1154 Tage Afrika Mali Mauretanien

C’est l’Afrique!

›› Bamako, Mali
Die Reise nach Mali beginnt an einem Samstag. Das Gepäck ist im Auto verstaut, es kann los gehen. Die Vorstellung per Bus in mehreren Etappen nach Bamako zu fahren, liess uns nicht gerade auf den Tischen tanzen. Aber mit «Let’s twist again», das stimmungsvoll aus den Lautsprechern über uns rieselt, ist die Fahrt im Auto aus dem morgendlichen Nouakchott, mehr als unterhaltsam. Bis man aus der Stadt ist, fährt man an einigen Märkten, Menschenansammlungen, Rotlichtern, Strassenständen und Abzweigungen vorbei. Ausserhalb der Stadt schmücken schwungvolle Sanddünen, die links und rechts der Fahrbahn in den verschiedensten orangetönen auftauchen, die Gegend. Sie vermischen sich mit dem helleren Sand zu Mustern eines Marmorkuchens. Ausser den vielen grossen, grünen Mercedes-Lastwagen, sind nicht viele Autos auf der Landstrasse unterwegs.
Die Strasse der Hoffnung, wie diese Strecke heisst, ist zugleich auch Strasse der Kadaver. Tote Kühe, Esel uns sonst zerquetschtes Getier liegen schön verteilt am Strassenrand.

Die Strassenkontrollen tauchen bald häufiger auf, als die Dünen. Wir kommen mit dem verteilen der «Fiches» kaum nach. Darauf steht grob gesehen dasselbe, was auch im Pass zu finden ist. Aber die Herren «Gendarme» und die «Police» möchten Details wissen. Ab und zu wollen sie auch ein «Cadeau», ein Geschenk. Sie geben sich mit unseren Bonbons zufrieden.
Nach fast 600 Kilometern, kurz vor Kiffa, taucht eine Auberge auf, wo wir uns in einem «Khaima» günstig aufs Ohr legen können. Davor zaubert Edgard, der voller guter Ressourcen ist, ein Sauerkraut aus der Büchse hervor, das friedlich auf dem kleinen Gaskocher vor sich her köchelt. Man stelle sich das vor: ein Sauerkraut in Mauretanien! 😉

Nach Kiffa wird die Landschaft wirklich schön. Gebirgszüge, die sich durch die Landschaft schlängeln, bizarre Steinformationen, die Sanddünen weichen gelbem Gras, welches immer grüner und zu Büschen und Bäumen wird. Es sind gut 400 Kilometer bis zur Grenze, gut möglich, dass wir das heute noch schaffen.
Die Strasse ist zwar asphaltiert, braucht aber trotzdem höchste Konzentration, um den vielen Schlaglöchern auszuweichen. Nicht zu vergessen, die Kühe, welche zu gemütlich die Strasse passieren wollen. Dafür ist diese Zone eine der abwechslungsreichsten, seit wir diesen Kontinenten betreten haben. Saftiges Gras, hübsch angelegte Gemüsegärten, Mangobäume und die ersten Baobabs tauchen auf. Bei ‚Ayûn el ‚Atroûs wird abgebogen, ab in den Süden. Im Auto heisst es nur noch «Bamakoooooo»!

Scheinbar aus dem Nichts taucht ein Grenzposten auf. Nach den sicher 20 Fiche-Abgaben seit der Abfahrt, fällt das Häuschen kaum mehr auf. Aussteigen. Ein imposanter, schwarzer Beamter begrüsst uns nicht einmal, er sagt nur: «Ab jetzt habt ihr Euren Frieden». Begleitet von einem sehr breiten Grinsen. Er schaut in unsere Pässe und fragt, wie wir es so lange «bei denen» (Mauretanien) ausgehalten haben. Das Grinsen wird grenzenlos, wir werden herzlich willkommen geheissen.

Drei Meter weiter ist aber der eigentliche Grenzposten. Obwohl der Polizist vorher den Einreisestempel schon in den Pass gedrückt hat. Wir fahren etwas zu weit über das Stoppzeichen, was den Herrn Grenzbeamter leicht aus der Fassung bringt. Da bringt auch eine Entschuldigung nichts. Zur Strafe lässt er uns in der Sonne stehen. Was den JC ein wenig aus der Fassung bringt. Aber Edgard ist ein erfahrener Westafrika Reisender. Er weiss wie man in solchen Situationen handelt. Nein, keine Geschenke, einfach viel, viel Reden, somit gibt es keine Busse, wie angedroht wurde.
Endlich geht es weiter, wir sind offiziell in Mali. Aber unser Tag ist noch nicht zu Ende. Wir sind alle müde und ausgelaugt. Nioro, die eigentliche Grenzstadt, etwa 50 Kilometer vom Grenzposten entfernt muss noch hinter uns gebracht werden. Das mühsame Gerede an der Grenze kostete uns viel Zeit, es dunkelt bald ein.
In Nioro muss man für das Auto beim Zoll eine Art Passagierschein ausfüllen. Um uns diesen Tag nicht allzu angenehm zu machen, bekommen wir so einen richtig korrupten Beamten vorgesetzt. Er antwortet auf die Frage, was der Fackel koste nur mit: «Was willst Du bezahlen?» So kommen wir natürlich nicht weiter. Die Rederei dauert Ewigkeiten und raubt auch die letzte Energie. Auch wenn man bei solchen Spielchen nicht mitmachen will, endet man schlussendlich als Verlierer. Der letzte Gang geht zur Polizei. Anmelden und ins Buch eintragen. Wir fragen, den freundlichen Polizisten, ob wir bei ihnen im Hof übernachten dürften.
So landen wir hinter dem Polizeigebäude. Wir denken schon, es beinahe geschafft zu haben und wünschten uns ein Bier. Das kommt nicht, dafür ein Mann, der findet, dass wir etwas zu nahe am Friedhof campen, es sei gerade heute jemand begraben worden.
Umziehen, hundert Meter weiter weg auf einen Busparkplatz. Uns ist inzwischen alles egal, hauptsache man lässt uns in Ruhe. Im schummrig-orangen Licht einer Strassenlaterne bruzzelt das Essen auf dem Gaskocher, welches wir im Dasein eines grossen Busses zu uns nehmen.
Als Bett muss heute für uns beide der Kofferraum her. Im Kombi finden wir genügend Platz, dafür kaum Schlaf, surren uns die Moskitos nur so um die Köpfe. Edgard geht es nicht besser, seine Luftmatratze hat ein Loch. Passt aber alles wunderbar zu diesem Tag.

Bei Sonnenaufgang sind wir alle nach einer Tasse Kaffee abfahrbereit. Niemand verbrachte eine wunderbare Nacht, aber wir sind gut aufgelegt und wollen den Rest Richtung Bamako in Angriff nehmen.
Nicht ganz 200 Kilometer vor Bamako, halten wir bei einer Familie, die Edgard kennt, denen er Kleider und Geschenke mitbringt. Wir werden herzlich begrüsst, nehmen Platz und plaudern. Das Leben in Mali spielt sich hauptsächlich draussen ab. In einem Raum (mit nur zwei luftigen Wänden) wird gekocht, gegessen und geschwatzt. Hühner spazieren herum und stibitzen die Reste der Wassermelone, die wir serviert bekommen haben. Alles ist sehr ungezwungen. Die Mutter stillt das stets hungrige Neugeborene und bindet es wieder eng um ihren Rücken, während sie sich wieder an die Wäsche macht. Es ist spannend all das Neue zu registrieren, von der Gastfreundschaft der Malier und ihrer Fröhlichkeit zu kosten.
Es ist nicht mehr weit in die Hauptstadt. Die kleinen Dörfer, die wir passieren sind voller Leben. Entweder ist Markt und der Strassenrand voll Früchte und Gemüse (eine wohltat nach Mauretanien) oder man fährt gerade an malerischen Lehmhäuschen vorbei, wo die Frauen voll Energie mit einem riesigen Mörser Dinge in einem Holzzuber zerstampfen.

Bamako hat etwa 1,7 Millionen Einwohnern und vielleicht noch mehr «Mobylettes» (Mopeds).
Ist man erst mal im Strassengewirr, eingeklemmt zwischen Taxis, grünen Bussen und den Mopeds ist man so richtig im Grossstadtleben drin. Es hängt stets ein leichter Abgasnebel in der Luft, es ist heiss und recht hektisch. Die Auberge, wo wir hin wollen ist auf der anderen Seite des Flusses Niger und eine regelrechte Oase.

Verkehr

Die Eindrücke der letzten Tage sind enorm. Auch ein Grund, warum das Blogschreiben in letzter Zeit ein bisschen hinter her hinkt. Hier fühlen wir uns wirklich in Afrika. Es lebt und vibriert in den Strassen, die Leute haben ein ansteckendes Lachen, sind freundlich und vor allem immer für einen Scherz aufgelegt. Nicht zu vergessen das Reden. Reden ist Nationalsport. Begrüssungen sind in Mali sehr wichtig und werden grosszügig in die Länge gezogen. «Hallo, wie geht es Dir, gehts Dir gut? Und die Familie? Die Gesundheit? Und? Wie geht’s?…» Man sollte nie jemanden ohne Begrüssung nach dem Weg fragen. Sich Zeit nehmen, bisschen erzählen, fragen wies der Familie geht – dann die Frage stellen. 😉

Die ersten paar Tage erholen wir uns erstmal von der Reise. Es tut gut hier zu sein, einen ruhigen Ort zu haben und einfach die Seele baumeln zu lassen. Wir brauchen diese Zeit um uns an alles zu gewöhnen und zu lernen, wie das Leben hier so verläuft.
Von Edgard lernen wir noch diverse Raffinessen des afrikanischen Lebens 😉 und verbringen zusammen die letzten gemeinsamen Tage in Bamako, bevor er spontan sein Auto verkauft und nach Hause zurück fliegt.
Es fahren viele Europäer nach Westafrika, um ihr altes Auto zu verhökern. Bei den meisten geht es rasch und ohne grosse Komplikationen. Aber es gibt auch andere. Es ist sicherlich eine gute Möglichkeit, günstig(er) hier herunter zu reisen und an Orte zu gelangen, wo der Bus nicht hinfährt.

Am Strassenrand

In unserem Quartier Badalabougou ist es sehr gemütlich, ganz im Gegenteil zur Innenstadt. Kaum ist man aus der Auberge draussen, steht man fast in einem afrikanischen Dorf. Die Nebenstrassen sind aus Sand oder Erde, man hält sich auch hier eher ausserhalb des Hauses auf. Wenn jemand einen Fernseher hat, wird der auf die Strasse gestellt. So schauen gut dreissig Leute die abendliche, schlecht übersetzte Seifenopfer. An den vielen kleinen Strassenständen, oder «Buvette», kann man auf Hockern, die in der Strasse stehen die lokalen Köstlichkeiten probieren. Man isst in Afrika sehr gut. Hauptsächlich Reis, der in geschmackvollen Saucen schwimmt, mit Fleisch. Zartestes, mariniertes Fleisch, die als Spiesschen nur so auf der Zunge vergehen. Die ersten Tage kommen wir uns sehr «auffallend» vor. Der erste Spaziergang auf dem lokalen Markt ist gewöhnungsbedürftig. Es fühlt sich in etwa so an, als sei man ein lila Schwein mit grünen Punkten. Mit Blinklicht wohl verstanden.

Bamako: Markt

Man muss sich auch an die Kinder gewöhnen, die es sehr belustigend finden, wenn der «Toubabou», wie Weisse in Bambara, der lokalen Sprache heissen, isst und sie einem staunend zuschauen. Es sind die vielen, kleinen Details, die einem jeden Tag daran erinnern, dass man nun wirklich in Afrika ist. Wir haben mühe den Fotoapparat zu zücken, kommt es uns im Moment noch unverschämt vor, die Strassen (und vorallem Leute) zu fotografieren. Aber man gewöhnt sich an alles. Mit den Einheimischen in Kontakt zu kommen ist überhaupt kein Problem, das Leben verläuft sehr locker ab. All das muss einem zuerst richtig bewusst werden, damit man selber auch lockerer und entspannter wird, um das lokale Leben zu geniessen. Aber wir fühlen uns sehr wohl.

Wie der Rest der Mali-Reise verläuft, erfahrt ihr das nächste Mal…

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