1154 Tage Peru Südamerika

Die Festung des Nebelvolks und weiter durch die fantastischen Anden

>> Cajamarca, Peru
Chachapoyas ist die Hauptstadt der Region Amazonas. Die Chachapoyas waren ein indigenes Andenvolk und bewohnten hier ein grosses Gebiet, vor den Inkas. Auf Quechua bedeutet Chachapoyas sowas wie «Nebel-, Wolkenvolk».
Sie errichteten ab 800 n. Chr. die Festung «Kuelap», was auf Quechua «verstärkter Ort» heisst. Kuelap ist ein bedeutungsvoller Ort dieser Kultur hier im Norden Perus, leider aber nicht so bekannt wie Machu Picchu. Diese imposante Konstruktion möchten wir uns gerne ansehen.


Eine Möglichkeit von dem Städtchen Chachapoyas aus alleine dorthin zu kommen, ist das erste und einzige Auto zu nehmen, welches um vier Uhr morgens nach Kuelap fährt. Warum nicht. Schlaftrunken torkeln wir im Dunkeln zum Markt. Wie immer wird noch auf andere Mitfahrer gewartet, aber diesmal nur auf vier. Wir erkennen von der Strecke natürlich nicht sehr viel, erst als alle anderen schon ausgestiegen sind und nur noch wir zwei bis zum Schluss fahren, wird es langsam dämmrig und man kann die imposanten Umrisse der Berge erahnen. Der strahlende Vollmond, der nun auch hinter den Wolken hervorguckt, leistet auch noch seinen Beitrag dazu. «Ende der Strasse, hier ist fertig» meint unser Fahrer. Es fröstelt uns ein bisschen als wir aussteigen, sind wir doch auf 3000 Meter aufgestiegen. Es wird immer heller, der Chauffeur zeigt uns den Weg, um zur Festung zu gelangen. Es ist erst halb sieben.


Wir marschieren die halbe Stunde zum Festungsbau. Einen richtigen Sonnenaufgang erleben wir zwar nicht, aber wie da die Sonne langsam zwischen den Wolken auftaucht und alles in goldenes Licht taucht, das Leben um uns herum erwacht, ist einfach unbeschreiblich. Dann kommt noch diese atemberaubende Aussicht dazu, hinter uns die grosse Steinmauer der Festung, vor uns ein Tal und enorme Bergmassen, hinreissend. Und das Beste daran: wir sind absolut alleine…

Kuelap: auf der Festung hat man eine unglaubliche Aussicht.

Als erstes packen wir unser Frühstück aus, einfach herrlich in dieser frischen Luft. Und da die Einlasstickets erst ab acht Uhr verkauft werden, kundschaften wir die Umgebung aus und gehen schon mal in die Festung.
Kuelap hat mehr Steine als die Pyramiden von Gizeh und etwa eine Fläche von 600m2. Der ganze Komplex hatte inner- und ausserhalb über 700 Gebäude, was mehr ist, als im berühmten Machu Picchu, aber ob der Ort permanent bewohnt war, weiss man nicht.
Es sind beachtlich viele Steine, die zum Teil von 5–10 km Entfernung hierher geschleppt wurden…

Wir steigen ganz nach oben, wo die Aussicht noch gigantischer ist und warten von der Sonne gewärmt auf den Ticketmann. Dieser ist ganz kommunikationsfreudig und versteht gar nicht, warum alle zum Machu Picchu rennen, Kuelap sei doch so schön und auch wichtig. Wie recht er hat, aber es ist halt nicht so bekannt.

Wir kehren zu unserer Festung zurück. Im Inneren haben sie ein Häuschen nachkonstruiert, der Rest wird nur vorsichtig präpariert. Die Häuser waren alle rund, typisch für diese Kultur, in anderen Andenkulturen hingegen, hat man mehrheitlich rechteckige Strukturen gefunden.
Überall wuchert die Natur, die Bäume sind von unzähligen Bromelien überwachsen, es sieht märchenhaft aus. Viele kleine Blumen geben dem ganzen noch einen Farbtupfer.
Wir verbringen viel Zeit in und um die Festung und entdecken auch noch die schon lange ersehnten Lamas 😉

Die ganzen Bäume sind mit Bromelien verwachsen.

Blume

Da es wie gesagt, nur frühmorgens ein Auto gibt, machen wir uns fast gegen Mittag auf den Abstieg zum 1100 Meter tiefer gelegenen Dorf Tingo.

Wegbegegnungen

Anfänglich kommen wir noch bei einzelnen Häuschen vorbei, danach nur noch Natur. Die Pflanzenwelt ist zuerst eher niedrig, wird dann immer blättriger und hochgewachsener, bis kurz vor Tingo noch zahlreiche Kakteenarten dazukommen. Wir sind dann doch ganz froh nach fast vier Stunden endlich in Tingo anzukommen, wo wir im Maisfeld noch eine Horde dunkelgrüner Papageien aufscheuchen. In Tingo erwischen wir ein Büssli, das uns wieder zurück nach Chachapoyas fährt.

Die Brücke von Tingo

Gerne würden wir noch länger in der Region bleiben, aber da die Strasse vor Chachapoyas täglich gesperrt ist, wird der Besuch anderer Ruinen und Wasserfälle recht mühsam. Wir heben uns das für unseren nächsten Perubesuch auf.

Auf dem Weg nach Leymebamba

Das Städtchen Leymebamba

Tags darauf nehmen wir den Bus nach Leymebamba. Es ist ein überaus sympathisches Dörfchen, wo sie gerade alle Gässchen und den Platz mit schönen Steinen bepflastern. Die Leute hier sind unglaublich freundlich, alt und jung grüssen, man muss aufpassen, dass man ja jeder Begrüssung gerecht wird. Ein wirklich urchiges, hübsches Dörfchen. Wir besuchen hier das sehr interessante «Museo de Leymebamba» wo die über 200 Mumien des Kondorsees ausgestellt und aufbewahrt sind. Nicht nur das, man kann überaus gut erhaltene Kleider, Gefässe und sonstige alltägliche Dinger dieser Kultur bestaunen.

Von Leymebamba aus fährt nur alle zwei Tage ein Bus weiter, also reservieren wir uns ein Ticket für Freitag, um nach Celendin, einen Zwischenhalt, zu kommen.

Weil es im Restaurant, welches auch die Bustickets verkauft heisst, der Buss komme um sieben, fahre aber erst um acht ab, denken wir es genügt vollkommen um sieben mit dem Chauffeur zu frühstücken. Denkste, er meint er fahre sofort weiter, gegessen wird später. Also steigen wir mit knurrendem Magen in den Bus.
Aber den Hunger vergessen wir schnell. Immer Höher steigen wir in die Berge hinauf, die Aussicht ist überwältigend. Obwohl wir ja in der Schweiz genügend massive Berge haben, kommt es uns vor, als ob wir noch nie solche Bergmassen gesehen hätten, sie sind enorm, ringsherum, überall steigen sie dem Himmel empor, wirklich imposant.

In den Anden

Der Weg nach Celendin ist die Landschaft...

Manchmal sind wir sogar höher als die Wolken uns gegenüber und man kann deren Schatten sehen. Die Vegetation wird karger, bis fast gar nichts mehr da ist, ausser diesen stacheligen Grasbüscheln.
Der Fahrstreifen kriecht um die Berge herum, da es nur eine Spur gibt sind wir oft sehr nahe am Abgrund. (Der in der Tiefe auf dem Dach liegende Lastwagen lässt einem ein bisschen nervös werden…) Wir fahren wieder runter, es kommen Bäume zum Vorschein, es ist unglaublich wie Vielfältig das alles ist.
Ausser in Balsa kommen wir nie an einem Dorf vorbei, ab und zu erhascht man eine Hand voll Häuschen weit entfernt auf der anderen Seite, das ist alles.

Per Zufall singt in meinem Ohr Edith Piaf in voller Lautstärke «Je ne regrette rien…» was zu diesem Naturschauspiel und der ganzen Stimmung Hühnerhaut gibt, es ist phänomenal.
Die Fahrt ist ziemlich lange, wir halten doch noch zu einem Frühstückstopp und kurz vor Celendin haben wir auch noch eine Reifenpanne. Aber wie immer hat der Chauffeur alles im Griff und wechselt mit seinem Gehilfen den Reifen. Es kann weiter gehen.
Nach fast acht Stunden Busfahrt kommen wir in Celendin an. Aber wir werden morgen gleich weiter fahren, finden wir es nicht lohnenswert, sich hier länger aufzuhalten.

Samstagmorgen um halb fünf piept der Wecker, schon wieder früh aufstehen. Wir gehen zum Bus und irgendwie fehlen in Peru (bis jetzt) die Frauen, die frühmorgens Kaffee und andere Leckereien verkaufen. Auch fliegende Händler hat es bis jetzt nicht so viele. Da muss man sich immer um das Essen «Sorgen» machen. Es ist saukalt. Aber unser Gehirn war wohl noch nicht aufgestartet und hat nicht soweit gedacht, einen Fleece mitzunehmen.
Die Fahrt nach Cajamarca beginnt im Dunkeln und wir sind eigentlich recht schnell in der grösseren Stadt. Hier werden wir fürs erste ein Weilchen bleiben und die Gegend anschauen. Nun seid ihr wieder auf dem topaktuellsten Stand der Dinge, bis bald wieder!

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