1154 Tage Guatemala Zentralamerika

Dem Nichtstun hingeben…

>> Flores, Guatemala
Es ist Mittagszeit und ich sitze auf unserem zum Glück schattigen Minibalkon und versuche zu lesen, erwische mich aber immer wieder wie ich abschweife und mein Blick durch die Gegend gleiten lasse. Es passiert nichts Wahnsinniges. Ein paar Tuc-Tucs transportieren Menschen, die in dieser flimmernden Hitze wohl nicht ihre eigenen Füsse benutzen wollen. Verständlich, machte ich gestern den Weg nach Santa Elena auch einmal per Tuc-Tuc und einmal zu Fuss. Letzteres gab Kopfweh und rosa Schultern.
Über den rostroten Blechdächern von Flores hängen massenweise elektrische Kabel. Ich folge mit meinen Augen einem solchen Strang, verliere ihn aber gleich wieder in einem Wirrwarr aus Kreuzungen und Verknüpfungen.
Ich muss über diese Stromkonstruktionen grinsen und frage mich, ob und wie da wohl Strom abgerechnet wird. 😉


Flores ist ein kleines, herziges Städtchen auf einer Halbinsel im See, welches mit Santa Elena durch nur eine Strasse verbunden ist. Santa Elena ist grösser, lauter und staubiger. Dort herrscht Durcheinander. Auch weil alle Busse und sonstiger Verkehr vorbei muss.
Aber zurück zum Balkon ;-). Beobachten ist allgemein beliebt. Die Menschen stehen vor ihrer Haustüre und gucken. Schliesslich muss man Bescheid wissen, was sich alles in «seiner» Strasse abspielt. So tu ich es ihnen gleich. Es ist eine herrliche und beruhigende Tätigkeit ;-).
Manchmal schauen vorbeischlendernde oder im Pickup auf der Ladefläche sitzende Leute hoch. Man winkt sich zu.

So vergehen die Tage hier in der Stadt schauend, lesend, Siestapraktizierend und winkend sehr gemütlich vorbei ;-). Es dünkt mich sehr viel friedlicher als das erste Mal im August. Die vielen Sommerferientouristen sind nämlich nicht mehr da.

Ganz untätig waren wir nicht, juckte es uns doch in den Fingern für ein neues Abenteuer. Der dichte Dschungel, wovon es in der Region Peten zur Genüge gibt, lädt einem regelrecht ein diesen auszukundschaften. Wir liebäugelten im Prinzip mit einer Tour zum «El Mirador», der grössten Mayapyramide überhaupt, ganz im Norden, fast schon an der mexikanischen Grenze. Sechs Tage Dschungelwanderung. Wäre sicher eine tolle Erfahrung, das Problem: die Regenzeit. Als wir uns näher informierten und wir das Wort «Gummistiefel» hörten, läutete weit hinten ein Alarmglöckchen ;-).

So masochistisch sind wir nun doch auch nicht veranlagt, dass wir uns sechs Tage in Gummistiefeln im Dschungel durch den Schlamm schleifen. Kommt dazu, dass man 7–9 Stunden pro Tag wandert. Stell ich mir so eher als einen Überlebenskampf oder als eine Militärübung vor, als Genuss.

Wir fanden aber wonach wir suchten und diesen Freitagmorgen geht es los: El Peru heisst das Zauberwort. Mit einem Guide werden wir drei Tage (und zwei Nächte) unterwegs sein. Die Ruinen seien nicht so imposant wie vielleicht andere, aber dafür die Natur umso mehr. Wir lassen uns überraschen. Wir werden wandern, Flussfahrten machen, Tiere beobachten und draussen übernachten. Hoffen wir, dass kein Jaguar vorbei kommt und uns in die Füsse beisst ;-).

Wir freuen uns sehr auf Morgen und werden ganz bestimmt an dieser Stelle berichten, sobald wir wieder aus dem tiefen Blätterwald draussen sind. Sofern wir auch wieder herrausfinden… aber dafür haben wir ja unseren Guide. 😉

Bis ganz bald wieder!

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