1154 Tage Afrika Burkina Faso

Burkina … wie bitte?

›› Bobo-Dioulasso, Burkina Faso
«Burkina Faso? Das muss ich doch gleich mal googeln», heisst es oft in E-Mails von Euch. Um ehrlich zu sein, wussten wir bevor wir den Fuss auf diesen Kontinenten setzten, auch nicht wirklich, wo sich Burkina Faso genau befinden soll.
 Das relativ kleine Land liegt im Herzen Westafrikas und hat etwa 12 Millionen Einwohner. Offizielle Sprache ist Französisch, wobei mit fast 60 verschiedenen Ethnien beinahe ebenso viele lokale Sprachen gesprochen werden.
Früher hiess das Land Obervolta (Haute Volta) und wurde 1984 vom Präsidenten Thomas Sankara in Burkina Faso umgetauft.

Landschaft mit Baobab

Was soviel heisst wie «das Land der aufrichtigen Menschen» (Le pays des Hommes intègre). Thomas Sankara ist eine faszinierende Persönlichkeit und wird auch gerne als der «Che Guevara Afrikas» betitelt. Bei Wikipedia findet man ein bisschen etwas immer mehr über Thomas Sankara – lest mal nach.

Schon in Mauretanien hören wir von Reisenden alles mögliche über Burkina Faso – stets Positives. Da wird man schon neugierig, warum denn alle so begeistert sind.

Burkina Faso ist eines der ärmsten Länder, es hat kaum touristische Attraktionen, ganz zu schweigen von einem «Eifelturm» der vielleicht tausende Anziehen würde. Was ist es also?
Ganz einfach: die Menschen. Die Leute sind von einer Herzlichkeit und Freundlichkeit, die wir selten gesehen haben. Ein Lächeln gehört bei jedem zur Grundausstattung, die Menschen sind locker drauf, stets bereit für einen Scherz, man lacht einfach gerne hier. Und das Lachen ist ehrlich. 
Und das mit den aufrichtigen Menschen ist zwar sehr hochgegriffen, aber es sind sicherlich die aufrichtigsten, die wir in Afrika getroffen haben (natürlich gibt es Ausnahmen 😉 )
Wir haben hier viel weniger das Gefühl, dass man hintergangen wird als Weisser, hier spielt die Hautfarbe weniger eine Rolle als anderswo.
Und da dieses Land den Touristen kaum was zu zeigen hat, spielt sich das Leben eben in den Strassen und in den «Maquis» (eine Art Bar, wo es oft etwas zu Essen gibt) ab. Und was man nicht vergessen darf: die Musik. Musik wird hier überall live gespielt. Nicht mal in Mali haben wir das so intensiv erlebt.

Kinder von Bobo

Aber nun eins nach dem anderen …

Nach unserer 1000-Tage-Feier brummt uns zwar ein bisschen der Kopf, wir wechseln trotzdem unser Hotel. Zu viert, mit Erwann und François, mit denen wir von Bamako gekommen sind, ziehen wir ins Quartier Kounima, im Süden von Bobo-Dioulasso, in eine sehr sympathische «Auberge». In diesem Quartier fühlen wir uns wohl. Kleine Tante-Emma-Läden an jedem Eck, «Maquis» und «Cabarets». Ein «Cabaret» ist ein Ort, wo lokales Hirsebier gebraut wird, hier «Chapalo» genannt. Auf einem grossen Feuer in Tontöpfen köchelt das Getränk vor sich her. Frisch ist «Chapalo» kaum gegärt, also wird es auch zum Frühstück aus einer Kalebasse getrunken. Abends ist der Alkoholgehalt dann höher, sehr zur Freude der Konsumenten 😉
«Chapalo» ist nicht schlecht, nur relativ schwer verdaulich. Kommt dazu dass man es warm trinkt …
Oft wird Livemusik in den «Cabarets» gespielt. Und in einem solcher «Cabarets» kommt es dass wir Matthieu kennen lernen.
Matthieu ist Musiker, spielt vor allem «Doum-Doum» (eine Art Trommel, die mit einem Stock gespielt wird), aber auch Djembe, Balafon (Holzxylofon) und noch vieles mehr. Er wohnt nicht weit von unserer Auberge entfernt. Zu diesem Zeitpunkt wissen wir noch nicht, dass wir ein eingeschweisstes Team und Freunde werden und uns täglich sehen.

Einen Tag vor Silvester werden wir zu ihm nach Hause eingeladen, wo es Tô mit Baumwollsauce zu essen gibt, welches seine grosse Schwester vorbereitet hat. Es ist ein Festtagsschmaus. Tô ist eine Masse aus Mais, von der Konsistenz her wie Polenta, nur mit viel weniger Geschmack, eigentlich gar keinem.

Bei Matthieu zu Hause: er sitzt vorne am Boden

Baumwollsauce ist etwas Spezielles. Das Gericht kommt gleich auf meine Lieblingsessen-Liste. Die Samen der Baumwolle werden zu Mehl verarbeitet und in einem langen Prozedere zu einem Teig verarbeitet, wovon man dann Bällchen macht, die in der (Fleisch)Sauce kochen.
Die Kügelchen sind dann von der Sauce vollgesaugt und ein bisschen flauschig, wenn man hinein beisst – herrlich. Eine Explosion der Geschmackssinne.

Es ist bald Silvester. In der Auberge sind wir vier allein, weil sie eigentlich über die Feiertage zu hat. Aber wir dürfen ausnahmsweise die Küche für unser Fest benutzen. Das lassen wir uns nicht zweimal sagen. Erwann ist Koch und wir freuen uns alle wiedermal etwas europäisches essen zu können.
Unsere Wunschliste ist enorm und jedes erdenkliche Essen kommt uns in den Sinn – doch das Meiste ist hier gar nicht erhältlich ;-).

Am 31. Dezember wird auf dem Markt, im Zentrum Bobo’s, eingekauft. Obwohl die Verkäufer in Bobo sonst relativ friedlich sind, kann man das vom Zentralmarkt nicht behaupten. Um uns herum herrscht nur Chaos und Hektik, von oben brennt die Sonne auf unsere Köpfe, jeder will noch ein Geschäft machen vor Jahresschluss, kauft man etwas ist man stets von unzählbaren Verkäufern umzingelt, die einem auch noch dies und das unter die Nase halten. Der arme Toubabou (wir) kennt die Preise ja eh nicht.
Aber wir halten uns wacker, lassen uns von unserem Plan nicht abhalten. Ein guter Plan: Salat, Kartoffelgratin, Bohnen, einen Braten und Dessert. Anständig erledigen wir unsere Einkäufe, schlängeln uns zwischen den Leuten hindurch, weichen labbrigen Wasserlachen aus und landen vollbepackt und erschöpft, den Eierkarton auf Händen balancierend, in einem Taxi.

Erwann und ich fungieren in der Küche herum, was super klappt. Auf den Tischen landet schliesslich ein recht anständiges Essen, welches 11 Leute ziemlich glücklich macht. Es kommen ein paar Reisende dazu, der Nachtwächter, Odile, die hier arbeitet und da wohnt und natürlich Matthieu. Alles an einem grossen Tisch, ein geglücktes Silvester-Essen.

Kurz vor Mitternacht herrsch ein riesiges Chaos in der Küche und auf den Tischen. Eigentlich wollen wir noch in die Stadt um zu feiern.
Dann heisst es, dass Odile aufräumen wird. Ähm … das geht doch nicht, schliesslich haben wir alles versaut.
Aber die Regel will es hier so. Die jüngeren respektieren die älteren und gehorchen. Ohne Diskussion. Die Aufgaben entsprechen natürlich dem Alter. Matthieu erklärt wie es hier läuft, man respektiert es und lernt viel dabei. Schlechtes Gewissen kommt trotzdem auf.
Wir mischen uns ins Getümmel auf der grossen Piste beim Wasserturm. Niemand hat eine Uhr an. Niemand weiss, wann Mitternacht ist ;-). Aber man braucht keine Zeitangaben. Knaller explodieren am Boden, Leute johlen und schreien: «Bonne Année!» – jetzt ist es wohl soweit! Ein Händedurcheinander, jeder beglückwünscht jeden. Es ist immer angenehm mit anderen Kulturen und in anderen Ländern Silvester zu feiern. Es ist stets verschieden. Und doch hoffen alle gleich, dass im neuen Jahr alles besser wird 😉
Irgendwann landen wir sogar noch in einer Disco mit … naja, nennen wir es Musik.
«Coupé-Décalé» oder Céline Dion dazu einen Roboter-mit-fast-leeren-Batterien-Tanzstil.
Es ist sehr amüsant und lustig. 2010 beginnt gut und fröhlich.

Nach nur ein paar Tagen sind auch wir hin und weg von dem Land. Bis anhin vor allem von Bobo.

Kinder wollen aufs Foto

Die sehr langsamen Internetleitungen hier unten, bremsen den ganzen Blog aus. Ich werde nun kürzere (aber hoffentlich öfter) Texte aufladen. So müssen nicht jedesmal 30 Fotos hochgeladen werden. Bis bald wieder!

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