1154 Tage Afrika Marokko Mauretanien

Das Land nach dem Minenfeld

›› Nouadhibou, Mauretanien
Um zur letzten, per öffentlichem Verkehr erreichbaren Stadt zu kommen ist es ein weiter Weg. Dakhla liegt über tausend Kilometer von Agadir entfernt. Und dann ist man immer noch nicht an der Grenze.

Von Agadir nach Tan Tan

Wir splitten die Strecke, so gut es geht auf. Von Agadir geht es sechs Stunden nach Tan Tan. Ständig kommen wir in Polizei-, oder Militärkontrollen. Aber sie sind stets höflich, fragen nach dem Pass, füllen Papiere aus, fragen nach Beruf und Reiseziel.

Beige

Die Landschaft ist beige. Staubig, karg, steinig und beige. Ab und zu verirrt sich einmal ein kleines, trockenes Büschchen ins Bild. Ansonsten tauchen Strommasten auf, ab und zu mal ein paar Kamele. 
Nach Tan Tan, sprich bald mal nach Tarfaya ist man theoretisch nicht mehr in Marokko. Dieser Teil der Erde nennt sich Westsahara, und wird von Marokko besetzt, sprich verwaltet. Nachdem man bedeutende Phosphatlager gefunden hat, haben Mauretanien und Marokko Anspruch auf dieses Stück Land gestellt, was zu Konflikten geführt hat. Eine lange Geschichte, die bis heute nicht richtig geklärt ist. Auf alle Fälle baut und investiert Marokko intensiv in dieses Gebiet – wohl dass man ihnen diesen Teil nicht mehr streitig machen kann.

Stopp

Laayoune ist der Hauptort dieses Gebietes, wo wir wieder nach sechs Stunden Fahrt von Tan Tan aus landen. Laayoune ist eigenartig, nichts Schönes. Es wimmelt nur so von Polizei und Militär hier. Viele Hotels gibt es nicht, aber vor den etwas chiceren sind die Parkplätze voll von weissen UN-Toyotas.

Nach einer Nacht in einem Hotel, wo man es mit dem Wechseln der Laken nicht so genau nimmt, geht es wieder weiter. All diese Städte sind keine Orte, um länger zu verweilen. Es gibt nichts zu sehen und nichts zu tun. Augen zu und durch.

Gleichbleibende Landschaft

Die letzte Bus-Etappe sind dann zehn Stunden Fahrt. Die Reise in den Süden ist lange und einsam. Viele hunderte Kilometer durch gleichbleibende Landschaft. Immer noch. Ab und zu ist der Atlantik zu sehen, manchmal taucht eine einsame Sanddüne auf, mit sehr hellem, grauweissem Sand. Sonst weit und breit kein Baum, nur flirrende Hitze.

Sanddünen und Strommasten

Unter anderem geht die Reise auch so lange, weil man ständig angehalten wird. Pass zeigen, immer die gleiche Prozedur. Für uns vor allem, denn anscheinend bleiben Marokkaner davon verschont. Aber solange niemand ein «Bakschisch» (Schmiergeld, Trinkgeld) von uns will, ist das in Ordnung.

Nach zehn Stunden geradeaus fahren, biegen wir nach rechts ab, Dakhla liegt auf einer Halbinsel. Vom Gefühl her meint man mindestens am Ende der Welt zu sein, man erwartet also nicht wirklich eine Stadt. Aber Dakhla kann sich zeigen lassen. Nicht, dass man extra die vielen Kilometer machen soll, um es zu sehen, aber es ist sehr angenehm und obwohl alles so weit weg ist, überraschenderweise günstig.

Seit wir Agadir verlassen haben, hat der grosse Touristenstrom (stark) abgenommen. Hier runter verirrt sich niemand freiwillig. Dakhla ist der letzte Ort, um auszuruhen, Informationen zu sammeln und wie in unserem Fall, einen Fahrmöglichkeit an die Grenze zu suchen.

Uns gefällt es eigentlich ganz gut hier unten. Die Stimmung ist angenehm, es ist ein kommen und gehen in der Stadt, wie ein grosser Hub, eine grosse Informationsplattform. Es sind wenige Reisende, die wie wir per öffentlichem Verkehr durch Afrika reisen, die populärere Art ist doch mit dem eigenen Fahrzeug.

Erst vor ein paar Tagen haben die Mauretanier beschlossen, dass man nun das Visum nicht mehr an der Grenze beantragen kann. Auch das Transitvisum nicht mehr. Viele wurden von dieser Änderung überrascht, mussten umkehren oder umorganisieren. Die Information macht nun ihre Runden, einige bleiben deswegen in Dakhla stecken, warten auf ihre Papiere.

Sind wir sonst ständig von etwas gestoppt worden, haben wir diesmal Glück, denn das Visum haben wir ja schon in Rabat besorgt.

Da wie gesagt, hier Endstation aller Busse ist, benötigt man einen Fahrer, um an die fast 400 Kilometer entfernte Grenze zu gelangen.

Wir kommen mit Ababa, einem sympathischen Mauretanier ins Gespräch, der diese Fahrten macht, wie er sagt, um in Bewegung zu bleiben. Er ist pensioniert und will nicht dem Nichtstun verfallen. Selber wohnt er in Nouadhibou, die erste Stadt nach der Grenze, wo wir auch hin wollen.

Er ist hoch erfreut, dass wir nicht wie viele, nur durch Mauretanien hindurch reisen, sondern auch vorhaben ein bisschen zu bleiben. So füllt er unsere Köpfe mit Tipps und Ideen – aber alles zurückhaltend und höflich – ganz das Gegenteil, was wir bis anhin gewohnt sind.

Da wir noch einen Franzosen kennen gelernt haben, der mit humanitärem Material nach Burkina Faso reist, wäre die Möglichkeit da gewesen, mit ihm an die Grenze zu fahren. Aber er hat viel zu wenig Platz, so entscheiden wir uns für Ababa.

Staub

Am Montag ist es dann soweit. Wie versprochen steht Ababa da, mit von der Partie sind noch ein Senegalese, der nach Hause fährt und ein Marokkaner. Die Strasse ist einfach nur gerade, links und rechts die gleiche, staubige Landschaft. Es ist heiss und wir müssen uns ein bisschen beeilen, denn die Grenze ist nur bis 18 Uhr offen.

Achtung Kamel

Ababa fährt konstant in der Mitte der Strasse, auf dem Mittelstrich. Plötzlich, alle in der Mittagshitze vor uns her dösend, befinden wir uns stark links der Fahrbahn. Ababa korrigiert und wir sind wieder in der Mitte. «Ich bin ehrlich zu Euch, ich bin kurz eingenickt» sagt er. Ob ich das so genau wissen wollte ist fraglich. Das interessante ist, dass er vor der Abfahrt stolz erklärt wieso es besser sei mit einem erfahrenen und älteren Mann zu reisen. Der Sicherheit wegen. 🙂

Irgendwo im Niemandsland auf der nicht endend wollenden Strecke steigt verbrannter Gummigeruch ins Auto. Ein sehr platter Reifen. Der Pneu ist weggeschmolzen, wir fahren auf den Felgen. Gepäck alles aus dem Kofferraum, Reservereifen raus und montieren. Wir haben immer weniger Zeit.

Panne

An der Grenze geht es rund zu und her. Die Marokkanische mit netter Durchfahrt und Häuschen. Wir erledigen den Papierkram. Es dauert und dauert. Der Zeiger ist nicht mehr weit von 18 Uhr entfernt. Niemand will an der Grenze schlafen. Um 18.10 Uhr können wir durch.

Ab hier beginnen die Landminen. Landminen die schön Verstreut links und rechts der Fahrbahn liegen. Niemandsland. Es wird bald dunkel, Ababa nimmt die löchrige und steinige Piste mit seinem alten Mercedes. Ob er den Weg auch wirklich kenne, fragen wir alle. «Ja ja, man muss nur der Spur folgen, es ist erst meine zweite Reise, aber ich habe vorher noch ein Gebet gesprochen, also «Inshallah»… Soviel zur Erfahrenheit. Es geht alles gut. Wir lassen die im Winde zappelnden Plastiksäcke hinter uns.

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Die mauretanischen Grenzbeamten sind sehr freundlich, wir werden herzlich begrüsst, es wird noch kurz geplaudert. Der Rest des Weges legen wir in der Dunkelheit zurück. Ich weiss nicht an wie vielen Polizeikontrollen wir vorbeifahren mussten. Aber es waren viele.

Um 20 Uhr sind wir in Nouadhibou. Wir sehen absolut nichts von der Stadt und legen uns nur noch bei einem Freund Ababas in die «Auberge» ins Bett.

Die Fortsetzung kommt bald…

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