1154 Tage Australien

Der Sommer geht dem Ende entgegen…

›› Nähe Kalgoorlie, Australien

Unsere Reise im Südwesten geht noch ein bisschen weiter. Die Strecke von Walpole nach Albany führt wieder durch Karri-Wald, wovon drei ausgesuchte Bäume früher als Feuerturm gedient haben, um nach Waldbränden Ausschau zu halten.

Gute Camouflage

Heute übernehmen das Flugzeuge. Dafür sind die Bäume für kletterfreudige Touristen freigegeben und man kann auf Eisenstangen, die sich wie eine Wendeltreppe um den Baumstamm schlängeln bis zu 75 Meter hoch in die Baumkrone klettern. So muss sich wohl ein Affe fühlen. Es ist herrlich, die Aussicht ist grandios, man ist «mittendrinn».

 

Sich wie ein Affe fühlen...

 

 

Panoramablick von der Baumkrone aus

 

Morgendlicher Besucher

 

Bei Walpole ist das «Valley of the Giants» wo wieder endemische Eukalyptusgiganten stehen. Diese «Tingle Trees» haben äusserst fragile und feine Wurzeln. Viel dünner und kürzer als ein normaler Baum. Daher sind die meisten Baumstämme unten hohl und gespreizt, damit der Gigant trotzdem genug Halt hat.

Ein riesiger Tingle Tree

 

Wenn man zu sehr auf dem Boden herumtrampeln würde, sterben die Bäume. Hier ist aber alles gut durchdacht, also spaziert man auf Holzstegen durchs Gehölz, um die Riesen betrachten.

 

Impostante Baumstämme

 

Auf dem «Tree Top Walk» kann man in luftigen 40 Meter Höhe über einen Brücken-Rundgang durch die Baumkronen bummeln und alles von oben anschauen.

 

Der Tree Top Walk

 

In der Nähe von Denmark, in einer schönen Bucht mit klarem Wasser, gibt es interessante Steinformationen, «Elephant Rocks» genannt. Das Wasser ladet zum Baden ein, aber es ist zu kühl. Die grosse Hitze ist langsam vorbei. Aber diese hübschen Steinformationen zu bestaunen ist auch so sehr erfreulich und sie zeigen sich sehr fotogen.

Elephant Rocks von oben

 

Zwar kein Elefant, aber auch ganz nett

 

Elephant Rocks morgens

 

Albany ist ein grösserer Ort, gut um die Vorräte aufzustocken. Aber dann nichts wie weg hier. Seit ein paar Tagen wird es immer kühler, morgens ist es nun sogar ein bisschen neblig. Hier ist Spätsommer, irgendwie riecht es nach Herbst. Wir machen einen Abstecher ins Landesinnere, aber auch dort ist es nicht besser.

Abwarten

 

In einer Reihe

 

Bandicoot

 

Im Prinzip wollen wir nach Esperance, da es dort noch schöne Nationalparks und einsame Sandstrände geben soll.

Aber eigentlich sind wir nun lange genug an der Küste herumgefahren. Wir wollen ins Outback. Die Wettervorhersage für Esperance und Region nimmt uns die Entscheidung sowieso gleich ab: Regenschauer für die ganze Woche.

Regen und Strand passend nicht wirklich gut zusammen.

Wir haben den Holland-Track im Auge. Zu Zeiten des «Goldrushs» (um 1850) sind in der Region Kalgoorlie jede Menge Leute eingetroffen, um Gold zu suchen.

John Holland und ein paar Männer wollten einen schnelleren und direkteren Weg von Albany in die Gold-Region erstellen und haben so mit Kamelen in gut zwei Monaten diesen Weg durch das harsche Land geschlagen.

Unweit hinter ihnen folgten gleich zukünftige Goldsucher auf Pferden, Kamelen, Fahrrädern oder einfach zu Fuss, Schubkarren vor sich her schiebend. Alle mit dem gleichen Ziel: reich werden.

 

Holland Track - Hier gehts lang

 

Von Albany fahren wir querfeldein nach Newdegate, um dort auf den Holland-Track, der unweit von hier beginnt, zu gelangen. Querfeldein gefällt uns. Es wird auch tatsächlich wieder wärmer und trockener. Wir sind mitten in der Natur.

 

Ab ins Outback

 

Man braucht keinen Bus um hierher zu kommen, denn Chauffeur ist man selber, die Hotelsuche bleibt einem auch erspart, weil dieses einem wie ein treues Hündchen hinterherläuft. Entdeckt man ein von Bäumen freistehendes Plätzchen halten wir an und machen «Bushcamping».

Tisch und Stühle raus, ein kleiner Apero, die letzen Sonnenstrahlen tauchen die stolzen Eukalyptusbäume um uns herum in goldenes Licht.

Nun ist auch Zeit für die grau-rosa Kakadus, die in kreischenden Gruppen auftauchen und die leerstehenden Äste füllen. Angenehmer «Krach», der sich mit anderem Vogelgezwitscher mischt.

 

Rosa Kakadu

 

Da braucht man keinen Fernseher. Man hört «Rundfunk Einsamkeit» wedelt mehr oder weniger lässig, die lästigen Fliegen vom Gesicht und geniesst einfach.

Der Himmel scheint zu brennen, das Lichtspiel geht von Gelb, Orange bis ins Violette.

 

Australischer Sonnenuntergang

 

«Was gibt es heute zum Abendessen» fragen wir uns gegenseitig. Etwas Einfaches. Ein Omelett beschliesst der Kühlschrank. Und mit der Dunkelheit lauschen auch wir, was unser Kissen zu erzählen hat…

Der Track ist sehr abwechslungsreich und schön. Wir übernachten einmal auf dem fast 300 Kilometer langen Holland-Track. Irgendwann spätnachmittags finden wir es sei nun genug für heute und halten an. Es ist immer noch unsagbar warm. Dann haben wir vielleicht zwei ruhige Minuten bis sie kommen. Aus allen Himmelsrichtungen. Mit all ihren Freunden, Kollegen, Tanten und Kindern: Fliegen.

Sie kriechen in alle möglichen Körperöffnungen. Hocken in die Augenwinkel, machen einen Rundgang im Nasenloch, surren am Ohr herum, machen es sich auf den Lippen bequem. Eklige, kleine, nervende Insekten.

Sie gehen auch nicht einfach wieder, es werden immer mehr. Was um Himmels willen hat uns gestochen, dass wir ins Outback wollten? 😉

 

...abwechslungsreich

 

Die ganze Strecke...

 

... ist sehr...

 

Es sind so viele, dass wir schreiend ins Auto zurückkehren und wieder abfahren. Wir kennen zwar das Fliegen-Problem im Outback, aber so viele wie es hier sind, ist unglaublich und kaum zu bewältigen. Im Freien kochen und essen – unmöglich!

Wir fahren also noch ein bisschen weiter, sitzen dann bis Sonnenuntergang wartend im Inneren unseres Campers. Danach verkriechen sich die Biester.

Wir brauchen einen Plan. SO werden wir es nicht lange aushalten und es ist auch kein Vergnügen mehr. Hier genügt mit der Hand Fliegen wegwedeln nicht mehr.

Wenn wir schon keinen Chef mehr haben, der bestimmt, ob wir an Ostern arbeiten oder nicht, lassen wir uns doch auch nicht von den kleinen Brummern das Leben bestimmen!

Wir kommen wohlbehalten in Kalgoorlie an. Heute noch bestimmen Gold- und andere Minen das Bild der Stadt. Die Häuser geben einem das Gefühl von «wildem Westen», fehlt nur noch die Bar mit schwingender Flügeltüre.

 

Kalgoorlie

 

Beim Aussichtspunkt des «Super Pit», eine enorme Goldmine, kann man in die 4 km lange, 1,5 km breite und 500 m tiefe Grube gucken und beobachten, wie kolossale Fahrzeuge Schotter aus der klaffenden Wunde abtransportieren.

 

Der Super Pit - enorme Goldmine

 

Gerade zum richtigen Zeitpunkt da, erleben wir wie eine sekundenschnelle Explosion eine weitere Mulde ins Bergwerk sprengt. Hier wird 24 Stunden gearbeitet.

Wie immer bleiben wir nicht lange in der Zivilisation.

 

Zurück ins Outback

 

Auf einsamen Strecken unterwegs

 

Es zieht uns ins Nichts, weiter ins Outback, denn in Kalgoorlie haben wir eine Lösung für das Fliegenproblem gefunden. Im Campingland Australien gibt es für alles eine Lösung ;-). Ein grosses, aus Moskitonetz bestehendes Zelt ohne Boden, wo wir sogar aufrecht stehen können. Unsere Fliegenfreie-Zone!

 

Da hat sich jemand ein Spass mit dem armen Kamel erlaubt

 

Granitformationen

 

Der gut 800 Kilometer lange, mehrtägige Ausflug von Kalgoorlie führt an vielen, verlassenen Minen vorbei. Die Strecke ist nicht ganz so abwechslungsreich wie der Holland-Track, aber wir sehen viele Tiere, unter anderem der schon so lange erwartete «Thorny Devil».

 

Thorny Devil

 

Verlassen

 

Spinifex Kreis

 

Trotz Wüste wächst hier etwas gemüseähnliches

 

Eines Abends braut sich am Himmel ein gehöriges Gewitter zusammen. Der Himmel ist elektrisch geladen, am ganzen Horizont zucken und zischen die Blitze wie verrückt. Die mondlose, stockfinstere Nacht hellt sich für Sekunden auf.

Hier regnet es nur gerade ein paar Tropfen, aber anderswo kann es ganze Strassen überfluten. Wer weiss wo in dieser trockenen Gegend ein Blitz in einen Baum einschlägt oder Strassen unpassierbar werden. Irgendwie ist es an diesem gottverlassenen Ort ziemlich unheimlich und ganz so wohl ist uns nicht.

 

Sandige Strecke

 

Aber es kommt alles gut. Keine umgefallenen Bäume, nur ein paar Wasserlachen auf der Strecke.

 

Die Rückfahrt wird nass

 

Ein blauzungiger Shingleback

 

Abgesehen davon können wir unsere Abende wieder draussen verbringen, denn unsere Fliegenfreie-Zone zeigt sich als eine grossartige Investition.

Nun sind wir an der Rowles Lagoon, nicht weit von Kalgoorlie entfernt. Hier bleiben wir ein paar Tage, wir brauchen wieder einmal eine Auszeit. Unser Ziel ist nun kurz vor Ostern in dieser Gegend zu bleiben, um anschliessend zurück an die Küste, nördlich von Perth zu fahren. Abwechslungsweise ein bisschen Outback und Meer.

Bis dahin wünschen wir Euch frohe Ostern und bis bald wieder!

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1 Comment

  • Reply
    Anonymous
    8. April 2009 at 14:12

    hey ihr lieben

    ein ganz toller bericht und super fotos. wir hatten es gott sei dank nur ein paar mal so schlimm mit den fliegen..die sind mehr als nervig…da wird man ja balla….
    wir sind jetzt im norden thailands. haben uns 2 mopeds geliehen und machen die Gegend hier unsicher…hehe..
    alles liebe und weiterhin viel spass

    jeanette und sascha

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