Winkel auszukundschaften. Wir baden im «Ojo de Agua» ein natürlicher Pool mit klarem Wasser, spazieren zum «Charco Verde», wo wir über die Blütenpracht überall nur so staunen. Schmetterlinge flattern uns um die Ohren, wir haben tolle Aussicht auf beide Vulkane. Es heisst, wenn Fremde die Fische vom Charco Verde essen, bleiben sie für immer auf der Insel…
Und der «Mirador del Diablo», wo man eine super Aussicht von oben hat. Den teuflischen Namen verdankt der Aussichtspunkt einer hässlichen Fratze, die man dort gefunden hat. Obwohl uralt, ist ihr Zustand perfekt…
Den Wasserfall in San Ramón besuchen wir auch. Der Aufstieg ist steil und die Hitze tut ihren Rest, aber ausgerechnet, als wir oben sind, beginnt es zu Regnen. So erübrigte sich das Abkühlungsbad 😉

Am Sonntag, als noch jemand von unserer Gruppe Geburtstag feiert, lädt uns Mario abends zu seiner Familie ein, welche auch etwas zu feiern hat.
Wir fahren eingepfercht auf dem Pick-up unter klarstem Sternenhimmel zu der Familie. Wir kommen wieder in den Genuss ihrer Gastfreundschaft und essen ein hervorragendes Reisgericht.
Danach heisst es, wir müssten tanzen. Man stelle sich mal die Gesichter von uns sechs Europäer vor… 😉

Das schlichte Adobe-Haus hat nur einen Erdboden, kein Beton. Aber das genügt auch völlig, man lebt sowieso die meiste Zeit draussen. Und da das Schwein, Huhn, Ente und Hund wie selbstverständlich hier ein- und ausgehen, genügt es völlig.
Es herrschte ausgelassene Stimmung, das spärlich ausgestattete Wohnzimmer ist voll mit tanzenden Menschen. In einer Ecke steht ein Plastiktannenbaum mit wild blinkenden Lämpchen – der grosse Stolz zu dieser Zeit.
Wir lachen uns kaputt, wie wir da die Tanzspiele mitmachen und haben unseren Spass – ohne Alkohol wohlbemerkt! Ja, die Latinos wissen halt, wie man Party macht… 😉

Unsere Zeit geht zu Ende, weil wir merken, dass wir unbedingt noch unseren Visumsstempel erneuern müssen. Normalerweise bekommt man 90 Tage pro Land, hier sind aber Guatemala, San Salvador, Honduras und Nicaragua zusammen. Was für vier Länder doch ein wenig kurz ist… Solche «Ausflüge» dauern hier immer länger als man meint und ist abends völlig erschöpft, vom vielen Schlange stehen und Papiere ausfüllen. Aber der Ausflug an die costaricanische Grenze hat sich gelohnt, wir haben einen neuen Stempel im Pass – das Abenteuer kann weiter gehen…

Zur Zeit sitzen wir wieder in Granada. Diese Passgeschichte hat unser ganzes Vorhaben ein wenig durcheinander gebracht. Aber nun sind wir bereit um unseren neuen Plan zu starten: wir fahren in die Karibik!

Wir werden eine lange Busfahrt vor uns haben, steigen in ein Boot um, welches uns über den Fluss ans Meer bringt und von dort in vielen Stunden auf Corn Island. Wir wollen uns auch überhaupt nicht beklagen, aber nur damit ihr wisst, dass auch das Karibikleben nicht einfach ist… 😉

Da es sich um eine wirklich abgelegene Insel handelt, denke ich nicht, dass wir gross Internetzugang haben werden. Wir melden uns, wenn wir wieder Kontinent unter unseren Füssen spüren.

Passt auf Euch auf und geniesst die Weihnachten. Alles Gute!

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