1154 Tage Peru Südamerika

Ausverkauf der Sehenswürdigkeiten

Die Ankunft in Cusco enttäuscht uns nicht. Es hat tatsächlich mehr Touristen als Peruaner in den Strassen. Cusco, die alte Hauptstadt der Inkas und heutige Tourismushochburg Südamerikas ist voll mit Touroperatoren, Hotels, Restaurants, Souvenirshops, Pubs, Geldwechselstuben und was das Touristenherz sonst noch so begehrt.

Der grosse Plaza de Armas


Cusco

Wir ahnten ja eigentlich was uns hier erwartet, aber trotzdem stehen wir anfänglich mit offenem Mund da. Die Hotelsuche erweist sich auch nicht als sehr einfach. Während Stunden klappern wir die Hotels ab, die entweder ausgebucht, vorreserviert oder viel zu teuer für unser Budget sind. Was für ein guter Anfang.
Voll bepackt lernen wir zwei Touristen kennen, die uns die Hoffnungslosigkeit wohl ansehen. Wie die meisten im Süden Perus sind auch sie für drei Wochen hier und meinen sie hätten «Glück» gehabt, weil sie «nur» 60$ pro Zimmer bezahlen. «Wie macht ihr denn das, um so lange zu reisen?» fragen sie uns. Erstmal bezahlen wir nicht 60$ pro Zimmer, für diese Menge Geld leben wir hier gut zu zweit während zwei Tagen. (uhhh… ich höre schon die Hirnmassen rotieren, so etwas interessiert Euch… 😉 )


Kurz vor Nervenzusammenbruch laufen wir an einer Pension vorbei, welche von netten Einheimischen geführt und total in unserem Budget liegt. Perfekt. Wir dachten schon, wir müssten so schnell wie möglich aus Cusco fliehen…

Kaum ein paar Stunden in unserem Zimmer können wir wieder einmal einen Besuch im Spital machen. Ich rutsche in der Dusche aus, und schlage mir dermassen den Fuss an, dass ich nur noch Sternchen sehe. Ich habe Glück im Unglück: ein Lavabo neben mir, eine Stufe am Rücken… aber es geht glatt, nur der Fuss leidet.
Nichts gebrochen, aber mit draufstehen ist nichts. Ist ja wunderbar und ausgerechnet hier, wo wir doch den Machu Picchu erklimmen wollen…

Die bekannten grossen Steine der Inkas, in den Strassen Cuscos


Schöne Häuser...

So verbringen wir ein paar Tage nichts tuend, wartend – sehr spannend. Nach ein paar Tagen kann ich endlich wieder ein paar Schritte machen, bin aber derart langsam, dass ich gefundenes Fressen bin für all die Massage-, Maniküre- und Touranbieter. Es ist schrecklich. In Cusco (also auf alle Fälle im Juli) kann man keine zwei Meter gehen, ohne dass man nicht einen Flyer oder ähnliches entgegengestreckt bekommt.

Wir stellten uns Cusco und das «Valle Sagrada» ein bisschen anders vor. Ganz klar, Besucher hat es in Cusco immer, das wäre auch nicht so schlimm. Aber wir hatten vor uns in einem der kleinen Dörfer im heiligen Tal nieder zu lassen und von dort Tagestouren zu unternehmen. Nur ist das leider nicht so einfach. Die vielen, kleinen Ruinen kann man nicht einzeln besuchen, man muss sich das teuere «Boleto Turistico» kaufen, oder die kleinere Version davon. Nur sind da leider nicht die Ruinen dabei, die wir sehen wollen. Heisst, alles kaufen oder nichts.
Dann so einfach herumwandern ist auch nicht. Obwohl die meisten Wege nichts mit dem berühmten «Inka Trail» zu tun haben, muss man bezahlen. Hier ist die Devise: immer wieder die Geldbörse zücken.

An einem Montag geht es aber los: Machu Picchu wir kommen. Da wir erstens Zeit haben und uns den Zug von Cusco nach Machu Picchu sparen wollen, fahren wir morgens per Bus nach Santa Theresa.
Da wir es uns gewohnt sind, dass es in diesen Höhen Nachts doch eher kühl ist, nehmen wir genug warme Sachen mit. Aber wir liegen total falsch: wir werden von Bananenstauden, Kaffee- und Teeplantagen, Papayas, Avocados und vielem anderem Grünzeug begrüsst. Eine komplett andere Kulisse, als wir sonst von Peru kennen. Wir sind im Dschungel und es ist wirklich sehr warm.

Auf dem Weg nach Santa Theresa haben wir wieder einmal eine Panne. Ein Hinterreifen platzt. Kein Problem, der Chauffeur wechselt das Rad rasch.

Auf dem Weg nach Santa Theresa...


... wieder einmal eine Panne: abgeschliffenes Profil

Es kann weiter gehen. Bis ins nächste Dorf. Da halten wir beim «Pneuflicker», welcher das total abgeschliffene Profil ignoriert (was die Ursache der Panne war) und frisch und froh ein Stück Gummi aus einem anderen Pneu zwischen Luftkammer und Pneu einlegt. Warum auch nicht…

In Santa Theresa müssen wir umsteigen, um zu unserem Etappenziel Santa Maria zu kommen. Wir warten lange, aber glücklicherweise erwischen wir einen Taxifahrer der seine letzte Runde fährt und uns mitnimmt.

Am nächsten morgen sehr früh stehen wir wieder bei den Minibussen, um zur «Hydroelectrica» (Wasserkraftwerk) zu fahren. Von hier geht’s zu Fuss weiter. Eine Zuglinie fährt von hier nach Aguas Calientes (Machu Picchu Dorf), welche aber hauptsächlich von Einheimischen benutzt wird. Wir wandern den Schienen entlang bis in dieses Städtchen.

Auf nach Aguas Calientes: der grosse Indianerhäuptling horcht, ob der Zug wohl kommt?


Von der Hydroelectrica nach Aguas Calientes den Schienen entlang.

Die Wanderung ist wunderschön, überall üppiges Grün, Papageien die über unsere Köpfe kreisen und einen riesigen Krach veranstalten – Natur pur. Viel zu schade sich in ein Zugabteil einzuschliessen.

Ich erspare Euch die Beschreibung von Aguas Calientes, es ist ein Cusco in konzentrierter Version. In Cusco findet man wenigsten noch schöne Architektur und nette Gässchen, was man hier nicht behaupten kann. Und wenn Machu Picchu nicht existieren würde, gäbe es auch Aguas Calientes nicht. Egal, wir gehen früh schlafen, weil es morgen in aller Herrgottsfrühe zum Machu Picchu geht.

Es ist 3.30 Uhr morgens, stockdunkel. Mit Taschenlampe bewaffnet machen wir uns auf den Weg. Es fahren auch Busse von hier zum Machu Picchu hinauf. Aber irgendwie muss man sich doch die grosse Inka-Stätte verdienen. Nun heisst es Herz- Kreislauftraining früh morgens. Unmengen an Stufen, um die Serpentinenstrasse zu umgehen. Während eineinhalb Stunden schleppen wir uns die Steintreppen hoch. Ihr denkt nun wir seien alleine? Logischerweise nicht. Wir werden von anderen Stirnlampen verfolgt. Schon hier beginnt der Wettbewerb, wer wohl zuerst am Machu Picchu ist.

Oben am Eingang warten auch schon Leute. Schliesslich gibt es ein Hotel gleich neben dem Machu Picchu. Alle wollen die ersten sein. Eine halbe Stunde vor Türöffnung sind wir schon eine Menge Besucher. Kurz vor Türöffnung kommen auch noch die ersten Busse, noch mehr Touristen. Als der Eingang freigegeben wird könnte man meinen es gehe um Leben und Tod: die Leute drängeln, schupsen, rennen. Stimmt, man hört ja immer wieder davon, dass der Machu Picchu plötzlich den Standort ändert…

Wir nehmen es in dieser Hektik so gemütlich wie es geht. Die ersten hundert Leute spurten zum Wayna Picchu, dem bekannten Berg, den man auf jedem Foto im Hintergrund sieht. Sie lassen nämlich nur 400 Leute pro Tag dort hinauf.
Wir kraxeln dort nicht rauf, weil wir für den nächsten Tag noch etwas vor haben.

Ich muss zugeben, wenn man von den Menschenmassen, dem Geschupse, dem Preis, Aguas Calientes und all dem Zirkus drum herum absieht, und mal endlich selber vor dem berühmten Postkartenbild steht ist es einfach nur noch: W-O-W !!!

Die obligate Postkartenversion des Machu Picchu

Trotz den tausend Fotos, die man schon gesehen hat, bekommt man ein bisschen Hühnerhaut, wenn man endlich selber davor steht. Die Umgebung ist einfach umwerfend. Machu Picchu inmitten grüner Berge, die Inkas haben sich wirklich nicht den hässlichsten Ort ausgesucht.
Es ist alles sehr gut konserviert, weil nichts von den Spaniern zerstört wurde – der Ort wurde nicht einmal fertig gebaut. Die Inkas haben die Stätte aus unbekannten Gründen vorher verlassen.

Wissenschaftler meinen, dass nicht mehr als 600 Leute in der Stadt gewohnt haben können. Es war auch nicht ein Ort für gewöhnliche Leute, es hausten hier nur die Adeligen und ihre Diener. Mehr als die Hälfte des Ortes sind landwirtschaftliche Terrassen, welche den Hügel hinunterwachsen.

Überall Terrassen

Manu geniesst die Aussicht

Wenn man wie wir sehr früh anwesend ist, hat man vielleicht für eine halbe Stunde ein bisschen «Ruhe» und kann die Magie des Ortes geniessen. Danach trudeln Gruppen mit Guides und deren Fähnchen ein und wenn man ganz oben sitzt und den Ort beobachtet, meint man tausende Ameisen krabbeln über die Steine.

Guide mit Fahne


Viiiele Menschen

Die UNESCO warnte Peru schon mehrere Male davor, nicht mehr als 500 Besucher pro Tag zu erlauben, denn die ganze Anlage rutscht tatsächlich 6 cm pro Jahr Richtung Tal! Das ist enorm viel. Nur leider sind es 3000 Touristen pro Tag, die eingelassen werden…

Das ist noch nicht alles. Obschon der Ort wirklich sehr schön ist, die Landschaft atemberaubend und die Mystik nicht zu unterschätzen ist, gibt es auch noch eine dunkle Seite des Machu Picchu…

Beginnen wir mit dem Zug. Die Strecke Cusco–Aguas Calientes dauert 90 Minuten und kostet eine Stange Geld, welches nicht einmal in die Taschen der Peruaner fliesst, denn der Zug gehört der englischen Firma «Orient Express», die selber einem amerikanischen Konzern angehört. Die Privatisation löste viel Proteste und Streiks aus, was dazu führte, dass die Engländer die Strecke den an der Zuglinie und in Aguas Calientes lebenden zu einem Spottpreis anbieten, so dass niemand mehr etwas zu reklamieren hat. Aber den Machu Picchu selber, dürfen sie nicht besuchen. Schön, wenn man von Ausländern gesagt bekommt, dass man nicht einmal sein eigenes Kulturerbe ansehen kann…
Ist ja so, als ob man in Europa die Kirchen nur den Touristen zugänglich machen würde…

In Guatemala zum Beispiel gibt es ein Gesetz, das besagt, dass alle Einheimische die heiligen Stätten gratis besuchen dürfen, um ihre Zeremonien ausüben zu können, was von diesen auch rege genutzt wird. Völlig normal…

Die Busse, die halbstündlich zum Machu Picchu hinauffahren, gehören auch dem «Orient Express», wie auch das chice Hotel, gleich neben dem Eingang.

Jetzt genügt es anscheinend nicht, dass der Machu Picchu bald unten im Tal liegt, denn der Ex-Präsident Perus hat den Machu Picchu zum Verkauf ausgeschrieben. Wer bietet mehr? «Orient Express» hat die Nase vorne… (Ist aber beim jetzigen Präsidenten ein Tabuthema).

Nun ist schrecklicherweise auch noch ein anders Projekt in Diskussion: eine Seilbahn! Den Helikopterlandeplatz, den die Chilenen damals für reiche Touris «gebaut» und vermarktet haben, sprich der heiligste Teil der ganzen Stätte einfach «abrasiert» wurde, haben die Peruaner aber inzwischen verboten.

Ihr glaubt das alle nicht? Müsst ihr aber leider. Wir wussten auch nicht alles, bevor wir dort oben waren. Man erfährt Teile davon, informiert sich und aus den Einheimischen sprudelt es auch plötzlich, wenn man sie darauf anspricht…
Das alles hinterlässt einen bitteren Geschmack und lässt einen doch ein bisschen nachdenklich werden…

Unser Tag oben am Machu Picchu ist trotzdem sehr schön, vor allem, da ich nun endlich, endlich weiss, was HINTER dem berühmten Postkartenfoto ist nämlich das hier: 😉

DAS ist hinter dem bekannten Foto: das Häuschen des Wächters


Da wir noch nicht genug Muskelkater haben und noch mehr Stufen erklimmen wollen, haben wir uns am nächsten Tag noch den Berg Putukusi vorgenommen.

Links Wayna Picchu, rechts der Berg Putukusi (auf dieser Bergspitze waren wir)

Der Putukusi (rechts im Bild mit runder Bergspitze) ist nicht so eine Berühmtheit wie der Wayna Picchu, aber bietet eine unglaubliche Aussicht auf den ganzen Machu Picchu.
Zuerst wieder grosse, aus dem Fels gehauene Stufen, danach steile Holzleitern, die fast vertikal den Berg hinauf zeigen. Anfänglich ist man noch im Schatten, danach ist man froh, dass man früh losgezogen ist.

Die steilen Holzleitern rauf zur Bergspitze des Putukusi

Währen des ganzen Aufstiegst erhascht man keinen einzigen Blick auf das eigentliche Ziel. Erst gut anderthalb Stunden und viele Flüche später sieht man ihn:

Machu Picchu vom Putukusi aus.

Machu Picchu (in der Mitte des Bildes) in voller Grösse, wir ganz klein auf einer Bergspitze, umringt von Dschungel und Bergen, auf den Sonnenaufgang wartend. Diesmal sind wir wirklich ganz allein. Das Lichtspektakel, die Umgebung, einfach hier zu sein ist %/=“+°§*!!@ç/*!!!!

... haaaapppyyyy ;-)

Ich will nicht sagen, dass es von hier aus fast schöner ist, aber viel fehlt nicht. Wir sind schlicht und einfach sprachlos.
Beim Abstieg treffen wir noch auf einen Weggefährten: eine Korallenschlange, da die so viel wir wissen, ziemlich giftig sind, warten wir respektvoll, bis sie meint uns den Weg wieder frei zu geben. Danach folgen wieder die Schienen zurück zur «Hydroelectrica».

Durch einen netten Tipp von Einheimischen fahren wir nicht nach Santa Maria zurück, sondern gleich ganz zur Endstation nach Quillabamba, um dort einen Nachtbus nach Cusco zu erwischen. Wir tun gut daran, dem Tipp zu folgen, denn die Touris, die wir vom Bus aus in Santa Maria sehen, stehen auch noch bei unserer nächtlichen Vorbeifahrt dort und warten…

Wir beenden unseren Besuch in Cusco und dessen Kulturstätte wartend auf einen weiteren Nachtbus nach Arequipa.

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