1154 Tage Costa Rica Zentralamerika

Das zweitteuerste Gewürz der Welt

>> Londres, Costa Rica
Elena nennt ihren Umschwung gerne «Spice Farm», da vor allem Gewürze in den Feldern zu finden sind. Ingwer, Zitronengras und Kurkuma wachsen hier wie Unkraut.  Ein kleines Gebiet ist der Vanille gewidmet, das nach Safran teuerste Gewürz überhaupt.
Sie hat mehrere Vanillestauden, aber nicht genug um damit Geld verdienen zu können. Aber für ihre Tour mit den Gästen macht sich so eine «Vanilleplantage» ganz gut. Und dieser widmen wir uns im Moment.Da sie selber nicht definitiv hier lebt, kümmert sich auch niemand regelmässig um die Pflanzen, welche übrigens die einzigen essbaren Orchideen sind. Also finden wir gut wucherndes Gewächs vor.


Die Vanillepflanze wird von einem lebenden Stützbaum getragen, wo sie hoch- und runterklettern kann. Jeder, der Orchideen zu Hause hat, weiss wie heikel und zerbrechlich sie sind, somit müssen wir sehr vorsichtig mit dem Gewächs umgehen.

Vanille: die Orchidee Viel Pflanze

Unsere Aufgabe ist Ordnung in das Ganze zu bringen. Einige Pflanzenstängel wachsen derart weit hoch hinaus oder breiten sich in die falsche Richtung aus, dass wir sie vorsichtig mit den Luftwurzeln, die sich stark um den Baum krallen, lösen müssen, um sie in die optimale Richtung zu bringen.

Heikle Aufgabe Meterlange Stängel

Ein Pflanzenarm kann mehrere Meter lang werden und wächst von der Erde, wo die Wurzeln in die Erde verwachsen sind, den knapp zwei Meter hohen Baum hoch, wo wir die Spitze wieder nach unten biegen müssen. So ergibt sich ein richtiges Vanille-Schlaufensystem. Kranke Pflanzenteile müssen von den gesunden entfernt werden. Manchmal kann man, wenn mehrere Luftwurzeln in die Erde verankert sind, die Pflanze trennen, damit eine neue wächst. Die Pflanzenstängel dürfen aber nur mit einem Messer getrennt werden, welches vorher mit einem alkoholgetränkten Wattebausch gereinigt wurde, weil so eventuelle Krankheiten nicht an gesundes Gewächs weitergeben werden kann.

Es ist ein bisschen wie ein Puzzle: man sucht die Spitze der Stängel, schlauft diese durch die ganzen anderen Pflanzenteile – immer vorsichtig, dass so wenig wie möglich kaputt geht – und macht schöne Schlaufen damit im April die Blüten spriessen können. Sie blühen nur an einem Tag im April und müssen von Hand bestäubt werden.
Wir stutzen den Stützbaum zurecht, welcher eklige Dornen hat und die kleinen Widerhaken bleiben in der Haut hängen. Wenn es nicht die Dornen sind, attackieren einem die Ameisen oder Moskitos.
Nun wissen wir warum Vanille so teuer ist: es braucht wahnsinnig viel Zeit. Ich denke, auf richtig grossen Vanillefarmen, kümmern sich mehrere Leute ständig um die Pflanzen.
Und eigentlich sollte das Neuarrangieren der Pflanzen hier in Costa Rica schon im Oktober geschehen…

Wenn wir die Erde vom Unkraut entfernt haben, schütten wir vermodertes Laub über die Luftwurzeln, bedecken aber nicht Blätter. Wir bauen der Vanille ein schönes Bett, welches von einem kleinen Steinring umgeben ist, sodass die Blätter vom Regen nicht weggewaschen werden können. Somit ist nun das Wurzelwerk in der Trockenzeit gut geschützt.

Vanille-Bett

Dieses Prozedere machen wir mit jeder Pflanze. Der Hauptteil der Zucht steht mehr oder weniger frei in Reihen. Aber am Weg entlang wickeln sich Kletterpflanzen um die Orchideen und das Unkraut ist schwer zu bekämpfen. Weiter hinten, hat sie später noch mehr Pflanzen gesetzt, welche aber noch tiefer im Dschungel versinken.

Der Hintere Teil. Was ist Vanille, was ist Dschungel? Das muss alles noch gesäubert werden

Wir putzen, organisieren und pflegen ein Gewächs nach dem anderen und inzwischen sieht der ganze Ort schon sehr anschaubar aus.

Vanille Vorher Vanille Nachher Vorher/Nachher

Da wir sehr früh mit der Arbeit beginnen, hören wir die kleinen, grünen Papageien um die Wette krächzen, wenn sie sich an den Orangen vergehen. Am ersten Vanilletag flatterte noch ein Arapärchen über die Baumwipfel hinweg. Und dass es uns an Abwechslung nicht mangelt, kommen auch die beiden Hunde immer wieder Hallo sagen.

Schöne Reiheli Ich mag nümm

Dieser Gärtnerjob macht uns ziemlich Spass, sind aber nach sechs Stunden Arbeit doch froh, unsere schmutzige Arbeitskleidung ablegen zu können. Wir essen Mittag und haben den Nachmittag für uns, den wir bei schönem Wetter im und am nahe gelegenen Fluss verbringen.

Wir schauen, was in dem Monat noch alles passiert und wo wir sonst noch unsere Hände in den Dreck stecken müssen ;-). Wir halten Euch auf alle Fälle auf dem laufenden. Es wird noch ein paar Garten-Geschichten geben und sicher auch Anekdoten über die Gäste, die hier übernachten. Wir werden euch berichten…

You Might Also Like...

No Comments

Leave a Reply