1154 Tage Guatemala Zentralamerika

Affen, Tukane, Schlamm und Muskelkater

>> El Perú, Guatemala
Wir sind bereit drei Tage in der Wildnis des Peten zu verbringen. Der Peten ist die grösste Region Guatemalas und der Dschungel, welcher sich bis nach Mexiko erstreckt ist die zweitgrösste grüne Lunge nach dem Amazonas auf der Welt. Grund genug, diesen zu pflegen, zu schützen und darin einzutauchen…Pünktlich wie eine Schweizer Uhr kommen uns ein Fahrer und Henry abholen. Unseren grossen Rucksack können wir für diese Tage bei ihm zu Hause deponieren. Wir laden Material, Wasser und Proviant ins Auto: es kann losgehen!Der Bus sollte uns zu unserer ersten Zwischenstation fahren: Paso Caballos. Ein sehr abgelegenes Indiodorf, welches schon im Nationalpark liegt. Man braucht eine Bewilligung um dorthin zu gelangen.


Wir wundern uns anfänglich noch nicht, dass wir nur in einem Mikrobus sitzen, sagte uns Henry noch am Vorabend, dass wir wohl einen 4×4 brauchen, um ins Dorf zu gelangen.
Nach kürzester Zeit verlassen wir die asphaltierte Strasse. Vorerst passieren wir noch kleinere Häuseransammlungen, danach nimmt die Natur überhand. Maisfelder, grüne Wiesen und Lagunen ziehen an uns vorbei. Wir werden kräftig durchgeschüttelt, gleicht die Strasse eher einem Minenfeld mit den riesigen Kraterlöchern. Der kleine Bus rüttelt und schüttelt, schwankt manchmal gefährlich auf eine Seite. Es knarrt verdächtig unter uns. Dieses Gefährt ist wirklich nichts für diese Strasse, denke ich und schon stecken wir fest.

Und schon steckt der Mikrobus fest

Die Regenzeit hat ihre Spuren hinterlassen, wir sitzen ziemlich tief in einem Schlammloch fest und kommen vorerst nicht mehr raus. Gemeinsam versuchen wir den Wagen mit Muskelkraft rauszuschieben. Die Sonne brennt heiss auf uns herunter, wir rutschen stets auf dem glitschigen Boden ab, aber wir schaffen es – draussen!

Die Strasse wird immer haarsträubender und schlammiger. Wie sollen wir da weiterkommen?
Wieder stecken unsere Räder fest. Diesmal in einem tieferen Loch. Wir bauen mit Steinen und herumliegendem Holz einen Steg und kommen mit ach und krach rüber.
Wenn das so weiter geht sind wir nicht mal vom Wandern müde… 😉

Irgendwann steht ein Lieferwagen hinter uns. Er bringt Brot in diese abgelegenen Gegenden. Der Fahrer meint, dass die Strasse gegen das Ende noch viel schlimmer wird. Unser Lenker probiert es noch ein Stückchen, bis ein lautes, metalliges Kratzen von unterhalb zu hören ist. Schon wieder festgelaufen. Der Lieferwagen kann uns aus dem Morast ziehen, der Mikrobusfahrer verwirft seine Hände: sein Benzintank hat nun ein Loch.

Augenblicklich ist klar: so kommen weder wir noch er weiter. Erfreulicherweise für uns, dass der Brötlilieferant gegenwärtig ist, sonst hätte unser Abenteuer schon hier ein Ende genommen. Ich möchte mir nicht ausmalen, wie lange wir wartend am Strassenrand sitzen würden…

Wir packen alles um und fahren die letzten Kilometer im halbdunkeln Laderaum des Lasters mit. Eingequetscht zwischen gut duftendem Brot, Keksen und zusammengebundenen Hühnern. Unser Unternehmen fängt ja schon gut an… 😉

Paso Caballos, am Río San Pedro gelegen, ist ein friedliches 1500-Seelen-Dorf, wo wir von mehreren Leuten begrüsst werden. Hier lernen wir Mauricio kennen, welcher sich als «Ayudante», Assistent von Henry vorstellt. Mauricio ist hier und im Dickicht der Natur aufgewachsen. Es ist schwierig das Alter dieses eher schüchternen Menschen einzuschätzen, aber er ist noch sehr jung. Trotzdem überrascht er uns stets mit Details und Kenntnissen über die Natur. Er ist zu Recht sehr stolz auf seine Kultur und seine Arbeit mit den Archäologen. Er baut ein Projekt auf, womit er Paso Caballos dem Tourismus ein wenig näher bringen will, vor allem um Pferde, Träger und Führer für Touren zu buchen.

Steg in Paso Caballos

Unser Hab und Gut wird auf ein Aluboot geladen und wir und ein paar Männer schwirren auf dem spiegelglatten Fluss davon.
Die Fahrt ist wunderschön. Ein urwaldgesäumtes Ufer, wo sich auf der einen Seite die Blättervielfalt über einen Hügel ergiesst. Überall wohin man schaut dieses knackige Grün. Wir können unser Glück kaum fassen: da sind wir nun. Im Herzen saftigen Dschungels. Wir freuen uns ungemein auf die kommenden Tage, auch wenn wir nicht genau wissen, was da auf uns zukommen wird…

Relativ bald docken wir an einer Anlegestelle an, das Boot wird an einem Stamm festgezurrt. Die Kanister mit Trinkwasser, Proviant und sonstigem Material werden nun aufgeteilt. Jetzt verstehen wir auch, wer die anderen Männer im Boot sind: Helfer und Träger.

Henry und Mauricio, tragen das Meiste. Ein anderer Mann bugsiert auch noch etwas herum, ihn sehen wir aber danach nicht mehr. Wir tragen nur unseren kleinen Rucksack und kommen uns ein wenig blöd vor.
Die schwere Last tragen sie in einem grossen Sack, an welchem ein breites Band befestigt ist. Das Band wird zwischen Stirn und Haaransatz aufgelegt und so die Waren herumgetragen. «Das taten schon die Mayas so» verkünden sie stolz. Alle Indios tragen ihre Beutel und Waren auf diese Weise. Bei Migräne wohl eher zu vermeiden 😉

Wir wandern eine gute Stunde durch den Dschungel bis zum Camp von «El Perú». Mauricio und der andere Träger flitzen nur so durch das Unterholz. Wir schwitzen jetzt schon.

Das Camp ist eine Ansammlung grüner Holzhütten wo zum jetzigen Zeitpunkt Aufpasser und Helfer der Stätte leben. «Waldbewacher» sozusagen. Ihre Arbeit ist es auf den Schauplatz, Wege und den Wald aufzupassen und diese in Ordnung zu halten.
Weiter oberhalb lebt auch eine Gruppe Soldaten. Diese patrouillieren im Dschungel und passen auf, dass niemand illegal Edelhölzer fällt, «Guacamayas» (roter Langschwanzpapagei/Ara) klaut, oder Drogenhändler den Ort missbrauchen, um über die Grenze nach Mexiko zu gelangen.

Die «Waldbewacher» begrüssen uns überaus herzlich, als sie uns entdecken. Sie sind immer sehr gut für ein Plauderstündchen aufgelegt und wollen alles über uns wissen.
Viele Touristen verschlägt es nicht hierher, die letzten waren vor gut zwei Monaten da. Sonst leben auch die Archäologen hier, welche Saisonweise ihre Ausgrabungen weiterverfolgen.

Es ist ein spezielles Leben an diesem Ort, abgeschieden von der Zivilisation leben die Männer in einem Turnus von 22 Tagen im Dschungel. Sie haben viel zu erzählen und finden dann auch, als ich meine es hätte überaus viel Mücken: «Jaja, genügend. Wir haben auch immer wieder kranke Männer. Ist wohl Malaria» Ich staune über die Indifferenz und trage eine erneute Schicht Mückenschutz auf. Mir ist in diesen drei Tagen aufgefallen, dass sich niemals jemand etwas zum Schutz gegen diese Bestien eingeschmiert hätte. Kann man wahrscheinlich auch nicht, wenn man hier lebt…

Die Mückenunterhaltung geht zum Albtraumgespräch über: jeder kennt eine Geschichte über Tierchen die hier und da herumkriechen und sich im Menschen einnisten. Aber man vergisst ganz schnell, wenn man das dichte Grün um sicher herum betrachtet…

Der «Mirador»
Das Wetter am ersten Abend ist gut und vor Abenddämmerung marschieren wir mit Mauricio zum «Mirador», ein Aussichtspunkt, wo wir den Sonnenuntergang beobachten werden, so heisst es.

Guten Schrittes schreitet Mauricio mit einer Machete ausgerüstet voraus. Auch um diese Tageszeit ist es noch unglaublich heiss, drückend und vor allem feucht, was uns gewaltig ins Schwitzen bringt. Der «Mirador» ist eine gute Stunde vom Camp entfernt und die letzen hundert Meter sind ein richtiges Gekraxel. Durch den täglichen Regen wird der Boden nie ganz trocken, was aus dem Ganzen eine schlüpfrige Angelegenheit macht. Ausser Atem und mit pochendem Herzen erreichen wir die Spitze des Hügels wo sich ein grüner, hölzerner Aussichtsturm in die Höhe erhebt.

Mit letzter Kraft erklimmen wir die paar Etagen und werden zuoberst mehr als belohnt: eine unendliche, unermesslich grosse, grüne Ebene breitet sich rund um uns aus. Zuoberst im Turm sind wir sicherlich 10 Meter über den Bäumen und haben einen fantastischen 360-Grad-Ausblick
Kein Foto wird jemals diesem Panoramablick gerecht werden, kein Wort kann diese Naturschönheit wirklich beschreiben.

Die Abenddämmerung taucht alles in schönes Licht

Wenn man in Gedanken versunken, verträumt in die Weite abschweift, und bedenkt wie viele Stunden Schotterpiste wir hinter uns haben, per Boot noch tiefer in die Wildnis eingedrungen, im Anschluss darauf noch weiter hinein marschiert sind und nun auf dem Aussichtsturm Mittendrin stehen – da fühlt man sich auf einmal ganz klein.

Unter uns ragen meterhohe Dschungelgiganten aus der Erde, in den Wipfeln spielen Affen miteinander, ihr Gebrüll hallt über den ganzen Wald hinweg, Papageie die über die Baumkronen fliegen – der Wald ist so dicht, dass die Bäume wohl selber nicht wissen, wem nun welche Blätter gehören…

«Gibt es da woher ihr kommt keinen Dschungel?» fragt Mauricio. Nur Grossstadtdschungel denke ich, aber wir antworten: «Wald haben wir, nicht so gross wie der hier, aber mit ganz anderen Bäumen»

Auf der einen Seite legt sich die Sonne schlafen auf der anderen sehen wir einen breiten Regenbogen und Regensäulen, die langsam aber sicher näher kommen. Das Donnern breitet sich laut und dröhnend über dem Wald aus, ein spektakuläres Schau- und Hörspiel.

Es wird ziemlich schnell dunkel, wir steigen so rasch es geht, den steilen Abstieg hinunter, um den gut einstündigen Nachhauseweg in Angriff zu nehmen. Jemand hat das Licht ausgeknipst – es ist plötzlich stockdunkel im Wald. Trotz Vollmond dringt kein Lichtstrahl zu uns durch – ohne Lampe und vor allem ohne Mauricio wären wir völlig verloren.
Zum Spass mache ich meine Funzel aus – eine ziemlich unheimliche Atmosphäre – es knistert und raschelt von überall her…

Es Blitzt über uns, der Donnergroll ist imposant und wird durch den grossen Wald nur noch verstärkt. Innert Kürze macht die Regenzeit ihrem Namen alle Ehre: es giesst in Strömen.

Nass und erschöpft, aber völlig erfüllt von dieser fabelhaften Natur und den tollen Eindrücken kommen wir im Lager an. Das Camp verfügt über keinen Strom. Ein Generator produziert pro Tag knapp zwei Stunden Licht, vor allem, dass die Köchin, die einzige Frau unter all den Männern, kochen kann.
Die Glühbirnen blitzen zwei- dreimal auf, ein Zeichen, dass das Camp bald in absolute Dunkelheit und Ruhe tauchen wird. Die zwei Stunden sind um. Bei Kerzenschimmer sitzen wir mit Henry, Mauricio und den anderen «Waldmännern» in der rauchigen Küche. Fragt sich, ob es am leicht sauren Tetrapackwein liegt, aber die Männer beginnen lokale Legenden zu erzählen.

Wir horchen auf, als sie uns die Geschichten von «El Duende», einer Art Geist schildern. «Das war noch zu der Zeit, als es keinen Strom in den Häusern und Strassen gab» meint jemand. Er ist Beschützer der Kinder und rächte sich an den Eltern, die ihre Kinder schlagen und schlecht behandeln, oder Trunkenbolde zurechtweist, die in den Strassen herumtorkeln.

Eines Abends findet ein Vater ein in ein Tuch gewickeltes, weinendes Kind hinter einem Holzhaufen. Wer wohl so scheusslich sein könne, um ein Baby hier liegenzulassen, denkt er sich und nimmt es mit. Aber mit jedem Schritt, den er mit dem Kind in den Armen macht, wiegt dieses mehr und wird immer schwerer und schwerer. Als er es kaum mehr halten kann, klappt er das Tuch auf und er blickt ihn eine grässlich, grinsende Fratze, welche ihm mit seinen Krallen sein Gesicht wund kratzt…

Dass es Geister und Erscheinungen gebe, auf den Ausgrabungsstätten, das sei sowieso völlig normal, meinen die Herren. Schliesslich habe es auch genug Hinrichtungen für die Opfergaben gegeben, und diese Seelen, schwirren nun halt immer noch herum. Einmal hörte ein Helfer seinen Namen rufen, obwohl niemand anderes auf der Stätte gewesen sei…

Ähnliche Geschichten, auch um Schluckspechte vom Alkohol zu bringen oder sie gar völlig zum Wahnsinn zu treiben erzählen sie auch einen Haufen.
Die Stimmung in der Küche ist speziell. Beim flackernden Kerzenlicht lachen wir darüber, hoffen aber gleichzeitig, in der Nacht nicht gebrauch von der Latrine machen zu müssen und im Dunkeln über das Geländer zu irren…

Der Tetrapack ist leer und wir sinken mit den Gedanken noch in den Schaudergeschichten auf unser Nachtlager.

Der zweite Tag
Um vier Uhr Morgens schrecken wir wegen eines unheimlichen Riesengeschreis aus dem Schlaf hoch: die Brüllaffen, man sagt auch die Wecker des Dschungels, schreien um die Wette und wecken jede noch so verschlafene Seele. Die ersten Männer stehen auf und bereiten sich für den Tag vor.
Wir versuchen es nochmals mit umdrehen. Die Nacht war kurz, die Moskitos summten trotz Moskitonetz wie wild um unsere Ohren. Diese Vampire finden überall einen Zugang, um an ihr Lebenselixier zu kommen.

Zu diesem Zeitpunkt fragen wir uns, wie wir den heutigen Tag überleben sollen. Aber nach einer Eimerdusche mit dem eiskalten, gelben Lagunenwasser sind auch unsere Geister wach.

Henry, Mauricio, wir und nun auch Don Pedro marschieren los. «Don Pedro de la Selva » wie wir ihn nennen, arbeitet auch mit Archäologen zusammen und beeindruckt uns sehr. Ein älterer Herr, der in seinen Gummistiefeln (ohne Socken!) den ganzen Tag mit uns mitläuft und absolut keine Müdigkeitserscheinung zeigt.
Vorbei an beachtlicher Pflanzenwelt, werden wir über dieses und jenes medizinische Gewächs aufgeklärt. Der Urwald enthält eine ganze Apotheke an Pflanzenheilmitteln.

Er weiss auch unglaublich viel über Tiere und ist hier im Dschungel voll in seinem Element. Er bewegt sich darin mit so einer Normalität, dass man das Gefühl bekommt er sei hier geboren und der Urwald wuchs um ihn herum.

Wir sehen die edlen Zederbäume, die hier im Park geschützt sind, Kautschukbäume, deren Milchsaft zur Kau- und Gummiherstellung genutzt wird, den Ceibal, Nationalbaum Guatemalas und erfahren die Mayanamen der Pflanzen, die wir natürlich alle schon wieder vergessen haben.

Die Fauna ist auch nicht zu unterschätzen: es wimmelt an Vögel und Affen hier im Wald. Die fast schwarzen Brüllaffen machen mit ihrem Geschrei auf sich aufmerksam. Die Klammerschwanzaffen sind sehr neugierig und gucken uns mit ihrem brilligen Gesicht aufmerksam an. Sie sind aber sehr aggressiv und wenn wir sie zulange ansehen bewerfen sie uns mit Ästen und Früchten und scheuen sich nicht uns auch… anzupinkeln 😉

Die Klammerschwanzaffen...

Wir haben das Glück auf unserer Seite und sehen noch vier von den sehr scheuen Tukane. Von den drei Arten die hier leben, entdecken wir den Grössten. Ihr farbiges Gefiederkleid und dieser überdimensionale Schnabel sind sehr beeindruckend.

Allzu lange bleiben wir nie bewegungslos stehen, da wir gleich von dutzenden Moskitos attackiert werden. Aber stundenlang durchstreifen wir den Busch, entdecken Spuren eines Jaguars und die anderer Tiere.

Um die Mittagszeit erreichen wir die archäologische Ausgrabungsstätte von «El Perú». Momentan arbeiten keine Archäologen hier, da es ihnen nur 3 Monate im Jahr gestattet ist Ausgrabungen zu machen. Die hauptsächlich gefundenen Stelen mit Bildern von Kriegern und Hieroglyphen stehen geschützt unter einem Strohdachhäuschen.

Da kriechen wir in Hitze und Feuchtigkeit durch den Wald und erfahren, dass die schönsten Fragmente in ausländischen Museen deponiert wurden. Ich bin ja auch für Konservierung, aber ob sich da ein Museumsgänger wirklich so sehr für eine Tafel begeistern kann… aber wir kamen ja auch mehr wegen dem Natur- und Dschungelaspekt. Wenn man so durch das Dickicht streift fühlt man sich gleich selber wie ein Archäologe 😉

Don Pedro und Mauricio erzählen uns einige interessante Dinge über die Ausgrabungen hier und der Region. Der Hügel, den wir auf dem Platz sehen, werden sie als nächstes in Angriff nehmen, darunter sei ein kleiner Tempel vergraben.

«Es ist sehr interessant und wichtig zu erfahren, was die Wissenschaftler ausgraben. Schliesslich geht es da um meine Vorfahren» verkündet Mauricio mit viel Würde.
Es gibt insgesamt sage und schreibe 5000 (!) ausgegrabene und noch unentdeckte Mayastätten im Peten. Von kleinen Stelen und Gräbern bis zu den grossen Pyramiden. Unglaublich was für eine Kulturvielfalt hier noch vergraben liegt. Ein wahrer Spielplatz für die Spezialisten…

Nach dem Mittagspicknick laufen wir mit Umweg zu einer Lagune wieder zurück. Don Pedro hofft dort noch ein bisschen angeln zu können. Aber der Holzsteg wurde völlig überflutet.

Am späteren Nachmittag kommen wir bis zu den Knien mit Schlamm bedeckten Hosen zum Lager zurück. Es war ein ausgefüllter Tag, aber unsere Füsse sind trotzdem sehr froh Feierabend zu haben.

Aufbruchstimmung
Der letzte Morgen im Lager. Die Affen weckten heute niemanden, sie verzogen sich vom nächtlichen Regen in einen Unterschlupf.
Ich werde beinahe wahnsinnig weil es hier Miniaturmücken gibt. Sie sehen aus wie Fruchtfliegen, stechen und hinterlassen für ihre Grösse einen beachtlichen Blutfleck. Ich reagiere allergisch und nehme vier dicke, heisse Finger mit nach Hause.
Obwohl wir praktisch Moskitospray intravenös zu uns nehmen und stets lange Kleider tragen, haben wir einiges abbekommen.

Wir treten die Heimreise an, Don Pedro kommt auch mit. Er hat Ferien und nutzt die Chance mit uns im Boot nach Paso Caballos zu fahren.

Im Dorf gedulden wir uns im Schatten eines Baumes. Unser Fahrzeug sollte eigentlich schon lange hier sein. Die Zeit vergeht überhaupt nicht. Sehr viele Touristen kommen hier tatsächlich nicht vorbei. Neugierig und manchmal erschrocken schauen uns die Kinder an. Die Kleinen verstecken sich hinter dem Rockzipfel ihrer Mutter, andere pflanzen sich vor uns hin und schauen uns mit grossen Augen an. Auch ein lächeln hilft da irgendwie nicht – sie rennen davon. Sehen wir wirklich so schrecklich aus nach den Tagen im Urwald? 😉

Von der Fussballselektion werden wir auch umzingelt ;-)

Geschlagene drei Stunden vergehen bis der Pick-up kommt. Wir ahnen, dass wir in den Regen kommen, braute sich in den letzten Stunden doch eine ziemlich schwarze Wolkenansammlung zusammen. Das wäre nicht so schlimm, wenn wir nicht auf der Ladefläche des Autos sitzen würden…

Mit einem Poncho bewaffnet versuchen wir so gut es geht unsere Rucksäcke und uns zu schützen. Der Regen peitscht auf uns herab, die Strasse, ein wahres Kriegsfeld, beutelt uns noch dazu. Die Flut von oben und vor allem auch die Strecke will kein Ende nehmen. Unsere Energie und Laune lassen nach. Nass bis bald auf die Knochen fangen wir an zu frieren. Warum sind wir nicht endlich in Flores?

Zwei Wolkenentleerungen später sind wir endlich da. Wir sind überglücklich und wollen nur noch eins: eine Dusche! Wie man sich wahrscheinlich vorstellen kann, war es die beste Dusche seit langem. Ich glaube um 19 Uhr schliefen wir schon wie Babys… 😉

Am nächsten Tag stehen wir mit leichtem Muskelkater auf, aber den Kopf voller toller Bilder und Eindrücke, der vergangenen Tage. Es war so spannend und eindrücklich, dass wir sicherlich wieder einmal etwas in dieser Art machen werden…

Der Artikel wurde so lange, dass ihr wahrscheinlich schon mit Essen und Trinken vor dem Bildschirm sitzt 😉 Es geht noch weiter mit ein paar neuen Bildern aus der Wildnis. Viel Spass und bis bald…

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