1154 Tage Kolumbien Südamerika

Ab in die Berge und weiter in die weisse Stadt

>> Popayán, Kolumbien
Nach der Wüste fahren wir in die Berge. Die Fahrt von Neiva über La Plata nach Tierradentro ist spektakulär. Im Pick-up fahren wir auf Schotterpisten, rundherum saftiges, fast kitschiges Grün, weit unten in der Schlucht ein Fluss.
Tierradentro ist ein archäologischer Fundort mit Grabstätten aus der Zeit vor etwa 1000 v.Chr. Über eine grosse Fläche verteilt, kann man so praktisch das Tal auskundschaften und die Grabstätten begutachten.
Wir übernachten im dazugehörenden Dörfchen San Andrés de Pisimbalá bei Doña Marta, einem alten Frauchen. Wir fühlen uns gleich pudelwohl bei ihr, während sie die Betten macht schlürfen wir einen «Tinto». Zwar regnet es am Nachmittag, was aber unsere Laune nicht trübt, denn wir essen ein gutes Zmittag um die Ecke. Es ist eine Freude, denn wir hatten in den letzten Tagen ein bisschen einen (Ess-)Durchhänger.
In letzter Zeit assen wir täglich das gleiche. Bohnen, Reis, ein Stück Fleisch. Alles sehr lieblos. Vorallem hängt mir persönlich der Reis langsam zu den Ohren raus. Jeden Tag Reis. Aber hier geht es uns gut, die Bergluft erfrischt die Sinne.

Am nächsten Tag ist das Wetter besser, wir gehen auf Entdeckungsreise. Es gibt einen Haufen Grabstätten hier in der Gegend. Alle unterirdisch. Eine Art Loch, wo schneckenartig gigantische Stufen in die Erde hinabführen. In der Höhle meistens zwei Säulen und je nach Grab dreieckige Gesichter und Malereien.

Der schneckenförmige Eingang mit riesigen Stufen

Tierradentro

Man weiss nicht so viel über die Gräber, vor allem nicht genau von welcher indigenen Bevölkerung sie genau stammen. Man nimmt an von mehreren, jedes Volk hat sie «ausgebaut».
Es gibt verschiedene Bestattungsphasen. In der ersten legt man den toten Körper mit Gütern in die unterirdische Höhle und je nach Rang oder Wichtigkeit der Person, wird nach einiger Zeit das Skelett wieder herausgeholt und in einer Urne verbrannt.

Ein paar Höhlen sind gut konserviert und man sieht noch die Farben mit denen sie bemalt wurden. Nur drei Hauptfarben wurden gebraucht. Rot, schwarz und weiss. Diese stehen für das Leben, den Tod und die Ewigkeit. Meistens sieht man Muster, die auf die Decke gemalt wurden. Eine Art Dachsimulation für die Toten.

Wir geniessen die Umgebung, die Ruhe. Diese Gegend muss für gutes Essen bekannt sein, seit wir hier sind gibt es schmackhaftes zwischen die Zähne, eine wahre Freude wieder einmal ein bisschen Geschmack erleben zu können. Nachmittags ziehen wieder Wolken auf.

Eigentlich wollen wir länger bleiben, bemerken aber dass wir kein Geld mehr haben. Also bleibt uns nichts anderes übrig als weiter zu fahren. Wir haben Glück und erwischen mit einem Zwischenstopp den Bus nach Popayán. Der erste Bus bringt uns zum schmunzeln, wir werden wie verrückt durchgeschüttelt, an uns zieht schönste Gegend vorbei, und aus dem Lautsprecher plärrt in voller Lautstärke Musik. Aber gute! Kolumianischer Salsa ist (wenn auch laut) angenehm anzuhören. So tuckern wir in der Gegend herum, grinsend und guter Dinge.
Die Fahrt durch die Berge ist super, die Pflanzenwelt ist abwechslungsreich, die Erde fruchtbar.

... an verschiedenster Natur vorbei.

Die Strasse ist in schlechtem Zustand, wir ruckeln dermassen durch die Gegend, dass nach drei Stunden Fahrt die Innereien ihre Plätze getauscht haben…

Aber wir kommen heil in Popayán an. Die Stadt strahlt auf den ersten Eindruck eine angenehme Atmosphäre aus mit den weissen Häusern und dem grossen Hauptplatz mit Park. Aber die Unterkünfte sind gesalzen. Eigentlich haben wir uns gesagt, an unserem Jahrestag schauen wir nicht aufs Budget – aber das hätte uns wohl ruiniert… Am und um den Markt herum hat es normalerweise günstige Herbergen, aber hier wurde uns gesagt, der Markt sei nicht sehr sicher, vor allem abends. Also lassen wir das. Irgendwie werden wir dann doch fündig, per Zufall. Hervorragend. So bleibt genug Zeit um zu feiern.
Und heute gönnen wir uns ein richtiges Restaurant.

So landen wir in einem italienischen Restaurant, das von einer Westschweizerin geführt wird. Wir können uns bei all den Köstlichkeiten nicht entscheiden und nehmen eine Pizza und ein Medaillon mit Pilzrahmsauce. Der kleine Salat, den es zur Vorspeise gibt verschlingen wir mit Vergnügen, endlich wieder einmal knackiger, frischer Salat. Herrlich.
Das Fleisch und die Pizza sind dermassen gut, dass wir gleichzeitig um den Tisch tanzen, singen und weinen wollen. 😉
Ihr könnt Euch das vielleicht nicht vorstellen, aber frische Champignons, Rahmsauce und dann noch derart zartes Fleisch… ein Traum! Wir haben sogar eine Pfeffermühle. Ein Wahnsinn. Ja fragt Euch nur ab uns – aber all diese Dinge sind in Europa zwar normal, aber wir haben dieses Essen wirklich völlig genossen.

Ich langweile Euch nicht länger mit Essensdetails, uns hat es geschmeckt und das ist die Hauptsache. Und da wir nun auch eine gute Schlafmöglichkeit gefunden haben müssen wir auch nicht gleich wieder hier wegfahren.

Nun seid ihr wieder auf aktuellstem Stand der Dinge. Die ecuadorianische Grenze ist nun nicht mehr allzu weit entfernt und wie es aussieht werden wir in den nächsten Tagen in Ecuador sein. Wir berichten wieder!

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