1154 Tage Guatemala Zentralamerika

Der Maistag

>> San Pedro La Laguna, Guatemala
Wir verbringen eine sehr gemütliche Zeit in San Pedro. Wir können leider, nicht wie wir vorgehabt haben, noch ein bisschen um den See wandern, das Wetter machte uns einen Strich durch die Rechnung. Aber das ist völlig egal, wir haben viel zu plaudern und schliesslich müssen wir auch wieder auf dem neusten Stand des Dorfklatsches sein 😉
Es war wirklich rührend, wie Familienmitglieder kamen, um uns willkommen zu heissen. Ich glaube Deborah hat halb San Pedro erzählt, dass wir kommen werden…


An einem Tag gingen wir mit Deborah ins Maisfeld. Nicht um faul ein Picknick zu halten, sondern um Mais zu pflücken. Wir haben vor «Atole de Maíz» zu brauen und ein Maisbrot zu backen.

Früh marschieren wir los und ernten haufenweise Kolben. Es ist recht anstrengend, vor allem weil einem immer wieder irgendwelche Viecher stechen und ärgern. Aber es hat trotzdem Spass gemacht. Vorallem, weil wir wussten, dass uns Feines erwartet.

Zu Hause entfernen wir die einzelnen Körner von den Kolben. Die Daumen schmerzten noch zwei Tage später von der Arbeit. Die frischen Körner werden zermahlen, was eine gelbe, teigartige Masse ergibt. Einen Teil verarbeitet Deborah zu Atole. Der Teig wird in Wasser aufgelöst und gesiebt, bis kein verklebtes Stückchen mehr da ist. Ein grosser Topf Wasser wird aufgesetzt und die gelbe Maisflüssigkeit ins heisse Wasser mit Zucker und Zimt dazugegeben. Dann heisst es rühren. Ununterbrochen muss umgerührt werden. Und das währen gut anderthalb Stunden…

Der Atole de Maiz ist trinkfertig! Mjammi...

Nun wissen wir auch, wenn man das Glück hat ««Atole de Maíz» auf der Strasse kaufen zu können, warum dieser teurer als zum Beispiel Weizenatole ist. Der Arbeitsaufwand ist enorm.

Gleichzeitig stellen Raffael und sein Bruder ein Maisbrot her. Es gleicht zwar eher einem Maiskuchen. Auch das ist viel Arbeit, aber da Raffaels Bruder Bäcker ist, funktioniert dies auch ganz gut.

Der nun dickflüssige, sattgelbe «Atole» duftet nach frischem Mais und das Wasser läuft uns im Mund zusammen. Viele Familienmitglieder und Freunde kommen und wollen sich eine Tasse Atole nicht entgehen lassen. Die Aussenküche ist zum überquellen voll. Wir staunen, die müssen das alle gerochen haben… 😉

Das Maisbrot wird auch sehr lecker. Gross und goldgelb dampft es auf dem Tisch. Wir haben heute eine ziemliche Dosis Mais zu uns geführt. Mittags gibt es Suppe mit Maiskolben, wir trinken «Atole de Maíz», essen Maisbrot und zum Znacht gibt es frische Tortillas mit Käse…

Wir haben in unserem ganzen Leben noch nie so viel Mais gegessen, wie in den letzten Monaten. Vor allem auch nicht so viele Variationen. Vorher ging unser Maiswissen nicht über Mais aus der Büchse, Maiskolben und Polenta hinaus…
Für die Menschen, die hier leben sowieso absolut unvorstellbar, dass wir bei uns keine Tortillas essen… 😉

Leider geht auch die schöne Woche in San Pedro zu Ende. Es fällt uns sehr schwer uns zu verabschieden. Ist es nicht nur ein Abschied von Deborah, sondern auch gleich von Guatemala. Deborah kullern schon am Vortag tränen über die Wangen. Was alles nicht einfacher machte. Kommt noch dazu, dass am Montag ein neuer Student in die Familie kam. Ein sehr witziger Neuseeländer, mit welchem wir es auch noch sauglatt haben.

Aber so ist es eben. Reisen heisst auch sich verabschieden. Immer wieder. Aber unsere inzwischen vier Monate (!) in Guatemala waren wunderbar. Wir nehmen viele, schöne Erinnerungen mit und Deborah’s Familie wird immer einen Platz in unserem Herzen haben. Auch wenn es traurig ist, sind solche Begegnungen das Chili des Reisens, nicht wahr?

You Might Also Like...

No Comments

Leave a Reply